Heimsheim
Enzkreis -  29.04.2021
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Eigene Firma um mehr als 160.000 Euro betrogen: Schuldenkreislauf endet mit einer Bewährungsstrafe

Enzkreis. Im Grunde hat sich der 57-jährige Angeklagte selbst betrogen. Dafür hat er nun ein Jahr und zehn Monate auf Bewährung bekommen. Der aus dem westlichen Enzkreis kommende Deutsche stand am Donnerstag vor dem Amtsgericht in Pforzheim, weil er sich des Betrugs in 13 Fällen schuldig gemacht hat. Um insgesamt 162.500 Euro betrog der geschäftsführende Gesellschafter seine eigene Firma mit Sitz in Tübingen. 2018 nahm er ein Darlehen von 150.000 Euro von einer Bank auf und benutzte das Geld nicht für die GmbH, sondern für eigene Zwecke. Aus diesem Grund hatte er sich wegen Untreue strafbar gemacht. Gleich zu Beginn der Verhandlung gesteht der Angeklagte seine Tat: „Ich habe ungefähr verstanden, was man mir vorwirft“, sagt er.

Der aus dem westlichen Enzkreis kommende Deutsche stand am Donnerstag vor dem Amtsgericht in Pforzheim, weil er sich des Betrugs in 13 Fällen schuldig gemacht hat. Symbolbild: Arne Dedert/dpa
Der aus dem westlichen Enzkreis kommende Deutsche stand am Donnerstag vor dem Amtsgericht in Pforzheim, weil er sich des Betrugs in 13 Fällen schuldig gemacht hat. Symbolbild: Arne Dedert/dpa

„Ich habe von meinem Geschäftskonto Geld abgehoben.“ Er sei seit 25 Jahren selbstständig im Automobil-Bereich. Nach zwei schweren Motorradunfällen sei er nicht mehr in der Lage gewesen, seine Einnahmequelle zu sichern. „Es wurde finanziell ziemlich eng“, so der 57-Jährige. Er habe sich immer mehr Geld bei Familie und Bekannten geliehen. „Dann wurde ich etwas dumm und fing an, zu spielen“, gesteht er. Nachdem er damit keinen Gewinn erzielen konnte, sei er an das Geschäftskonto gegangen. Dort sei ja noch Geld drauf gewesen. Erst als auch diese Quelle versiegte, sei er gezwungen gewesen, Privat- und Firmeninsolvenz anzumelden.

"Versuche irgendwie, einen Job zu bekommen"

Seitdem lebe er von 400 Euro im Monat. Dieses Geld beziehe er von der Grundsicherung. „Ich versuche irgendwie, einen Job zu bekommen“, sagt der Angeklagte.

„Der Sachverhalt steht fest aufgrund des vollumfänglichen Geständnisses“, sagt die Vertreterin der Staatsanwaltschaft, Julia Bopp. Es werde berücksichtigt, dass er seine Tat zugegeben und bereits eine kleine Wiedergutmachung von 7200 Euro gezahlt habe. Sie plädiert für zwei Jahre auf Bewährung und einen Wertersatz von 155.000 Euro.

Verteidigerin Jasmin Wanka-Bachmeyer hält ein Jahr und zehn Monate für angemessen – ohne Entschädigungszahlung. „Geld hat der Angeklagte sowieso nicht“, sagt die Verteidigerin und weist wie Bopp nochmals auf sein Geständnis und Schicksalsschläge hin.

"Sie haben Reue und Einsicht gezeigt."

Richterin Moira Landau

Richterin Moira Landau bezieht beide Plädoyers in ihr Urteil mit ein. Sie verkündet, dass der Angeklagte zu einem Jahr und zehn Monaten auf Bewährung verurteilt wird. Außerdem müsse er dem Wertersatz von 155.000 Euro nachkommen. „Sie haben Reue und Einsicht gezeigt“, sagt die Richterin. Sie hoffe, es sei ihm eine Lehre.

Autor: Mireya Lemke