Birkenfeld
Birkenfeld -  14.04.2026
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Ein Jahr nach lebensgefährlicher Attacke in Birkenfeld: 70-Jähriger spricht über Folgen

Birkenfeld. 2025 wird Bernd Vollmer überfallen und mit einem Baseballschläger lebensgefährlich verletzt. Ein mutmaßlicher Täter wird jetzt angeklagt.

Lebensgefährtin Ulrike Fuchs und der im vergangenen Jahr bei einem Angriff vor einem Jahr lebensgefährlich verletzte Bernd Vollmer.
Lebensgefährtin Ulrike Fuchs und der im vergangenen Jahr bei einem Angriff vor einem Jahr lebensgefährlich verletzte Bernd Vollmer. Foto: Wewoda

„Es ist eine Genugtuung, dass man den einen gefasst hat. Denn das ist einer weniger, der mich verfolgt“, sagt Bernd Vollmer ernst.

Gut ein Jahr ist die Attacke her, die in der Region weithin für Entsetzen gesorgt hat: Der Elektrikermeister im Ruhestand, 70 Jahre alt, wird am 14. März 2025 am frühen Nachmittag in der Dietlinger Straße in Birkenfeld von zwei maskierten Männern brutal überfallen.

Mit einem Baseballschläger verletzt einer der beiden unerkannt entkommenden Täter Bernd Vollmer lebensgefährlich. Unter anderem stellen die Ärzte im Pforzheimer Siloah-Krankenhaus, in das die Rettungskräfte das Opfer bringen, einen offenen Schädelbruch neben weiteren Brüchen an Schulter, Hand und Jochbein fest. Nervenfasern werden durch Knochen beschädigt. Bernd Vollmer kommt direkt auf die Intensivstation.

„Wir wussten anfangs nicht, ob er durchkommt“, erinnert sich die beim Gespräch mit der PZ neben ihm sitzende Lebensgefährtin Ulrike Fuchs.

„Es hätte auch einen zweiten Fall Michael Schumacher geben können“, erinnert sich Fuchs an die Äußerung eines Mediziners. Doch im Kopf sei Bernd Vollmer zum Glück schnell zurück gewesen. „Es wurde uns erst im Nachhinein bewusst: Nicht auszudenken, wäre ich ein Pflegefall geworden“, sagt Bernd Vollmer. Sein erster Gedanke, als ihm im Rollstuhl bewusst wurde, dass er nicht mehr selbst gehen und sich bewegen konnte? „Ich will wieder tanzen können“, sagt der lebenslustige Vollmer – eine seiner größten Leidenschaften neben dem Segeln. Sechs Wochen verbrachte er nach der Entlassung aus dem Krankenhaus in einer neurologisch-orthopädischen Rehaklinik.

„Jetzt geht es wieder besser“, erzählt Vollmer erleichtert.

Seinen Geruchssinn habe er jedoch verloren, und durch die Knochenbrüche sei er sehr wetterfühlig. Und das Erlebte abzuschütteln, sei nicht so leicht. Alpträume verfolgten ihn. Je näher er dem Tatort sei, desto nervöser werde er. „Ist jemand hinter mir“, schießt es Vollmer dann etwa durch den Kopf, erzählt er. Warum es ausgerechnet ihn getroffen hat, kann er bis heute nicht verstehen. „Ich suche eigentlich immer nur das Gute im Menschen, ich habe doch keine Feinde“, sagt er sich immer wieder. Als die PZ vor wenigen Wochen am 18. März berichtet, dass „ein 51-jähriger italienischer Staatsangehöriger“ in Pforzheim angeklagt wird, der laut gemeinsamer Pressemitteilung von Polizei und Staatsanwaltschaft bereits am 8. Oktober 2025 in Neapel festgenommen wurde, erreichen Bernd Vollmer zahlreiche Nachrichten.

„Den ganzen Nachmittag kamen WhatsApp und SMS“, berichtet der 70-Jährige. „Das sind ja mal gute Neuigkeiten“, lautet eine davon. „Alle freuen sich mit mir“, erklärt er. Jetzt liegt die Hoffnung auf den weiteren Ermittlungen der Polizei – und auf den Vernehmungen des mutmaßlichen einen Täters in Untersuchungshaft: „Wir hoffen, dass er singt“, sagt Ulrike Fuchs.