Birkenfeld
Birkenfeld -  07.10.2026
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Tödlicher E-Scooter-Unfall wühlt ganze Region auf – trotz offener Fragen wird über die Roller diskutiert

Birkenfeld/Pforzheim/Enzkreis. Es wird noch Wochen oder Monate dauern, bis man besser versteht, warum ein 14-Jähriger auf der B294 bei Birkenfeld sterben musste. Erst mal muss ein Gutachter den Hergang des schrecklichen Unfalls von vergangenem Freitag rekapitulieren. Doch im Hintergrund läuft nicht nur Hilfe für die Familie des Opfers an. Es sind auch Debatten um den betroffenen Verkehrsknoten entbrannt. Und die Gefahren der Elektroroller geraten auch mal wieder im Visier.

Birkenfeld Kirchweg B294 Unfall
An der B294 bei Birkenfeld fährt am Mittwoch ein E-Scooter-Fahrer auf die Stelle vor, an der am Freitag ein 14-Jähriger auf einem solchen Roller ums Leben gekommen ist. Obwohl die wichtigsten Fragen zu dem Unfall noch offen sind, entbrennt eine Debatte um die Risiken der vor allem bei jungen Menschen beliebten Gefährte. Foto: Meyer

Dieser Unfall erschüttert nicht nur Birkenfeld und Pforzheim. Doch es wird noch lange dauern, bis mehr Klarheit darüber herrscht, warum ein 14-jähriger E-Scooterfahrer am vergangenen Freitagmorgen gegen 7.35 Uhr auf der B294 im Enztal tödlich von einem Auto erfasst worden ist. Ein Gutachter muss klären, wie genau der Unfall abgelaufen ist. Und das dauert erfahrungsgemäß viele Wochen oder Monate. Ebenfalls dauern wird die Untersuchung einer Blutprobe des Autofahrers, bei dem ein Atemalkoholtest nach dem Unglück einen Wert von knapp unter einem Promille ergeben hatte. Bis dahin sind alle Fragen offen.

Nach den bisherigen Erkenntnissen geht die Polizei davon aus, dass der Junge von Pforzheim her auf dem Gehweg an der stark belasteten Straße gefahren war, dann aber auf die andere Seite in Richtung des Birkenfelder Kirchwegs wollte. Getroffen wurde er dabei vom Auto eines 49-Jährigen, der von Neuenbürg her auf der B294 unterwegs war. Aber wie es dazu gekommen ist und ob der Unfall ohne Alkoholeinfluss vermeidbar gewesen wäre, wird das Gutachten beantworten müssen. Von dem Unglück zeugen derzeit noch rosafarbene Markierungen der Polizei auf der Bundesstraße und auf dem Gehweg.

Bei einer privaten Hilfsaktion für die Familie des getöteten Jungen haben Stand Mittwochnachmittag 430 Spender deutlich über 10.000 Euro zusammengebracht. In Sozialen Medien wird zur Trauerfeier an diesem Donnerstag aufgerufen. Gleichzeitig gibt es in Birkenfeld, Pforzheim und darüber hinaus Debatten über die Regelungen an dem betreffenden Verkehrsknoten – und über die Risiken, wenn man mit E-Scootern unterwegs ist.

Klar: In diesem Fall sind die Fragen um Schuld und Verantwortlichkeiten noch nicht beantwortet. Doch in der Region wird eine Petition geteilt, die bundesweit nach dem tödlichen E-Scooter-Unfalls eines 13 Jahre alten Mädchens gestartet worden ist. Und in der Kommentarspalte dieser Petition fallen auch Stimmen aus dem Raum Pforzheim auf. Die Initiatoren suchen Unterstützer für strengere Regeln für die elektrisch motorisierten Roller: eine Helmpflicht, die heute nicht existiert, ein Mindestalter für Fahrer von 16 Jahren statt derzeit 14, eine Reduktion der aktuellen 20 Stundenkilometer Höchstgeschwindigkeit und eine Führerscheinpflicht, die es bisher auch nicht gibt.

Bevor man mehr darüber weiß, wer bei diesem Unfall was falsch gemacht hat, entbrennt auch in der Region eine Scooter-Debatte. Auf den ersten Blick wirken die Unfallzahlen beim Polizeipräsidium für 2025 nicht riesig. 51 Unfälle mit „Elektrokleinfahrzeugen“, also im wesentlichen Scootern, sind dort fürs vergangene Jahr aufgeführt. Die Tendenz zeigt aber klar nach oben. Und der Anteil der Verletzten ist ähnlich hoch wie bei Unfällen von Fußgängern, Rad- oder Pedelecfahrern, die ebenfalls zugenommen haben. Auch 2025 gab es einen Todesfall zu beklagen. Ebenfalls im Enzkreis. Damals war der Verunglückte alleine gestürzt. Ohne Helm, wie laut Polizei auch beim aktuellen Unfall.

Noch deutlicher wird der Trend bei den Baden-Württemberg-Zahlen. Im Vorjahr gab es 1978 Unfälle mit E-Scootern oder Segways. Ein Plus von 34 Prozent. Und laut Innenministerium wächst das Risiko weiter. Denn dieses Jahr sind es alleine zwischen Januar und Juni schon 1290 solcher Unfälle – noch einmal über 46 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Zehn Menschen sind 2025 landesweit auf E-Scootern ums Leben gekommen. Dieses Jahr liegt da bislang deutlich darunter, dafür sind über 72 Prozent mehr Schwerverletzte zu beklagen. Und: 45 Prozent der Verletzten auf E-Scootern waren minderjährig.

In Birkenfeld wird auch über die Kirchwegeinmündung und den erhöhten Gehweg an der B294 diskutiert. Denn nicht nur Scooter-Fahrer, sondern auch viele Radler wollten darauf den Autos ausweichen. Doch um über die B294 auf den Gehweg zu kommen, gibt es keine Ampel. Die gilt nur für einmündenden Verkehr.