Sneaker aus, Lederschuhe an: Enzkreis-Abgeordneter Nico Gunzelmann zwischen Zeltlager und Kommunalpolitik
Eisingen/Königsbach-Stein. Für den CDU-Landtagsabgeordneten ging es auf seiner Sommertour zuerst zum Zeltlager des CVJM in Eisingen und dann zum Gemeindeverwaltungsverband Kämpfelbachtal. Dabei traf er auf zwei total unterschiedliche Themen. Und dafür hatte er sogar die jeweils passende Garderobe parat.
Wie unterschiedlich die Themen eines Politikers an einem Nachmittag sein können, ist manchmal schon an der Kleidung ablesbar. Der CDU-Landtagsabgeordnete Nico Gunzelmann wagte am Donnerstagnachmittag den Spagat: Locker und leger mit weiter Jeans, Sneakern und Polohemd besuchte der 23-Jährige zuerst das Zeltlager des CVJM (Christlicher Verein Junger Menschen) in Eisingen. Danach stand für ihn Kleider- sowie Themenwechsel an, als es im dunkelgrünen Anzug mit schwarzen Lederschuhen und weißem Hemd zum Gemeindeverwaltungsverband Kämpfelbachtal nach Königsbach-Stein ging. Fingerfarben und Mitmachspiel auf der einen Seite, Austausch mit der Kommunalpolitik samt alkoholfreiem Aperitif und Knabbereien auf der anderen. Bei beiden Terminen hörte Gunzelmann konzentriert zu, was die Beteiligten von der Landespolitik erwarten. Beim Abgeordneten kamen gleich Kindheitserinnerungen auf, als er das Zeltlager auf dem CVJM-Plätzle in Eisingen besuchte. Gunzelmann hat nach eigener Aussage selbst in den Sommerferien oft solche Zeltlager in der Nähe von Maulbronn besucht.
„Man entwickelt sich dort extrem weiter“, sagte er.
Ein Kennenlernspiel, Geländespiele, eine Dorf-Challenge sowie ein Ausflug ins Freibad nach Bretten standen für die rund 70 Kinder und Jugendliche, die am Zeltlager teilnehmen, auf dem Programm.
„Das Wetter hat uns schon herausgefordert“,
sagte Justine Leonhardt vom Leitungsteam.
Sie ist beim CVJM in Wilferdingen aktiv, von wo das Zeltlager organisiert wird. Zuschüsse und Förderungen für solche Freizeiten seien wichtig und wertvoll. Vor diesem Hintergrund machte Benjamin Mutter vom Landesjugendring Baden-Württemberg auf den „Masterplan Jugend“ des Sozialministeriums aufmerksam. Der Fördertopf sei einer der wenigen, bei dem die Mitgliedsorganisationen des Landesjugendrings direkt an Zuschüsse kommen. Ein anderes Problem: veraltete Infrastruktur. Vereinsheime müssten aufwendig saniert werden oder brechen schlimmstenfalls weg, so Mutter. Wenn Freizeiten oder Zeltlager organisiert werden, stünden daher immer weniger Orte zur Verfügung. Der Appell an die Politik sei, in dieser Legislaturperiode ein Programm auf die Beine zu stellen, so dass die Häuser erhalten werden können.
Rund 45 Minuten später waren nicht nur Jeans und Sneaker verschwunden, auf Gunzelmann warteten in Stein ganz andere Themen. Bürgermeister Heiko Genthner und sein Amtskollege Thomas Maag aus Kämpfelbach begrüßten ihn im Namen des Gemeindeverwaltungsverbandes (GVV) Kämpfelbachtal. Frank-Johannes Lemke, ehemaliger Pforzheimer Caritas-Direktor, ist seit Mai Interims-Geschäftsführer des Verbands.
„Der GVV ist der Beleg dafür, wie Bürokratieabbau geht“, so Lemke.
Denn man übernehme hoheitliche Aufgaben, die für Gemeinden alleine mit Herausforderungen verbunden seien. Der Verband, der vergangenes Jahr sein 50-jähriges Bestehen feierte, ist ein interkommunaler Zusammenschluss der Gemeinden Eisingen, Königsbach-Stein und Kämpfelbach.
Breites Aufgabenspektrum
Das Aufgabengebiet ist umfangreich: Drei Beamte und 14 Angestellte kümmern sich dort für die Mitgliedsgemeinden unter anderem um Kassen- und Rechnungsgeschäfte, Haushaltswesen, die Wirtschaftsführung und das Rechnungswesen der Eigenbetriebe. Zudem ist der GVV für die Flächennutzungsplanung der Verbandsgemeinden zuständig. Auch die Verwaltungsaufgaben des Abwasserverbandes Kämpfelbachtal sowie des Schulverbandes Westlicher Enzkreis fallen in dessen Verantwortung. Fachkräftemangel, Digitalisierung und der Einsatz Künstlicher Intelligenz seien die Themen, in denen der GVV Handlungsbedarf sieht. Bei Fragestellungen, die in Stuttgart – sprich im Landtag – aufgeworfen werden, sollten die Gemeinden vor Ort miteinbezogen werden, so das Angebot an Gunzelmann. Generell wünsche er sich mehr Flexibilität und mehr Entscheidungsspielräume, gab Maag dem CDU-Landtagsabgeordneten abschließend mit auf den Weg.
