Heimsheim
Enzkreis -  24.02.2020
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IRE-Pannen, Eigenwenden, Zeitpuffer: Go-Ahead erhält Schützenhilfe von der Deutschen Bahn

Pforzheim/Enzkreis. Der Ärger saß tief: Am Bahnhof Wilferdingen-Singen sauste der IRE einfach durch und ließ die Kunden stehen. Und da so mancher glaubt, dass für Interregio-Express-Verbindungen (IRE) auf der Residenzbahn zwischen Karlsruhe und Stuttgart nur Go-Ahead zuständig ist, wandte sich der genervte Kunde mit seiner Protestnote auch an dieses Eisenbahnunternehmen. Die Antwort offenbarte weit mehr als einen durchgefahrenen Zug. Nicht Go-Ahead sei für den bedauerlichen Vorfall verantwortlich, sondern die Deutsche Bahn.

Ein IRE von Go-Ahead im Pforzheimer Hauptbahnhof. Das Unternehmen benötigt auf der Residenzbahn aber auch Unterstützung durch die DB Regio. Foto: Marx
Ein IRE von Go-Ahead im Pforzheimer Hauptbahnhof. Das Unternehmen benötigt auf der Residenzbahn aber auch Unterstützung durch die DB Regio. Foto: Marx

Die DB Regio bediene auch nach der Fahrplanumstellung und dem Anbieterwechsel vom Juni 2019 noch einige IRE-Linien. Die Redaktion fragte deshalb bei der DB in Stuttgart nach. Eine Bahnsprecherin erläuterte das zugrundeliegende Konzept. Grundsätzlich, so die Sprecherin verkehrten auf der Residenzbahn seit Fahrplanwechsel im Juni 2019 eigentlich nur noch Züge der Anbieter Abellio und Go-Ahead. Letzteres Unternehmen sei in der Tat für einen Großteil der Leistungen bei den IRE-Zügen auf der Residenzbahn verantwortlich.

Weiter heißt es auf Anfrage der „Pforzheimer Zeitung“ bei der DB: „Wir erbringen aber noch insgesamt acht Fahrten von Montag bis Freitag auf der Strecke Stuttgart/Karlsruhe. Diese Fahrten werden im Auftrag des Landes Baden-Württemberg durchgeführt und ersetzen Leistungen des Anbieters Go-Ahead, um für mehr Stabilität im Fahrplan zu sorgen.“

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Ohne die genannte Unterstützung müssten die Züge von Go-Ahead im Bahnhof Karlsruhe eine sogenannte Eigenwende durchführen. Dabei wende der ankommende Zug und fahre direkt zurück. Dieses Manöver dauere rund sechs Minuten. Verspätungen würden auf diese Weise auf die Rückfahrt übertragen und kumulierten sich. Die Bahnsprecherin unterstreicht: „Das möchten wir vermeiden, deshalb wird eine sogenannte überschlagende Wende durchgeführt.“ Dazu seien allerdings mehr Fahrzeuge notwendig, die versetzt fahren, das bedeute, der ankommende Zug warte erst einmal und fahre als übernächster Zug wieder zurück. Auf diese Weise könne „ein gewisser Puffer und Stabilität im Fahrplan geschaffen werden“. Go-Ahead habe für die überschlagende Wende nicht genug Fahrzeuge zur Verfügung und „benötigt noch unsere Unterstützung“, so die DB-Sprecherin.

Autor: Peter Marx