Bahnverkehr ohne Bahn: Felsbrocken und Bauarbeiten zwingen Pendler von und nach Pforzheim in Busse
Pforzheim/Mühlacker. Wichtige Bahnstrecken nach Pforzheim sind aktuell ganz oder teils gesperrt: Fahrgäste beklagen Probleme mit den Ersatzbussen, Bahnunternehmen erklären sich.
Hartgesotten müssen sie in der Regel sein, die Bahn-Pendler von und nach Pforzheim, die derzeit auf Ersatzbusse umsteigen müssen – wieder mal. Jedenfalls erreichen die PZ Beschwerden über die Verbindungen, von denen wir zwei aufgreifen. Mit einem Felsbrocken auf den Gleisen kann wirklich niemand rechnen: Die Kulturbahn fuhr bei Calw am Montag, 19. Januar, gegen 5.30 Uhr mit Tempo 100 gegen einen sechs Kubikmeter großen Sandstein.
Die Fahrgäste müssen bis 2. Februar auf Ersatzbusse umsteigen. Doch das klappt keineswegs reibungslos. Eine Frau aus Calw, die anonym bleiben will, berichtet der PZ, dass am Dienstag mehrere der in der App zuvor angekündigten Ersatzbusse teilweise kurz vorher in der DB-App „plötzlich verschwunden sind“. Ihr Mann, Pendler zu einer Pforzheimer Stelle, habe am Dienstag über 60 Minuten am Busbahnhof in Eiseskälte auf seine Rückfahrt gewartet – keiner der beiden Ersatzbusse, die in der Zeit hätten kommen sollen, seien gefahren.
„Er wollte in Pforzheim um 16.41 Uhr abfahren – tatsächlich fuhr der Bus dann um 17.30 Uhr.“ Am Folgetag dasselbe Spiel, wieder habe er vergeblich auf die 16.41-Uhr-Verbindung gewartet – nur kam am Dienstag immerhin der regulär nach dem Ersatzfahrplan angekündigte Bus um 17.11 Uhr dann. „Es ist einfach frustrierend, denn mein Mann macht ja entsprechend Feierabend und verliert dann die Arbeitszeit, wenn in der App falsche Abfahrtszeiten stehen“, so die Frau.
Noch ein "Busnotverkehr" oder schon ein "Schienenersatzverkehr"?
Bei der Pressestelle der Deutschen Bahn in Stuttgart erklärt eine Sprecherin der PZ, am Dienstag habe es sich bei der Busverbindung noch um einen „Busnotverkehr“ gehandelt. Dabei seien die Daten in der App alle händisch eingepflegt und es sei technisch nur möglich, dass die Änderungen für den nächsten Tag um Mitternacht aktiv werden. Anders verhalte es sich ab Mittwoch: Da sei der reguläre Schienenersatzverkehr (SEV) auf der Strecke angelaufen, für den es eine etwas längere Vorlaufzeit benötige. Anders als beim Busnotverkehr werde dann versucht, alle Bahnfahrten komplett zu ersetzen – beim Busnotverkehr geht es eher improvisiert zu.
„Man muss die Busse ja erst organisiert bekommen“, sagt eine Sprecherin der Deutschen Bahn der PZ.
Und in dem Fall seien dann auch alle Verbindungen über die gesamte Geltungsdauer des SEV in der App abrufbar. Der Ersatzverkehr auf der Kulturbahn soll am 2. Februar enden. „Dabei bleibt es, Stand jetzt“, versichert die DB-Sprecherin am Mittwoch.
Ersatzbusse auf der früher „IRE1“, heute RE1 genannten Verbindung zwischen Karlsruhe und Pforzheim sind dagegen ein Dauerbrenner. Seit letzten Samstag ist es wieder so weit: Vorigen Donnerstag informierte der Qualitätsanwalt des Landes, Matthias Lieb, zuerst – statt der in der Pflicht stehenden Bahnunternehmen – über die direkt bevorstehende Umleitung der RE1-Residenzbahn über Bruchsal.
Folgen: Entfallende Halte Wilferdingen-Singen, Pforzheim und Mühlacker sowie ein Busersatzverkehr Pforzheim-Karlsruhe. Grund hier: unter anderem Bahnsteigarbeiten in Enzberg. Die Kommunikationsprobleme gehen auch darauf zurück, dass es sich um zwei Baustellen handele mit unterschiedlichen Zuständigkeiten, sagte Lieb. '
Ein Fahrgast schreibt der PZ: „Entgegen der Information von Arverio fuhr bereits am Samstag – nicht wie angekündigt ab Sonntag –, der RE1 nicht mehr.“ Im DB-Navigator sei es aber richtig abrufbar gewesen. Um 13 Uhr musste er einen ICE von Karlsruhe nach Köln nehmen und plante mit dem SEV um 10.50 Uhr einen Zeitpuffer ein – das erweist sich als goldrichtig.
Der Fahrgast, der auch lieber anynym bleibt, fährt fort: „Wie ich suchten auch viele andere Reisende die SEV-Haltestelle, ausgeschildert war da nämlich gar nichts. Um 10.40 Uhr ist ein mit SEV beschrifteter Bus einmal durch den Busbahnhof gerauscht – gehalten hat er nicht.“
Bis um 11 Uhr sei kein weiterer Bus mehr gekommen. „Ich habe dann glücklicherweise noch die S5 um 11.06 Uhr erwischt, die nicht zum Hauptbahnhof fährt.“ Das habe einen nochmaligen Umstieg am Durlacher Tor bedeutet.
„Und dann war es nach circa 1,5 Stunden geschafft“, so der Bahnkunde. Die Arverio-Pressestelle antwortet der PZ: „Dass beim SEV am 24. Januar Busse nicht gefahren sein sollen, war uns bislang nicht bekannt. Wir gehen dem selbstverständlich nach. Wenn dies tatsächlich der Fall war, tut uns dies sehr leid. Die Beschilderung des SEV am Bahnhof Pforzheim überprüfen wir ebenfalls.“
