Birkenfeld
Birkenfeld -  26.06.2026
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Zweiter Prozesstag: War der Angriff auf den Birkenfelder Ex-Gemeinderat gezielt geplant?

Karlsruhe/Birkenfeld. Es ist der zweite Prozesstag, an dem sich ein 52-jähriger Italiener am Freitag vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Karlsruhe wegen versuchten Mordes, gefährlicher Körperverletzung und besonders schweren Raubes verantworten musste. Den Ablauf der Tat, die ihm vorgeworfen wird, schildert dieses Mal das Opfer des Angriffs.

Prozess Versuchter Mord Schwurgericht
Der Angeklagte (Mitte) sitzt während des Prozesses neben seinem Verteidiger Hans-Jürgen Kost-Stenger (links) und einer Dolmetscherin (rechts). Foto: Meyer

Der 69-Jährige, ein ehemaliger Birkenfelder Gemeinderat, sagt, zwei Männer hätten vor seiner Birkenfelder Wohnung aufgelauert – beide maskiert mit Sturmhauben. Anschließend seien seine Hände vom größeren der beiden festgehalten worden, während der zweite Maskierte ihm mehrfach von hinten mit einem Baseballschläger auf den Kopf geschlagen habe. Der 69-Jährige verlor das Bewusstsein. Als er wieder zu sich kam, sagt er, habe er eine Hose über dem Gesicht gehabt, seine Hände seien mit einem Kabel gefesselt gewesen. Er erlitt eine Fraktur der linken Stirnhöhle sowie ein offenes Schädel-Hirn-Trauma. Zudem hätten die Täter seinen Geldbeutel mit rund 300 Euro Bargeld und sämtlichen Ausweisdokumenten entwendet.

Der 69-Jährige erinnert sich an etwa fünf Schläge mit einem Baseballschläger gegen den Kopf. Er sei noch bei Bewusstsein gewesen, als die Täter ihm den Geldbeutel aus der Gesäßtasche gezogen hätten. Kurz bevor er bewusstlos geworden sei, hätten sie in einer ihm unbekannten Sprache miteinander gesprochen. Ob es sich um einen Streit oder Anweisungen gehandelt habe, könne er nicht sagen. Eine Vermutung äußerte der 69-Jährige jedoch deutlich: „Man hat mir diese Leute auf den Hals gehetzt.“ Hintergrund sei aus seiner Sicht die familiäre Situation. Der Mann ist verheiratet, lebt aber von seiner Frau getrennt. Ihr und ihrem Umfeld gegenüber erhebt er schwere Vorwürfe. Zudem vermute er, dass sowohl er als auch sein Fahrzeug über einen GPS-Tracker überwacht worden seien. Dass er an diesem Tag nach Birkenfeld fahren werde, habe er niemandem mitgeteilt, sagte er.

Oberstaatsanwalt Nils Gertler bewertete die Motivlage zurückhaltender. Die Hintergründe der Tat seien bislang nicht eindeutig geklärt. Eine mögliche Verbindung zur Noch-Ehefrau allein reiche aus seiner Sicht nicht aus, um belastbare Schlussfolgerungen zu ziehen. Übereinstimmend bewerteten die Verfahrensbeteiligten die Aussagen des Geschädigten jedoch als glaubhaft und schlüssig. Widersprüche seien während seiner Vernehmung nicht erkennbar geworden.

Nebenklagevertreter Florian Bär hält es aber für möglich, dass der ehemalige Gemeinderat gezielt abgepasst wurde. Angesichts der massiven Gewalteinwirkung mit dem Baseballschläger hätten die Täter zumindest billigend in Kauf genommen, den 69-Jährigen lebensgefährlich zu verletzen oder sogar zu töten. Zudem verwies Bär auf das „schwierige familiäre Gebilde“ rund um den Geschädigten und dessen Noch-Ehefrau.

Der Angeklagte ließ dem Geschädigten in einem Brief ausrichten, dass ihm seine Tat leidtue. Er bitte um Entschuldigung und habe einer Person vertraut, die er erst wenige Tage zuvor kennengelernt habe. Die Verhandlung wird am Montag fortgesetzt.

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