Heimsheim
Enzkreis -  31.08.2018
Artikel teilen: Facebook Twitter Whatsapp

So heiß war es wirklich im Enzkreis

Die vielen Hitzetage im Enzkreis wecken Erinnerungen. Extreme gab es schon früher – aber bei weitem nicht so oft wie zuletzt.

Nichts wie wegtauchen: Das werden sich in den vergangenen Wochen viele im Enzkreis und in Pforzheim gesagt haben. Die Region glich wochenlang einem Glutofen. Der Deutsche Wetterdienst bestätigt jetzt: Im Schnitt war es hier nur 2003 noch heißer – vor allem wegen der Dauer der Wärme. Foto: Thissen, dpa
Nichts wie wegtauchen: Das werden sich in den vergangenen Wochen viele im Enzkreis und in Pforzheim gesagt haben. Die Region glich wochenlang einem Glutofen. Der Deutsche Wetterdienst bestätigt jetzt: Im Schnitt war es hier nur 2003 noch heißer – vor allem wegen der Dauer der Wärme. Foto: Thissen, dpa

Diese Hitze, diese Trockenheit. Das langanhaltende extreme Sommerwetter der vergangenen Wochen war Dauergesprächsthema. Da wird es niemand überrascht haben, dass der Deutsche Wetterdienst wie berichtet bundesweit vom zweitheißesten Sommer aller Zeiten spricht – und dass diese Einordnung auch für unseren Raum zutrifft. In der Region war es zwischen Juni und Ende August sogar noch mal fast zwei Grad wärmer als im Bundesschnitt – nur 2003 war die mittlere Temperatur auch hier noch höher.

Die Rekordjahre ballen sich auffällig in den 2000-er Jahren. Das heißt natürlich nicht, dass es nicht schon früher extreme Sommer gegeben hat. In Neulingen zum Beispiel haben die vergangenen Wochen Erinnerungen an die große Dürre von 1976 geweckt. Der 67-jähriger Helmut Dietrich und der Neulinger Revierförster Martin Schickle denken zurück an häufige Spitzenwerte jenseits der 30 Grad – und daran, dass es im Somer 1976 fünf Wochen überhaupt nicht geregnet hätte. Nach einem ohnehin schon trockenen Frühjahr habe das damals große Ernteausfälle zur Folge gehabt. Der damalige Nußbaumer und Sprantaler Pfarrer Otto Doll habe im Gottesdienst einen Choral um Regen singen lassen. Auch eine Gebetsstunde um Regen der örtlichen AB-Gemeinschaft habe der Pfarrer unterstützt.

Die Wetterextreme von damals sind also noch immer lebendig im Gedächtnis. Auch, dass es 1983 noch einmal außergewöhnlich heiß war in der Region, haben nicht nur die Neulinger präsent. Hakt man beim Deutschen Wetterdienst in Stuttgart nach, finden sich beide Jahre tatsächlich in der Rangliste der heißesten Sommer in unserem Raum. Das Jahr 1979 freilich nur ganz knapp. Denn die Daten der Meteorologen zeigen, dass die extrem warmen Jahre zuletzt stark zugenommen haben. Unter den zehn heißesten Sommern sind alleine sechs aus dem Zeitraum seit dem Rekordjahr 2003.

Die Meteorologen haben für diese Liste Mittelwerte aller Tages- und Nachtstunden für die Monate Juni bis Ende August gebildet. Deshalb kommen Betrachtern die Vergleichstemperaturen auf den ersten Blick niedrig vor.

Tatsächlich passen aber auch die Tageshöchsttemperaturen zu den Listen der Stuttgarter Experten. Der heißeste Tag, der in diesem Sommer an der Messstation Ispringen/Pforzheim gemessen wurde, war demnach der 4. August mit 34,5 Grad. Sehr heiß, aber längst kein Rekord. Bei Ispringen knackte der 7. August 2015 den absoluten Spitzenwert mit 38,2 Grad. Den regionalen Rekord hält aber Mühlacker mit 39,2 Grad ebenfalls am 7. August 2015. Gemessen wird dabei nicht in der prallen Sonne. Das heißt, für die Bürger kann sich die Realität noch heißer anfühlen.

Im Gedächtnis bleiben werden die Spitzensommer allemal – aber wahrscheinlich nicht mehr so detailliert wie 1976. Die Extreme waren zuletzt einfach zu häufig.

Autor: Alexander Heilemann und Peter Dietrich