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Engelsbrand -  15.06.2026
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Aufarbeitung von Kriegsmassakern in Italien: Landrat ist Ehrenbürger

Enzkreis/Engelsbrand/Fivizzano. Enzkreis-Landrat Bastian Rosenau ist seit Ende Mai Ehrenbürger der toskanischen Kommune Fivizzano. Das ist jetzt bekannt geworden. Rosenau selbst hatte die Ehrung nicht an die große Glocke gehängt. Es ist die Würdigung für eine der ungewöhnlichsten internationalen Freundschaftsgeschichten der jüngeren Vergangenheit. Sie betrifft Engelsbrand und Fivizzano. Und am Beginn dieser Partnerschaft standen ein Schock und die tiefen Schatten von deutschen Massakern in Italien 1944.

Tief bewegt nimmt Landrat Bastian Rosenau (rechts) die Ehrenbürgerurkunde der toskanischen Gemeinde Fivizzano von deren Bürgermeister Gianluigi Giannetti entgegen. Links: Gemeinderatspräsident Giovanni Poleschi.
Tief bewegt nimmt Landrat Bastian Rosenau (rechts) die Ehrenbürgerurkunde der toskanischen Gemeinde Fivizzano von deren Bürgermeister Gianluigi Giannetti entgegen. Links: Gemeinderatspräsident Giovanni Poleschi. Foto: Rosenau

Dafür muss man zurückblicken aufs Jahr 2016. Damals hatten sich italienische Medien an die PZ gewandt – empört über die Ehrung eines Engelsbrander Bürgers für dessen jahrzehntelanges Engagement. Dieser Mann sei in Italien 2008 in Abwesenheit von einem Militärgericht als Kriegsverbrecher verurteilt worden. Er sei Teil einer SS-Panzergrenadier-Division gewesen, die 1944 in Fivizzano und Marzabotto Massaker an Zivilisten verübt hatte. Alleine in Fivizzano waren über 400 Menschen ermordet worden.

Engelsbrand reagierte umgehend. Nach einer Prüfung wurde die Ehrung zurückgenommen. Bürgermeister war damals Rosenau. Der beteuerte, von der Verurteilung nichts gewusst zu haben. Tatsächlich war der betroffene Bürger in Deutschland nie belangt worden. Wo den Italienern die Zugehörigkeit zur Truppeneinheit genügte, verlangte die Justiz hierzulande den Nachweis von genauen Taten des Mannes. Rosenau reagierte damals sehr offensiv auf die Rückmeldungen aus Italien. Es entstanden Kontakte, um die Kriegsverbrechen aufzuarbeiten. Um die Erinnerung wach zu halten – und im Enzkreis zu wecken. Delegationen besuchten sich gegenseitig. Rosenau erzählt, wie tief ihn die Begegnungen persönlich bewegt hätten. Der Austausch Engelsbrands mit den Kommunen wurde zu einer echten Freundschaft mit Fivizzano. Für seine Verdienste um diesen Dialog haben Bürgermeister Gianluigi Giannetti und der Gemeinderat um Präsident Giovanni Poleschi Rosenau die Ehrenbürgerwürde verliehen.

Der heutige Landrat reagierte gerührt. „Nicht ich sollte heute geehrt werden – sondern Sie“, sagte er in Fivizzano.

„Was deutsche Soldaten den Menschen hier angetan haben, war ein unfassbares Verbrechen.“ Und dennoch seien die Italiener 2016 auf Engelsbrand zugegangen: „Nicht um anzuklagen. Nicht um Hass weiterzutragen. Sondern um zu erinnern.“ Als Beispiel sprach er von einem italienischen Kriegsveteranen, der den Engelsbrandern für ihren Besuch in Italien unter Tränen gedankt habe: „Uns, die wir mit einer Geschichte der Schuld zu Ihnen gekommen waren.“ Die Ehrenbürgerwürde von Fivizzano bedeute ihm unendlich viel. Er sehe sie als Auftrag, die Erinnerungen weiterzutragen. Der Enzkreis suche deshalb derzeit zum Beispiel eine weiterführende Schule für Studienfahrten nach Fivizzano und nach Reggio Emilia, in die Partnerregion des Enzkreises.