Größer, moderner und vielfältiger: Heimatmuseum in Eisingen startet in neuen Räumen durch
Eisingen. Nach den Luftaufnahmen, den Darstellungen des Ortswappens und den historischen Fotografien fällt der Blick sofort auf ein Konstrukt aus Metall, das einst dafür verantwortlich war, dass in Eisingen jeder wusste, wie spät es ist. Wenn Besucher den Raum betreten, kann ihnen Andreas Überschaer viel über das alte Uhrwerk erzählen, das 1908 in den Turm der Kirche eingebaut wurde. Er weiß, dass es bis 1979 in Betrieb war und ersetzt werden musste, weil man die Anzahl der außen sichtbaren Zifferblätter von zwei auf vier verdoppeln wollte.
Egal, ob klein oder groß, ob jahrhundertealt oder aus den vergangenen Dekaden: Überschaer kennt jedes Exponat im Eisinger Heimatmuseum. Als die Einrichtung vor kurzem vom obersten Stockwerk des Rathauses in das barrierefrei erreichbare alte Schulhaus umgezogen ist, war damit ein Neustart verbunden. Wo einst Kinder unterrichtet und Patienten behandelt wurden, erlaubt eine liebevoll zusammengestellte Ausstellung nun einen lebendigen Blick auf die Eisinger Vergangenheit: auf Tradition und Brauchtum, auf Weinbau und Handwerk, auf Lokalpolitik und Vereinsleben. „Mir ist es wichtig, kleine und große Schätze zu bewahren“, sagt Überschaer, der großen Wert auf Vielfalt gelegt hat.
Nachdem er in den späten 1980er-Jahren mit dem Sammeln historischer Artefakte und Aufzeichnungen begonnen hatte, stellte ihm die Gemeindeverwaltung ab 2019 im obersten Stock des Rathauses mehrere Räume für ein Archiv und ein Museum zur Verfügung. Als die Zahl der Exponate wuchs und der Platz langsam knapp wurde, bot ihm der neue Bürgermeister Sascha-Felipe Hottinger an, ins alte Schulhaus zu wechseln.
545 Stunden sind in die Sanierung der Räume und in den Aufbau der Ausstellung geflossen. Die meisten haben Ehrenamtliche erbracht: Mitglieder des neuen Heimat- und Kulturvereins, der eigens für den Betrieb des Museums gegründet wurde und in enger Verbindung zum Rathaus steht. Inzwischen zählt das Museum mehr als 14.500 Exponate, darunter 500 Gegenstände und viele Archivalien: mehr als 2000 Bücher, Hefte und Prospekte, alle seit 1973 veröffentlichten Mitteilungsblätter, fast 3000 Fotos und 5000 sonstige Papiere, auch aus privaten Nachlässen. Mehr als 90 Prozent der Exponate stammen aus Eisingen, die übrigen aus der näheren Umgebung. Jeder Raum behandelt ein anderes Thema. „Dieser Ort verleitet dazu, in der Geschichte zu versinken“, sagt Hottinger. Es sei wahnsinnig wertvoll, was hier geleistet werde.
