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Enzkreis -  07.01.2019
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Feldlerchen als Pechvögel: „Vogel des Jahres“ in der Region immer seltener zu sehen

Enzkreis/Pforzheim. Wenn der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) zum zweiten Mal denselben gefiederten Zeitgenossen zum „Vogel des Jahres“ kürt – wie 1998 und jetzt 2019 – dann muss das gewichtige Gründe haben. Diese fragwürdige Ehre wird der Feldlerche zuteil. Seit 1998 gibt es laut Nabu von dieser Spezies rund 25 Prozent weniger. In Baden-Württemberg und gerade in unserer Region ist die Situation noch weitaus beängstigender.

Die Feldlerche ist gefährdet und kommt auch im Enzkreis nur noch vereinzelt vor.  Foto: Andreas Neuthe/dpa
Die Feldlerche ist gefährdet und kommt auch im Enzkreis nur noch vereinzelt vor. Foto: Andreas Neuthe/dpa

„Die Bestände haben bei uns in Baden-Württemberg in den vergangenen 25 bis 30 Jahren dramatisch abgenommen – um die 50 Prozent. Bei uns im Land gibt es derzeit nur noch zwischen 85.000 und 100.000 Brutpaare“, bedauert Gerhard Vögele. Der Ehrenvorsitzende des Nabu für Enzkreis und Pforzheim kennt sich bestens aus.

Büchenbronn ist tabu

Der Naturschutzwart für Büchenbronn und die Pforzheimer Enzauen beklagt: „In Büchenbronn hat die Feldlerche vor etwa zehn Jahren in geringer Zahl noch gebrütet. Dort ist sie praktisch nicht mehr anzutreffen.“

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Besser sieht es in den Pforzheimer Stadtteilen Huchenfeld und Hohenwart sowie in den Heckengäu-Gemeinden des Enzkreises aus. „Dort gibt es noch einige ordentliche Vorkommen“. Obwohl die Hecken eigentlich kein Habitat seien, befänden sich im Heckengäu einige Freiflächen, auf denen sich der Vogel weiterhin wohl fühle.

Laut Vögele ist die Feldlerche eine „der am meisten bedrohten Vogelarten“ und steht auf der Roten Liste in der Kategorie III unter „gefährdet.“ Der Nabu-Experte weist auf 39 Agrar-Vogelarten hin, die entweder auf Ackerböden oder auf Wiesenflächen brüten – eben wie die Feldlerche. Sie finden dort ihre Nahrung. Neben dem „Vogel des Jahres 2019“ spricht er auch beim Kiebitz und beim Rebhuhn von einer „dramatischen Abnahme der Bestände.“

Der Ehrenvorsitzende berichtet davon, „dass sich bei meinen Exkursionen mit Interessierten viele wundern, dass die Feldlerche auf dem Boden brütet“.

Was dem Agrarvogel, dem das Offenland auf den Leib geschneidert ist, überhaupt nicht behagt, seien Chemie und eine frühe Ernte. „Die Feldlerche bevorzugt nämlich Klee und Luzerne“, erklärt Vögele, während sie Getreide, Mais und Raps links liegen lässt. Auch die Siedlungsentwicklung und sonstige Störungen ist für das 18 bis 19 Zentimeter große Flattertier ein Dorn im Auge.

Für extensive Landwirtschaft

Was sollten wir tun, um das Lebensumfeld des „Vogels des Jahres“ zu verbessern? Hier ist für Vögele guter Rat nicht teuer. „Wir können extensiv bewirtschaftete Flächen schaffen und erhalten, die nicht dem hohen Produktionsdruck der Landwirte unterliegen. Und wir sollten das Grünland-Umbruchverbot beibehalten“, empfiehlt er. Das „Projekt Lerchenfenster“, an dem sich 135 Landwirte landesweit beteiligt hatten, sei ausgelaufen. Das habe bedeutet, dass man auf einer mindestens fünf Hektar großen Fläche zwei Lerchenfenster mit je 20 Quadratmetern ausgewiesen habe. Allerdings plädiert der Nabu-Funktionär nicht um jeden Preis für solche Nischen, in denen sich die Feldlerche niederlassen kann: „Lerchenfenster machen nur dort einen Sinn, wo Lerchen im Umkreis von höchstens fünf bis zehn Kilometer beobachtet wurden.“

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Autor: Bruno Knöller