Eisingen -  06.09.2026
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Junge Konstrukteure bauen neuen Lernort im Eisinger Wald

Eisingen. Aus Ästen und Stämmen haben sich Kinder in Eisingen ein Refugium im Wald gebaut. Zwischen mächtigen Bäumen dürfen sie selbstständig arbeiten.

Zu Beginn und am Ende ihrer Aufenthalte im Wald treffen sich die Kinder in der Mitte des Areals in einer Sitzgruppe. Bei der Gestaltung des Geländes legen sie kräftig selbst Hand an.
Zu Beginn und am Ende ihrer Aufenthalte im Wald treffen sich die Kinder in der Mitte des Areals in einer Sitzgruppe. Bei der Gestaltung des Geländes legen sie kräftig selbst Hand an. Foto: Nico Roller

Die Äste sind schwer und unhandlich. Manche können die Kinder trotzdem allein tragen, bei anderen helfen sie sich gegenseitig. Zwischen mächtigen Bäumen und raschelnden Blättern arbeiten sie eng zusammen, um mit den im Unterholz gesammelten Ästen die Konstruktionen zu verstärken, die sie in den Tagen zuvor bereits im Wald gebaut haben. Mit Motivation, Teamgeist und viel Kreativität sind oberhalb des Eisinger Waldparks kleinere und größere Tipis entstanden, eines fantasievoller gestaltet als das andere. Stolz zeigen die Kinder selbst angelegte Vorgärten, liebevoll mit Moos ausgekleidete Innenräume, aus dünnen Ästen geflochtene Dächer und realistisch aussehende Feuerstellen, die natürlich nur zur Dekoration dienen.

„Das ist ihr Projekt“, sagt Silvana Mede: „Die Kinder entwickeln dafür Bärenkräfte.“ Die engagierte, vor Tatendrang nur so sprühende Pädagogin leitet den Hort an der Eisinger Grundschule, die Villa Bergäcker, die sich während der Sommerferien immer ein spannendes, abwechslungsreiches Programm für die Kinder ausdenkt, jede Woche mit einem anderen Schwerpunkt. Nachdem sie bereits Wasserspiele gemacht, das Dorf erkundet und sportliche Höchstleistungen gezeigt haben, dreht sich hier alles um den Wald, genauer gesagt um den neuen Lernort, den die Kinder dort selbst bauen: nicht allein, sondern mit Unterstützung der Pädagoginnen, des Hausmeisters und des Försters, der die Stelle oberhalb des Waldparks ausgesucht hat.

Der bisherige Standort des Lernorts in Richtung Stein musste wegen vieler abgestorbener Bäume aufgegeben werden. In den Osterferien waren die Kinder schon einmal oberhalb des Waldparks, um sich das neue Gelände anzuschauen. Wo damals noch einen halben Meter hoch das Kraut stand, ist inzwischen ein kleines Waldrefugium entstanden: ein Rückzugs-, Spiel- und Lernort, der künftig auch von der Kita „Fuchsbau“ und der Kita im Waldpark genutzt wird.

Auch der Förster war für ein paar Stunden vor Ort, um den Hortkindern von seiner Arbeit zu berichten, die Bedeutung der Jahresringe zu erklären und zwei kleinere Bäume zu fällen, die den besonders schützenswerten Zukunftsbäumen im Weg gestanden hätten. „Für die Kinder war das ein außergewöhnliches Erlebnis“, sagt Mede, die sich jetzt schon freut, wenn der Förster in den Herbstferien wiederkommt. Denn wenn das Wetter einigermaßen mitspielt, will der Hort dann noch mal mit den Kindern für ein paar Tage in den Wald. Niedrige Temperaturen und leichter Regen sind nämlich kein Problem. Nur starke Niederschläge und Stürme wären eines. Mede weiß, dass die Kinder raus wollen, dass es ihnen Spaß macht, kleine Abenteuer in der Natur zu erleben.

Es geht um das Ausprobieren, um das Sammeln neuer Erfahrungen durch praktisches Lernen an der frischen Luft, weit weg von Handy und Tablet. Die Kinder sollen sich selbst beschäftigen, kreativ werden und sich etwas zutrauen. Als Werkzeuge verwenden sie Gartenscheren und Sägen, zum Stabilisieren ihrer selbst gebauten Konstruktionen nur Seile, neben Astgabeln und allem, was sich sonst noch im Wald finden lässt. Mede weiß: „Die Kinder haben immer neue Ideen.“

Fünf Tipis haben sie im Wald aufgebaut, zudem ein Sonnensegel, das auch vor Regen schützt. Unter ihm stehen in einem großen Kreis kleine, aus dicken Baumstämmen gesägte Hocker, auf denen sich die Kinder am Anfang und am Ende jedes Tages treffen. Aktuell sind sie nur vormittags im Wald, weil noch Hängematten und Tische fehlen, die für das Mittagessen und zum Ausruhen notwendig wären. Im kommenden Sommer wollen sie aber auch den Nachmittag im Freien verbringen. 14 Kinder sind an diesem Spätsommertag Ende August dabei, alle von der ersten bis zur dritten Klasse der Grundschule. „Die verstehen sich gut“, sagt Mede: „Das hat von Anfang an geklappt.“ Die Hortleiterin macht immer wieder Späße mit den Kindern, achtet aber auch auf die Einhaltung der einfachen, aber klaren Regeln. Dazu gehört etwa, dass die Kinder weder Tiere quälen noch lebende Pflanzen beschädigen dürfen, dass es weder Waffen noch Besitzansprüche gibt, dass keiner der Chef ist, sondern alle zusammenarbeiten. Rote, auf die umstehenden Bäume gesprühte Hand-Symbole zeigen den Kindern, wie weit sie sich allein bewegen dürfen. Wollen sie den Bereich verlassen, etwa zum Sammeln von Baumaterial, müssen sie vorher um Erlaubnis fragen.