Engelsbrand
Engelsbrand -  03.06.2026
Artikel teilen: Facebook Twitter Whatsapp

PZ-Serie „Hinterm Ortsschild“ in Engelsbrand: Das Dorf mit Weitblick

Engelsbrand. So weit kann man im Enzkreis sonst nirgendwo blicken: Von Büchenbronn über Huchenfeld und Sonnenhof bis nach Pforzheim. Im Hintergrund erkennt man den Karlsruher Rheinhafen sowie den Königsstuhl bei Heidelberg. „Bei guter Sicht sind sogar die Kraftwerke in Mannheim zu sehen“, sagt Gerhardt Schaudt, CDU-Gemeinderat und Engelsbrander seit 1983, wohnhaft in Grunbach. Dabei nicht zu übersehen: Die Weißtannen, die wie ein Meer aus Grün den Panoramablick fluten. „Engelsbrand gehört mit 56 Prozent Weißtannenanteil zu den tannenreichsten Orten Deutschlands“, kennt sich Schaudt aus, der ehrenamtlich Waldführungen für den Schwarzwaldverein gibt. Jetzt gibt er der PZ eine Tour durch die Gemeinde.

In der Serie „Hinterm Ortsschild“ stellen die Volontäre und Jungredakteure der „Pforzheimer Zeitung“ alle zwei Wochen mittwochs eine Gemeinde aus dem Enzkreis oder dem Kreis Calw vor. Mit der Hilfe ortskundiger PZ-Leser zeigen sie dabei deren Besonderheiten und Einzigartigkeit. Dieses Mal: die Gemeinde Engelsbrand.
In der Serie „Hinterm Ortsschild“ stellen die Volontäre und Jungredakteure der „Pforzheimer Zeitung“ alle zwei Wochen mittwochs eine Gemeinde aus dem Enzkreis oder dem Kreis Calw vor. Mit der Hilfe ortskundiger PZ-Leser zeigen sie dabei deren Besonderheiten und Einzigartigkeit. Dieses Mal: die Gemeinde Engelsbrand. Foto: Türschmann

Es geht vorbei an der Ortsmitte mit Edeka, Rossmann und der Bäckerei Raisch. Dahinter ein Sportplatz und Bikepark. Eine Apotheke komme bald. „Die Nahversorgung ist sehr gut“, sagt der ehemalige Polizist, auch mit Verweis auf die zwei Internisten. Auch die Verkehrsanbindung sei optimal. Alle 30 Minuten kommt ein Bus. Am Kreisverkehr befindet sich die Feuerwehr, die in Engelsbrand einen besonderen Stellenwert hat. „Es gibt hier eine unglaublich gute Jugendarbeit“, so der Gemeinderat. Ehrenamtliche zu finden, sei hier kein Problem. Erst letztens habe man das 150-jährige Feuerwehrjubiläum riesig gefeiert.

Die Engelsbrander feiern gerne. Dorffeste sind gut besucht. Die jährliche Dorfweihnacht, die abwechselnd vor den Rathäusern in Salmbach und Grunbach stattfindet, werde sogar überregional besucht, sagt Schaudt. Eine kinder- und jugendfreundliche Gemeinde zu sein sei hier sehr wichtig. Die vielen Neubaugebiete haben dazu beigetragen, dass es immer mehr Kinder in der Gemeinde gibt. Es gebe einen eigenen sehr rührigen Förderverein für Kinder und Jugendliche, der Geld sammelt für Spielplätze und andere Anliegen. Zum Beispiel gibt es einen Inklusionsspielplatz im Salmbacher Weg.

Auf ungefähr 650 Höhenmetern beim Skihang Grunbach hat man den besten Ausblick. Dass die drei Ortsteile Engelsbrand, Grunbach und Salmbach früher Luftkurorte waren, wie Schaudt erzählt, kann man sich gut vorstellen. Bis in die 1960er-Jahre gab es hier regen Skibetrieb mit Ankerlift und „Après-Ski“ beim Adler. Bis in die 1980er-Jahre sogar ein Tourismusbüro. Die Grunbacher Hütte oben am Hang ist heute immer noch ein Treffpunkt für Jugendliche und Erwachsene. Momentan blüht die Wiese regelrecht auf, gelbe und weiße Blumen sprießen. „Die Landschaft hier zu genießen, ist ein Privileg“, findet Schaudt. Der Wald in der Gemeinde sei sehr gesund, mit wenig kranken Bäumen, sagt er, als wir an den Tannen mit den hellgrünen Spitzen vorbeifahren. Danach geht’s zum Eichberg, wo sich Freizeitangebote tummeln: Wildgehege, Naturkindergarten, ein großer Spielplatz, Fußball- und Tennisverein, Campingplatz und ein Reithof mit Pferden im Außengehege, die zur Idylle beitragen.

Als würde es der Gemeinde an nichts fehlen: Jeder Haushalt in der Gemeinde habe ein Glasfaserkabel. Das Einzige, woran es in der Gemeinde nach Meinung Schaudts mangelt? „Ganz ehrlich: Geld“, lacht er. „Wie in jeder Gemeinde wird hier der finanzielle Spielraum kleiner“. Etwas mehr Geld für die Erneuerung der Turnhallen, die Kläranlage in Grunbach und die Ertüchtigung des Kanalnetzes würde nicht schaden.

Nicht nur ein Blick in die Ferne lohnt sich, auch ein Blick in die Vergangenheit. Im Waldhufen-Heimatmuseum in Salmbach ist die Geschichte der ehemaligen Waldhufendörfer aufbereitet. Museumsleiter Wolfgang Kusterer ist seit 1989 dort engagiert und hat neben den Ausstellungsräumen die historischen Wohnräume mit Liebe zum Detail und teilweise mit Gegenständen seiner Großeltern eingerichtet.

Den Charakter eines Waldhufendorfes hat nur Salmbach behalten, steht in der Ortschronik von Wolfgang Kusterer. Entlang der Hauptstraße reihen sich Häuser mit Höfen und Feldern bis zum Waldrand – klare Grenzen, die einst Grenzstreitigkeiten verhinderten. In Engelsbrand mag man es einfach friedlich. Auch Schaudt nennt den Gemeinderat zum Beispiel eine homogene Gruppe. „Es gibt Streitigkeiten in der Sache, aber persönlich verstehen wir uns alle gut“. Nicht zuletzt waren es neben der Aussicht und persönlichen Gründen auch die Dorfgemeinschaft und der Zusammenhalt, die Schaudt ursprünglich und heute noch an Engelsbrand begeistern.

Insider

Das PZ-Gemeinden-Quartett

Die PZ veröffentlicht in jeder Folge eine Quartett-Spielkarte. Bleiben Sie gespannt – das Sammeln wird sich lohnen.

3 Fragen an den Bürgermeister

Das eine Ereignis, über das man noch in 100 Jahren sprechen wird?

„Sicherlich die Zusammenschließung der drei Ortsteile zur Gemeinde Engelsbrand im Jahr 1975. Dieser Schritt hat den Grundstein für das heutige Engelsbrand gelegt und prägt unsere Gemeinde bis heute.“

Welche Veranstaltung darf man in Engelsbrand nicht verpassen?

„Die Dorfweihnacht in Engelsbrand darf man auf keinen Fall verpassen. Sie zeigt jedes Jahr aufs Neue den besonderen Zusammenhalt in unserer Gemeinde. Hier ziehen Bürgerinnen und Bürger, Vereine, Gewerbetreibende und viele weitere Engagierte gemeinsam an einem Strang. Genau dieses Miteinander macht die Veranstaltung so besonders.“

Welches Thema ist zurzeit die größte Herausforderung in Ihrem Ort?

„Die größte Herausforderung besteht derzeit darin, die schwierige finanzielle Situation der Gemeinde Engelsbrand zu meistern und gleichzeitig die Erfüllung der vielfältigen kommunalen Aufgaben weiterhin zuverlässig zu gewährleisten. Dabei gilt es, verantwortungsvoll zu wirtschaften und dennoch die Zukunft der Gemeinde aktiv zu gestalten.“