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Enzkreis -  08.02.2019
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Kolumne: STI und SWS – sprachliche Schutzkleidung

Das Gesundheitsamt des Enzkreises um Leiterin Dr. Brigitte Joggerst spielt eine ganz zentrale Rolle dabei, uns Bürger über Gesundheitsrisiken und wichtige Vorbeugungsmöglichkeiten zu informieren. Es liegt in der Natur der Sache, dass im Zusammenhang mit vielen Krankheiten über Dinge gesprochen werden muss, die keiner gerne anspricht. Der Normalbürger nicht und auch nicht der Fachmann – auch wenn der es im Zweifelsfall trotzdem tun muss. Am Freitag nahmen sich Experten so die „STI“ vor. Die was?

Unerlässlich im Gesundheitswesen sind hygienische Handschuhe. Und sie haben ein sprachliches Pendant. Foto: dpa-Archiv
Unerlässlich im Gesundheitswesen sind hygienische Handschuhe. Und sie haben ein sprachliches Pendant. Foto: dpa-Archiv

„Sexual Transmitted Infections“ übersetzte die Gesundheitsamtsleiterin die fachliche Abkürzung. Hä? Sexuell übertragbare Krankheiten, könnte man die Übersetzung wieder übersetzen.

So funktioniert das oft bei schwierigen Themen. Im Zweifelsfall hilft ein komplizierter Fachbegriff, gerne in einer Fremdsprache. Oder warum glauben Sie, haben Ärzte früher noch ganz besonders viel mit Latein um sich geworfen. Es macht so manche schlechte Nachricht leichter zu übermitteln. Und wenn es dazuhin möglicherweise peinlich wird, dann hilft eine Abkürzung des Fachchinesischen. Denn welche Krankheiten, die durch Sex übertragen werden können, sind für die Bevölkerung „ohne SWS“ ein Risiko? Wer sind diese SWS? „Sexworkers“, klären die Unterlagen des Gesundheitsamts auf. Gemeint sind vor allem Frauen, die aus beruflichen Gründen einem besonderen Risiko für solche Krankheiten ausgesetzt sind. Es gibt klarere Begriffe für diesen Personenkreis. Aber da fürchtet so mancher, seine Formulierung könnte als Wertung missverstanden werden. Also lieber abkürzen.

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Die Beispiele dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich um ein sehr verbreitetes Phänomen handelt. Der Autor dieser Zeilen hat zu Studienzeiten Freunde erlebt, die fluchen konnten wie die Droschkenkutscher – auf englisch. Nur so waren die Kraftausdrücke für deutsche Ohren sozial vertretbar. Dasselbe Phänomen erklärt häufiger auch Erfolge von englischsprachigen Popsongs. Nicht nur, aber besonders in der Sparte Rap. So manchen Text versucht man hierzulande nur deshalb mitzusingen, weil man keine Ahnung hat, was der Künstler mit der einen oder anderen Zeile tatsächlich ausdrückt.

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