„Herzensanliegen“: Lebendiges Viertel in Birkenfelder Dittusareal
Birkenfeld. Seit der Obst- und Gemüseladen Il Saraceno in die neue Markthalle umgezogen ist, steht der markante Blaue Pavillon leer. Er soll als Erstes aus dem Birkenfelder Ortsbild verschwinden, und zwar laut Verwaltung noch in den Osterferien. Das markiert den Startschuss für die städtebauliche Entwicklung im Sanierungsgebiet Ortsmitte, wie der Birkenfelder Bürgermeister Martin Steiner bei einem Pressetermin im Rathaus zum Areal um die frühere Großmetzgerei erläuterte.
„Herzensanliegen“ Dittusareal
Dafür fließen bis April 2029 Gelder aus Bund-Länder-Programm dem „Sozialer Zusammenhalt“. Steiner sagte: „Nach der Eröffnung der Markthalle voriges Jahr fragen sich viele, wie es weitergeht in der Ortsmitte. Es ist mir ein Herzensanliegen, das Dittusareal einer Nutzung zuzuführen.“
Statt einen städtebaulichen Wettbewerb für das Gesamtareal auszurufen, wie ursprünglich gedacht, haben sich die Verantwortlichen entschieden, das Gelände in drei Baufelder aufzuteilen und „Baufeld 1“ als Erstes zu entwickeln. Dieses biete sich laut Bürgermeister „zur zügigen Umsetzung“ innerhalb von zwei bis drei Jahren an.
„Wir müssen erst Baurecht schaffen“, stellte Andreas Seufer, Geschäftsführer der Wohnbau Birkenfeld, fest.
Jochen Abraham und Tochter Nanni Abraham vom Pforzheimer Büro AJA Architekten Abraham präsentierten im Gemeinderat die von ihnen erarbeitete Konzeptstudie für das erste für die Umgestaltung vorgesehene Baufeld. „Bisher ist auf dem Marktplatz und dem Kirchplatz keine klare Platzstruktur erkennbar“, so Jochen Abraham – das soll sich auch durch entsprechend im Dittusareal zu schaffende Sichtbeziehungen ändern. Zuvor hatte sich der Gremium nicht-öffentlich mit der hiesigen städtebaulichen Entwicklung auseinandergesetzt.
Giebelhäuser vor dem Abriss
Im Dittusareal prägen nicht nur im namensgebenden Bau leerstehende Wohn- und Geschäftsräume das heute noch triste Bild, sondern auch gegenüber der Einmündung zur Kirchgartenstraße in der Hauptstraße 39 bis 45. „Hier muss etwas passieren, es ist eine derzeit desolate Situation“, stellte Jochen Abraham fest. Die drei Giebelhäuser stehen alle vor dem Abriss. Darunter befindet sich auch das bis zum Umzug in die neue Markthalle von der Metzgerei Ganzhorn genutzte Gebäude. Auf der anderen Seite zum Rathaus hin rückt der als Skelettbau bezeichnete Baukörper am Marktplatz 1-3 in den Blickpunkt, der den Schreibwarenladen „Kunterbunt“ bis zu seiner Geschäftsaufgabe beherbergte. Hier soll saniert, umgestaltet und erweitert werden – Gleiches gilt für das Dittus-Gebäude selbst.
„Wir betrachten unseren Ortskern künftig als großes Einkaufszentrum für unsere Bürger“, betonte Martin Steiner.
„Kleinteiliger Handel und Gastronomie mit Außenbewirtung“ sind für ihn vorstellbar, alles fußläufig erschlossen. Einen Drogeriemarkt würden sich die Bürger zudem wünschen als Ergebnis eines Workshops. Wie realistisch dieser sei, bleibe abzuwarten. „Der bestehende Einzelhandel soll nicht abgehängt werden“, versicherte Abraham. Der Gemeinderat hat einstimmig eine Machbarkeitsstudie als nächsten Schritt beauftragt.
