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Engelsbrand -  15.05.2018
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Auf Ballhöhe: Meisterfeiern, Neuansetzungen, Reserveteams - im Lokalfußball geht es nicht nur auf dem Spielfeld rund

Die einen feiern schon, die anderen müssen noch zittern. Aber der lokale Fußball geht dem letzten Spieltag entgegen. PZ-Redakteur Dominique Jahn hat sich für seine Kolumne „Auf Ballhöhe“ ein bisschen in der Region umgeschaut und Bemerkenswertes herausgefischt.

Bier für die Haare, kräftigt und schenkt Glanz! Nach dem Gewinn der Kreisliga-Meisterschaft duscht Grunbachs Yasar Köymen seinen Trainer Jens Wolfinger mit dem Gerstensaft. Foto: PZ-Archiv, Hennrich
Bier für die Haare, kräftigt und schenkt Glanz! Nach dem Gewinn der Kreisliga-Meisterschaft duscht Grunbachs Yasar Köymen seinen Trainer Jens Wolfinger mit dem Gerstensaft. Foto: PZ-Archiv, Hennrich

Grunbach auch im Feiern Meister

Grunbach einfach grandios! Seit dem ersten Spieltag steht der TSV an der Spitze der Kreisliga Pforzheim. Am Sonntag krönte sich die Mannschaft dann drei Spieltage vor dem Rundenende mit der Meisterschaft. Eigentlich ja schon am Samstag. Denn da verlor Verfolger Huchenfeld sein Heimspiel gegen Singen mit 1:2, Grunbach war dadurch nicht mehr von Platz eins zu verdrängen.

„Wir haben uns das Spiel in Huchenfeld angeschaut und dann kräftig einen draufgemacht“, berichtet Grunbachs Trainer Jens Wolfinger von einer extrem ausgelassenen spontanen Feier bis in die frühen Morgenstunden. In Büchenbronn beim „Costa“ wurde die Nacht zum Tage gemacht. „Ich habe ja schon viele Aufstiege miterlebt, aber die Samstagnacht sucht seinesgleichen. Wir haben gefeiert, als hätten wir die Champions League gewonnen“, sagt Wolfinger auch zwei Tage nach der fast nicht enden wollenden Meistersause.

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Da am Sonntag doch einige Spieler sehr übernächtigt gewesen sein sollen, schickte Wolfinger im eigentlich bedeutungslosen Heimspiel gegen Buckenberg nicht seine Stammelf aufs Feld. Die Konsequenz: die Partie ging mit 2:3 verloren. Außerdem kassiert man noch zwei Platzverweise. Doch das konnten die Grunbacher verschmerzen.

Sascha Boller blieb trocken

Nach dem Schlusspfiff startete man die nächste Party. Nicht nur auf dem Feld wurden Jens Wolfinger und Co. mit Bierduschen nass gemacht. Sascha Boller, einer der Führungsspieler in dieser Saison, blieb dagegen trocken. Der Ex-Profi, der vor der Runde zum TSV gewechselt war, weilte im Urlaub und konnte nur aus der Ferne auf den Aufstieg abstoßen.

Trotz der frühzeitigen Meisterschaft will der TSV in den drei verbleibenden Saisonspielen (gegen GU-Türkischer SV, Singen und Langenalb) noch drei Siege einfahren und im Hintergrund weiterhin seine Planungen für die kommende Landesliga-Saison vorantreiben. Der Kader bleibt zusammen, schon fix sind die starken Neuzugänge Nick Petlach (24) und Jeremy Westphalen (26). Beide Abwehrspieler kommen vom Verbandsligisten TuS Bilfingen. Vom aktuellen Landesliga-Spitzenreiter ATSV Mutschelbach kommt außerdem Mittelfeldspieler Kenny Klumpp (22). Grunbach scheint also auch für die Landesliga bestens gerüstet zu sein. „Wir brauchen keine zehn neuen Spieler“ sagt Wolfinger und setzt auch weiter auf seine jungen hungrigen Kicker. Die Brasilianer bleiben, Sascha Boller ebenso. „Wir sind gut aufgestellt, der Verein mit seiner Infrastruktur auch. Wir freuen uns auf die Landesliga. Natürlich ist das Ziel, erstmal die Klasse zu halten“, blickt Jens Wolfinger schon voraus.

Weiler verzichtet auf Neuansetzung

Wer macht das Rennen um Platz zwei in der Kreisliga? Huchenfeld oder Öschelbronn? Grunbachs Meistertrainer Jens Wolfinger ist sich da, wie viele andere Experten auch, noch nicht ganz sicher. Zwar hatte Huchenfeld gestern Abend noch sechs Punkte Vorsprung auf Öschelbronn, doch es werden in Kürze nur noch drei sein. Denn Weiler verzichtet auf die Neuansetzung des Spiels am morgigen Donnerstag gegen Öschelbronn, nachdem die Partie vergangene Woche beim Stand von 4:1 für Öschelbronn in der 78. Minute abgebrochen wurde. Bei einer Abwehraktion war Weilers Torhüter Markus Eberle mit seinem Verteidiger Sascha Augenstein so unglücklich zusammengeprallt, dass Augenstein mit einer offenen Knieverletzung und Eberle mit einer fünf Zentimeter großen Risswunde am Schienbein ins Klinikum eingeliefert werden mussten. „Das war schlimm“, blickt Weilers Spielleiter Andreas Schumacher zurück. „Augenstein war arg benommen und bei Eberles Wunde konnte man bis auf den Knochen sehen.“

Zum Glück trugen beide Spieler keine Brüche davon. Ihre Wunden wurden genäht, Augenstein hat laut Auskunft des Spielleiters aber noch starke Schmerzen im Knie. Eine Computertomografie (CT) ist vonnöten. Gestern gab Andreas Schumacher nun bekannt, dass der TSV Weiler auf das morgige Wiederholungsspiel verzichtet. „Wir lagen gegen Öschelbronn 1:4 zurück und hätten das Spiel klar verloren. Es wäre nicht fair, jetzt nochmal anzutreten. Durch die Verletzten würde vermutlich auch ein ähnliches Resultat herausspringen. Wir bedanken uns hiermit auch nochmal bei den Öschelbronnern, sie haben uns nach dem Zusammenprall sehr geholfen.“

Tolle Geste außerdem von Andreas Schumacher: Er hat beim SV Huchenfeld angerufen und den Verantwortlichen die Entscheidung des Verzichts erklärt. So muss es sein. „Ich hoffe, dass dies nun für alle Beteiligten in Ordnung ist“, so Schumacher.

Die Partie Öschelbronn gegen Weiler wird somit 3:0 für Öschelbronn gewertet. Der FVÖ hat damit nur noch drei Punkte Rückstand auf Huchenfeld. Der Kampf um den Aufstiegsrelegationsplatz bleibt weiterhin spannend.

GU-Reserve braucht 60:0-Sieg

Mit 60:0 müsste die GU-Türkischer SV Pforzheim II ihr Spiel am heutigen Mittwoch beim Schlusslicht SK Hagenschieß II gewinnen, um noch dem SV Kickers Pforzheim die Meisterschaft in der Kreisklasse C1 streitig machen zu können. 60:0 – ist das machbar? Ein 50:0 gab es kürzlich in Berlin – allerdings bei einem F-Juniorenspiel zwischen dem BFC Preußen Berlin und SC Lankwitz. Im Herrenbereich ist hingegen ein solch verrücktes Ergebnis nicht bekannt – jedenfalls nicht in Deutschland.

Die Kickers hätten also schon nach dem jüngsten 8:0-Sieg gegen Ötisheim II die Meisterschaft feiern können. Doch Trainer Mehmet Güldal und seine Jungs haben sich noch zurückgehalten. „Wir feiern erst, wenn es rechnerisch fix ist“, so der 47-jährige Coach. Und für die große Meisterparty haben sich die Kickers auch einen würdigen Rahmen ausgesucht. Am Samstag steigt das Topspiel gegen den Tabellenzweiten Eisingen II, der nur noch schauen muss, dass er Platz zwei gegen die GU-Reserve verteidigt. Den Kickers ist das egal. „Wir feiern am Samstag auch bei einer Niederlage“, so Mehmet Güldal, der dann auch in der kommenden Saison in der B-Klasse mit seinem Team vorne mitspielen möchte.

CfR II wieder am Start?

Stellt der 1. CfR Pforzheim in der kommenden Saison wieder eine zweite Mannschaft? Das Gerücht kursiert derzeit im Fußballkreis. Zur Erinnerung: die CfR-Reserve wurde vor der laufenden Saison vom Spielbetrieb in der Landesliga Mittelbaden abgemeldet und gilt als erster Absteiger. Ein Zeichen, dass man in der neuen Saison ein Team in der Kreisliga stellen würde, gab es bislang nicht. Und wird es auch nicht geben.

Auf Nachfrage erklärt CfR-Sportchef Torsten Heinemann: „An dem Gerücht ist nichts dran. Es ist nicht geplant, eine zweite Mannschaft wieder ins Rennen zu schicken.“ So ganz ist das Thema allerdings nicht aus der Welt. Auf die Frage, ob der CfR irgendwann mal wieder eine zweite Mannschaft stellen würde, meinte Heinemann nur: „Vielleicht.“ Dann aber muss die CfR-Reserve wieder ganz unten in der C-Klasse anfangen.

Autor: Dominique Jahn