Heimsheim
Enzkreis -  18.11.2021
Artikel teilen: Facebook Twitter Whatsapp

Familien für alle Fälle: So soll die Aufnahme von Pflegekindern attraktiver gemacht werden

Enzkreis. Im Dezember soll der Kreistag über den Haushalt des Enzkreises für das Jahr 2022 abstimmen – einem Etat mit saftigem Defizit und hohen Kreditaufnahmen. Zuvor werden die einzelnen Teilbereiche des Entwurfs in den jeweils zuständigen Gremien besprochen. Am Donnerstag beschäftigte sich als erstes der Jugendhilfeausschuss mit den geplanten Ausgaben im Bereich Kinder-, Jugend- und Familienhilfe. Klar ist: Die Kosten steigen in einigen Bereichen.

Wenn Kinder in ihren eigenen Familien nicht bleiben können, versucht das Jugendamt, sie nach Möglichkeit bei Bereitschaftspflegeeltern unterzubringen. Diese sollen dafür künftig finanziell mehr entlastet werden. Uli Deck/dpa
Wenn Kinder in ihren eigenen Familien nicht bleiben können, versucht das Jugendamt, sie nach Möglichkeit bei Bereitschaftspflegeeltern unterzubringen. Diese sollen dafür künftig finanziell mehr entlastet werden. Uli Deck/dpa

Angefangen bei Schulbegleitung und -sozialarbeit, über Integrations- sowie individuelle Hilfen bis hin zur stationären Unterbringung von Kindern mit seelischer Behinderung. "Es ist so: Inklusion kostet Geld. Wir glauben, dass es gut angelegtes Geld ist", sagte Kreeb. Der Ausschuss gab den Teil des Haushalts trotz zahlreicher Nachfragen und Diskussionsbeiträge am Ende ohne jeglichen Änderungsvorschlag zur Zustimmung an den Kreistag weiter.

Unter anderem war in der Sitzung eine Verbesserung der finanziellen Rahmenbedingungen für die Bereitschaftspflege Thema. Menschen, die jederzeit bereit sind, Kinder in Not bei sich aufzunehmen, sollen dafür künftig stärker finanziell entlastet werden. Darauf habe man sich mit der Stadt Pforzheim verständigt. Der Kreis geht dadurch von 30.000 bis 50.000 Euro höheren Ausgaben im kommenden Jahr aus.

14 Bereitschaftspflegefamilien im Enzkreis

Die Maßnahme soll laut Christoph-Tom Reimann vom Jugendamt dazu beitragen, die Plätze für Kinder, die das Jugendamt in Obhut nimmt, zu sichern. Die Aufnahme der Kinder soll so attraktiver werden und dazu beitragen, dass zusätzliche Familien gewonnen werden können.

Aktuell gibt es im Enzkreis laut Reimann 14 Bereitschaftspflegefamilien, die Kinder und Jugendliche spontan rund um die Uhr aufnehmen können, wenn sie nicht in ihrem Zuhause bleiben können. Davon seien acht länger als zehn Jahre für den Enzkreis tätig. Zunehmend falle es schwer, neue Familien zu gewinnen.

Angesichts vieler altersbedingt ausscheidender Bereitschaftspflegefamilien in den nächsten Jahren, gelte es gegenzusteuern. Das sogenannte Bereithaltegeld soll nun von 150 auf 250 Euro im Monat angehoben werden. Der Ausgleich für Kosten der Pflege und Erziehung soll um rund 190 Euro erhöht werden.

Geld ist keine Motivation

Klar ist aber, das machten Reimann und Teile des Gremiums klar: Das Geld selbst ist keine Motivation für Bereitschaftspflegefamilien. "Den Stundenlohn bei einem 24-Stunden-Job kann man sich ja ausrechnen", gab etwa Elisabeth Vogt (Grüne) zu bedenken.

Beim Jugendamt will man laut Reimann nun Familien, die sich für Vollzeitpflege interessieren, auch für die Form der Bereitschaftspflege interessieren. Reimann zeigte sich zuversichtlich, dass der Bedarf so auch künftig gedeckt werden kann.

Autor: bel