Heimsheim
Enzkreis -  23.03.2020
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Geld vom Staat: Unternehmer warten auf Antragsformulare für Corona-Hilfe

Pforzheim/Stuttgart. Angesichts dramatischer Folgen der Coronavirus-Krise wartet die Wirtschaft dringend auf Staatshilfen. „Die aktuelle Situation ist dramatisch“, warnt der Verbandspräsident der Familienunternehmer, Reinhold von Eben-Worlée. „Großen Teilen des Dienstleistungsbereichs wie Hotels, Restaurants, Reiseunternehmen, Eventagenturen steht das Wasser bereits an der Oberlippe, denn es kommen schon seit Anfang März keine Buchungen mehr rein, nur noch Stornierungen. Aber die Kosten laufen ja weiter.“

Dieser Friseursalon hat geschlossen. Doch die Kosten für den Inhaber laufen weiter, obwohl die Umsätze weggebrochen sind. Foto: Gollnow
Dieser Friseursalon hat geschlossen. Doch die Kosten für den Inhaber laufen weiter, obwohl die Umsätze weggebrochen sind. Foto: Gollnow

Einen „gigantischen Bedarf“ sieht deshalb Hans-Ulrich Rülke, FDP-Fraktionschef im Landtag und Pforzheimer Abgeordneter, wie er gestern im Gespräch mit der PZ sagte. Rund 6,5 Milliarden Euro aus Landesmitteln und Zuschüsse des Bundes in ähnlicher Größenordnung dürften nicht reichen, befürchtet Rülke. „Insbesondere Kleinbetriebe und Soloselbständige sind besonders darauf angewiesen, rasch Unterstützung zu bekommen und können voraussichtlich ab Mittwoch Hilfen beantragen“, so Rülke.

Gestaffelte Soforthilfe

Die Soforthilfe sei gestaffelt nach der Zahl der Beschäftigten und betrage bis zu 9000 Euro für drei Monate für Soloselbstständige und für Betriebe mit bis zu fünf Beschäftigten, 15.000 Euro für drei Monate für Betriebe mit bis zu zehn Beschäftigten, und 30.000 Euro für drei Monate für Betriebe mit bis zu 50 Beschäftigten. „Die Hilfen können über die jeweilig zuständige Kammer abgerufen werden, unabhängig davon, ob das Unternehmen oder der betroffene Selbstständige selbst Mitglied in dieser Kammer ist,“ ergänzt Enzkreis-Landatgsabgeordneter Erik Schweickert (FDP). Für Handwerker sei die Handwerkskammer zuständig. Die Modalitäten seien auf der Webseite des Wirtschaftsministeriums zu finden.

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Besorgt zeigt sich auch Gunther Krichbaum, Pforzheimer CDU-Bundestagsabgeordneter. „Wir wollen kleineren Familienunternehmen und Solo-Selbstständigen helfen, die sich häufig vor dem wirtschaftlichen Abgrund sehen. Obwohl der Umsatz fehlt, müssen Mieten, Krankenversicherung und andere laufende Kosten bezahlt werden.“ Viele dieser Firmen würden es schwer haben, Kredite aufzunehmen, um von den staatlichen Liquiditätsprogrammen zu profitieren, weiß Krichbaum.

Bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Nordschwarzwald häufen sich seit Tagen die Anfragen von Unternehmen, die mit dem Rücken zu Wand stehen. Die Corona-Homepage der IHK wurde bis gestern Mittag insgesamt 11.621 Mal angeklickt, so Michael Hasch, der für die Öffentlichkeitsarbeit der Kammer zuständig ist. Für Anfragen ist die Hotline (07231) 201-366 eingerichtet worden.

Die Arbeitsagentur ist stark gefordert

Die Corona-Krise hat nicht nur die Wirtschaft im Nordschwarzwald, sondern auch die Agentur für Arbeit Nagold-Pforzheim mit voller Wucht getroffen. Seit knapp zwei Wochen arbeite die für den gesamten Nordschwarzwald zuständige Agentur für Arbeit Nagold-Pforzheim unter Hochdruck an zwei zentralen Hebeln der öffentlichen Daseinsvorsorge gleichzeitig, so die Chefin Martina Lehmann. „Wir müssen und werden die Auszahlung der existenziell wichtigen Geldleistungen Kurzarbeitergeld und Arbeitslosengeld I und ganz aktuell die explosionsartig gestiegenen Beratungsbedarfe unserer Betriebe sicherstellen.“ Auch die gemeinsamen Einrichtungen Jobcenter Landkreis Calw und Jobcenter Landkreis Freudenstadt arbeiteten mit hohem Einsatz und größter Flexibilität daran, die Auszahlung des Arbeitslosengeldes II (Hartz IV) in dieser schwierigen Situation zu gewährleisten. Gleichzeitig müssen wir durch die Reduzierung des Publikumsverkehrs auf Notfälle das Infektionsrisiko auf ein Minimum reduzieren. „ Das oberste Ziel sei mitzuhelfen, dass unsere Betriebe, wo immer möglich, mit Kurzarbeitergeld ihr Personal halten, um dann nach der Krise wieder schnell produktiv sein zu können. Damit helfen wir nicht nur den Betrieben, sondern auch deren betroffenen Arbeitnehmern“, so Lehmann.

Autor: Lothar Neff und dpa