Heimsheim
Enzkreis -  06.06.2021
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Der Juni im Jahr 2016: Als die Region im Regen versank

Wer damals dabei war, bekommt die Bilder nicht aus dem Kopf: Feuerwehrleute, die mit Booten versuchen, am Bahnhöfle zwischen Ölbronn-Dürrn und Kleinvillars Hilfe zu leisten. Einsatzkräfte, die sich nur mit schwerem Gerät einen Weg durch die Fluten in Stein bahnen können. Autos, die beinahe vollständig von Wassermassen bedeckt sind. Vollgelaufene Keller, zerstörte Wohnungen, Sachschäden von enormem Ausmaß – immerhin, und das ist die gute Nachricht: keine Toten oder Schwerverletzte.

Am 8. Juni erwischte es dann Ölbronn-Dürrn. Foto: Rosar
Am 8. Juni erwischte es dann Ölbronn-Dürrn. Foto: Rosar

Als am 7. Juni 2016 sintflutartige Regenfälle über der Region niedergehen, ist vor allem der Königsbach-Steiner Ortsteil Stein betroffen. Einen Tag später erwischt es ein paar Kilometer weiter Ölbronn-Dürrn und Neulingen. Auf den Tag genau fünf Jahre ist das nun her – doch noch immer sind die Tage im Gedächtnis der Menschen, die damals betroffen waren, fest verankert. Noch immer blicken viele bang gen Himmel, wenn sich wieder einmal Unwetter ankündigen. Denn spätestens seit jenen Tagen Anfang Juni vor fünf Jahren ist immer die Furcht im Hinterkopf: Wird es wieder so wie damals? Muss man wieder damit rechnen, dass Räume vollaufen, Hab und Gut zerstört wird und erneut wochenlang die Trockengeräte im Haus surren, um zumindest Folgeschäden zu vermeiden? Und droht wieder eine Auseinandersetzung mit der Versicherung? Hinzu kommt: Wetterextreme – das bestätigt einem quasi jeder Experte, den man fragt – werden zunehmen. Dazu gehören Stürme ebenso wie Trockenphasen, aber eben auch in erster Linie Starkregenereignisse.

In der Region wurde nach den Vorkommnissen von damals versucht, in den Hochwasserschutz und in Maßnahmen gegen die Auswirkungen von Starkregenfällen zu investieren. Das ist in Ansätzen gelungen, aber man ist noch längst nicht da, wo man sein will. Infolge der Corona-Krise, die nicht nur gesundheitliche und gesellschaftliche Wunden hinterlässt, sondern auch in bedeutendem Maße wirtschaftliche, haben viele Kommunen nun ausgerechnet beim Hochwasserschutz den Rotstift angesetzt. Maßnahmen werden verschoben oder nicht in dem Umfang umgesetzt, wie man es vorhatte (die PZ berichtete mehrfach).

Unverständlich bleibt für viele, weshalb der Gesetzgeber derart hohe Hürden ansetzt, um Fördergelder bereitzustellen. Wer umfangreiche, aufeinander abgestimmte Schutzmaßnahmen realisieren will, muss detaillierte Pläne vorlegen, um Zuschüsse zu bekommen. Dies verursacht nicht nur einen enormen bürokratischen Aufwand, sondern treibt zuweilen Blüten, die Kopfschütteln auslösen: Ein Teil des Genehmigungsprozesses besteht zum Beispiel darin, ein halbes Jahr lang eine Untersuchung von Flora und Fauna vorzunehmen, damit auch ja kein geschützter Käfer vergessen wird.

Dies jemandem zu erklären, dem vor fünf Jahren das Wasser ins Haus lief, dürfte ein Ding der Unmöglichkeit sein.

Autor: Maximilian Lutz