Heimsheim
Enzkreis -  25.03.2020
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Lokale Touristiker und Reisebüros bangen um ihre Existenz

Die Sommerferien gelten vielen Menschen als „die schönsten Wochen des Jahres“ – in diesem Jahr aber könnten sie ausfallen. Angesichts der Corona-Krise ist offen, ob Reisen im Sommer stattfinden können. Macht Deutschland 2020 Urlaub auf Balkonien?

Durchhalteparolen: Eine Mitarbeiterin eines Reisebüros klebt einzelne Blätter mit einer Botschaft für die Kunden auf das Schaufenster. Fotos:  Thissen
Durchhalteparolen: Eine Mitarbeiterin eines Reisebüros klebt einzelne Blätter mit einer Botschaft für die Kunden auf das Schaufenster. Fotos: Thissen

Klar ist: Mit der weltweiten Reisewarnung des Auswärtigen Amtes bis Ende April müssen Pauschalreisen in dieser Zeit kostenlos storniert werden – auch Individualreisen. Viele Reiseveranstalter haben ihren Betrieb vorerst eingestellt, Kreuzfahrtreedereien ebenso. Grenzen wurden geschlossen, Flüge gestrichen. Der Reisebranche stehen deshalb schwere Zeiten ins Haus.

„Seit Wochen sind wir schon im Krisenmodus, jeden Tag nimmt es größere Ausmaße an“, sagt Heribert Frey, Geschäftsführer des Lufthansa City Reisebüros in Pforzheim. Dennoch bleibt er mit Blick auf die Zukunft optimistisch. Er hege die Hoffnung, dass das Geschäft im zweiten Halbjahr besser laufe. Um die Situation zu erleichtern, gehe man proaktiv auf die Kunden zu, um Umbuchungsangebote zu unterbreiten, so Frey. Damit möchten die Touristiker verhindern, dass jetzt eine große Zahl an Reisen, die für August oder September gebucht sind, storniert werden.

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Zudem liege aktuell der Fokus auf der Rückholung von Urlaubern aus dem Ausland und der Stornierung von aktuellen Reisen. Die Bundesregierung und die Reiseveranstalter haben mehr als 150 000 Touristen zurückgeholt. Die Tui etwa meldete gestern, 94 bis 95 Prozent der Festsitzenden seien wieder in Deutschland. Bis zum Wochenende sollen noch Deutsche aus Fernzielen wie Thailand, Mauritius, Mexiko oder Sri Lanka nach Hause geholt werden. Das alles sei sehr viel, deshalb bittet Frey darum, „nicht jetzt zu stornieren, sondern Ruhe zu bewahren“.

Reiserechtsexpertin Sabine Fischer-Volk rät ebenfalls, Monate im Voraus gebuchte Reisen nicht jetzt schon zu annullieren. So können dringend benötigte Liquidität in den Unternehmen bleiben. „Wann die jeweiligen Einreisesperren und örtlichen Quarantänemaßnahmen der Länder endgültig aufgehoben werden, ist derzeit ungewiss“, so Fischer-Volk.

Auch das Omnibusunternehmen Binder aus Wurmberg trifft die Krise hart. „Bis zu den Sommerferien ist alles gestrichen. Da müssen wir jetzt alle zusammenstehen“, sagt Geschäftsführer Karlheinz Binder. Nicht viel anders geht es Müller Reisen: „Durch das Ein-und Ausreiseverbot sind unsere Aufträge komplett auf null gefallen“, sagt Geschäftsführerin Viktoria Müller. Sie bange um die Existenz des Unternehmens, alle Busse mussten stillgelegt werden.

„Die Entwicklung rund um das Coronavirus ist sehr dynamisch. Aktuell kann einfach niemand sagen, wie sich die Situation verändert oder auch wie lange sie andauern wird“, sagt die Sprecherin des Deutschen Reiseverbands (DRV) Kerstin Heinen. Die Hoffnungen der Branche auf den Sommer bleiben dennoch – und damit auf ein paar Wochen Urlaub, und zwar nicht in den eigenen vier Wänden.

Autor: Maxim Kiefer-Klimanski und dpa