Heimsheim
Enzkreis -  25.03.2020
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Ein Interview über das Traummann-Finden und das Singlesein in Corona-Zeiten: „Ich habe den Anspruch, mich zu verlieben“

Mit einem Wunschzettel ans Christkind hat Laura (Name geändert) im Dezember versucht, einen Partner zu finden. Die kreative Idee mit handschriftlichen Aushängen an Laternenpfählen hat in Pforzheim für Aufsehen gesorgt. Was es gebracht hat?

Laura heißt eigentlich anders, ist berufstätig, von ihrem Mann getrennt und lebt mit ihren fast erwachsenen Kindern im Enzkreis.
Laura heißt eigentlich anders, ist berufstätig, von ihrem Mann getrennt und lebt mit ihren fast erwachsenen Kindern im Enzkreis.

PZ-Redakteurin Nadine Schmid hat sich mit der 49-Jährigen aus dem Enzkreis unterhalten.

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PZ: Laura, gibt es ein Happy End?

Bisher nicht. Es gab echt viele positive Rückmeldungen von Männern und Frauen, die mich für meinen Mut bewundert oder mir viel Glück für meine Suche gewünscht haben. Das waren aber alles Menschen, die nicht selbst auf der Suche nach einem Partner waren. Trotzdem habe ich mich sehr darüber gefreut und es sind auch zwei Freundschaften zu Frauen daraus entstanden. Aber der Traummann, nein, den hat auch das Christkind nicht geliefert.

PZ: Woran liegt das?

Die Rückmeldungen, die ich auf meinen Wunschzettel bekommen habe, kamen ja schriftlich per Mail. Häufig war es so, dass sich Männer gemeldet haben etwa mit den Worten: Hallo hier bin ich. Was soll ich damit anfangen? Das zeigt doch kein ernsthaftes Interesse. Wenn es dann zu einem Mailwechsel kam hatte ich öfter das Erlebnis, dass auf meine Fragen kurz geantwortet wurde aber keine Gegenfrage kam. Jemandem die Würmer aus der Nase zu ziehen finde ich nicht attraktiv. Ich hatte also den Eindruck, dass ein Großteil der Männer, die sich gemeldet haben schreibfaul sind und auch jede Begeisterung vermissen lassen.

PZ: Haben Sie auch Männer in natura getroffen?

Wenige. Meistens hat sich durch den uninspirierten Schriftwechsel keine weitere Interaktion ergeben. Bei einem Treffen habe ich die Erfahrung gemacht, dass ich die Unterhaltung allein bestreiten muss, keinerlei Emotion von seiner Seite erkennbar war. Sowas brauche ich nicht.

PZ: Da klingt Frust mit.

Ist auch so. Wenn man aktiv wird, weil die Partnersuche sich schwierig gestaltet, ist Frustration vorprogrammiert. Jede Mail, die mit dem Betreff Wunschzettel kommt, weckt ja Hoffnung. Ich war aufgeregt und gespannt. Und dann ein dürrer Satz, manchmal ein Foto. Ich frage mich wirklich ob jemand denkt, ein unscharfes Selfie im Spiegel sei ansprechend. Ich gewinne doch dadurch den Eindruck, dass es halt mal so versucht wird, aber ohne echtes Interesse und eben auch ohne den Mut, sich darauf einzulassen, jemanden kennenzulernen.

PZ: Eine Erfahrung, die Freundinnen und Bekannte teilen?

Meine ja. Ich höre so oft von Frauen um 50 die nach einem Partner suchen. Viele davon hatten bereits mindestens eine langjährige Beziehung, Mann, Kinder und sind nach der Trennung bereit für einen zweiten Anlauf. Oft tolle Frauen, selbstbewusst, beruflich erfolgreich, interessant und gepflegt. Und alle teilen dieselbe Erfahrung. Haben on- oder offline zahlreiche Möglichkeiten ausprobiert, um einen Mann zu finden und das Ergebnis ist oftmals Null. Provokant gesagt, die Guten sind vergeben, und die, die auf der Suche sind, möchten eine Jüngere kennenlernen oder lassen nicht erkennen, dass sie ernsthaft interessiert sind. Die zweite Runde ist nicht einfach!

PZ: Sind jüngere Männer ein Thema?

Das kann schon funktionieren. Aber ich denke, es ist die Ausnahme. Man hat einfach einen anderen Lebensrhythmus. Ausgehen, feiern, Vollgas. Das ist nicht mehr meins. Ich bin gern aktiv und unterwegs, aber ich ziehe mich auch gern mal zurück. Was ich öfter mitbekommen habe in einer solchen Konstellation, ist, dass es wenige Jahre gut ging und der jüngere Mann dann eben doch eine Frau in seinem Alter gefunden und eine Familie gegründet hat.

PZ: Könnte ja einfach auch eine Weile dauern bis es funkt.

„Ich habe den Anspruch, mich zu verlieben. Ein Mann muss mein Herz berühren und zwar am Anfang. Es muss Sympathie da sein, ehrliches Interesse. Die reine Zweckbeziehung gegen das Alleinsein ist mir nicht genug. Ich weiß von Beziehungen, in denen so viele Kompromisse gemacht werden um Paar zu sein und nicht Single, dass es mich graust. Das schließe ich für mich aus. Das macht die Suche wahrscheinlich nicht gerade leichter.

PZ: Geben Sie auf?

„Gerade lasse ich die Aktivitäten ruhen. In Zeiten von Corona kommt mir keiner nahe – was auf Gegenseitigkeit beruhen sollte. Aber dadurch, dass derzeit zu Recht alles gesellschaftliche Leben ruht wird einem als kontaktfreudiger Single noch viel deutlicher bewusst, dass ein Partner fehlt. Überhaupt der Kontakt zu Menschen.

PZ: Im Prinzip genau die richtige Zeit für einen Brieffreund. Vielleicht haben jetzt auch schreibfaule Männer Lust auf den gepflegten Austausch?

„So kann  man das auch sehen (lacht). Dann schaue ich halt doch ab und zu in meine Wunschzettel-Mailadresse singleglueck@web.de