Heimsheim
Enzkreis -  18.07.2020
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Kommunalpolitik mit Muskelkraft: Von Pedalpendlern und Gemeinde-Radsitzungen

Enzkreis. Bewegung ist eine gute Sache. Jedenfalls, wenn man für diese Bewegung körperlich etwas tut und sich nicht faul hinters Autosteuer klemmt. Offenbar hat die Corona-Krise ja die Lust aufs Radfahren befeuert. Da sind Kollegen, die plötzlich stolz mit dem nagelneuen E-Bike in die Redaktion strampeln. Da gibt es plötzlich im Enzkreis buchstäblich Gemeinde-Radsitzungen – Kommunalpolitik mit Muskelkraft. Da ist der Enzkreis, der stolz auf das Echo seines Aufrufs zum Stadtradeln blickt – Schüler, Pendler und Freizeitradler aus dem Kreis hatten schon zur Halbzeit der Aktion Ende Juni mit 91.000 doppelt so viele Kilometer gesammelt wie bei der Premiere 2018. Und dann sind da Kommunalpolitiker, die mit gutem Beispiel vorantreten wollen.

Bewegung ist eine gute Sache. Jedenfalls, wenn man für diese Bewegung körperlich etwas tut und sich nicht faul hinters Autosteuer klemmt, schreibt PZ-Redakteur Alexander Heilemann in seiner Kolumne.
Bewegung ist eine gute Sache. Jedenfalls, wenn man für diese Bewegung körperlich etwas tut und sich nicht faul hinters Autosteuer klemmt, schreibt PZ-Redakteur Alexander Heilemann in seiner Kolumne.

Kieselbronns Rathauschef Heiko Faber zum Beispiel, von dessen Leidenschaft für den Fahrradsattel auf dem Dienstweg in dieser Kolumne schon mal die Rede war. Der Mann meint es ernst. Nicht nur hat er zuletzt dokumentiert, wie er und Hauptamtsleiter Philipp Kreutel zu einer Besprechung im Baurechtsamt des Enzkreises mit dem E-Bike von Kieselbronn nach Pforzheim gefahren sind.

Er ist es auch, der kommende Woche den ganzen Gemeinderat in den Sattel bringt. Am Mittwoch geht es nämlich in den Wald, um sich vor Ort einen Eindruck vom Zustand der Bäume zu machen. Als Verkehrsmittel ins Grüne werde das Fahrrad empfohlen, lässt der Rathauschef in der Einladung wissen. Den Kieselbronner Räten kann wirklich niemand vorwerfen, sie würden sich für ihre Kommune nicht abstrampeln.

Zur Arbeit und zurück: E-Bikes machen es möglich

Aber wie ist das eigentlich mit den Pendlern? Klassische Autopendler haben in der Berichterstattung oft schlechte Karten: ob es um Staus geht, um Ärger mit dem Parken oder um Lärmdebatten. Doch es gibt gar nicht so wenige, die tatsächlich regelmäßig mit dem Rad zur Arbeit fahren. Und – noch bewundernswerter – am Feierabend wieder nach Hause. E-Bikes machen das für immer mehr Menschen möglich – auch, wenn es in der Region oft genug steil bergauf geht.

Christian Schulze, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Pforzheim, schafft jeden Anstieg ganz ohne Unterstützung. Mit dem Rennrad fährt er zwei bis drei Mal pro Woche von Stupferich nach Pforzheim. Als Kilometersammler kommt er damit auf bis zu 130 Kilometer pro Woche. Nur für den Weg zur Dienststelle und zurück.

"Ich bin auch schon nach Hause gerannt."

Polizeisprecher Christian Schulze

Schulze nimmt das aber ohnehin sportlich. Der Hobby-Triathlet kann die Pendlerstrecke als Trainingskilometer verbuchen. Und das nicht immer mit dem Rad. „Ich bin auch schon nach Hause gerannt“, sagt Schulze. Klimafreundlich, gut für die Fitness. Aber ganz ehrlich: Ganz sicher nichts für Normalpendler wie in der PZ-Redaktion.