Heimsheim
Enzkreis -  14.11.2021
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Viele Fakten rund um den Wolf: Vortrag lockt zahlreiche Zuhörer nach Conweiler

Bernhard Brenneis ist Förster und Wildtierbeauftragter des Enzkreises. Als Referent kam er am Freitag in den gut besuchten Bürgertreff in Conweiler. Sein Vortrag galt dem Wolf, dessen Vorkommen, Migration und Lebensweise sowie den Präventionsmaßnahmen und dem vom Land im Schwarzwald geförderten Herdenschutz.

Bernhard Brenneis referiert über den Wolf. Das abgebildete Tier hat er im Odenwald aufgenommen. Foto: Frommer
Bernhard Brenneis referiert über den Wolf. Das abgebildete Tier hat er im Odenwald aufgenommen. Foto: Frommer

„Ich bin zuständig für die Fakten“, unterstreicht Bernhard Brenneis, der authentisch zum Wolf informieren will und sich nicht als Meinungsbildner versteht. Ihm ist bewusst, dass der Wolf, wie kaum ein zweites Wildtier, die Gemüter bewegt. Er stellt klar, dass der Wolf in keinem Bundesland dem Jagdrecht unterliegt, sieht man von Sachsen einmal ab. Außerdem werde diese Tierart durch EU-Recht, Bundesnaturschutzgesetz und durch das Washingtoner Artenschutzabkommen streng geschützt. Brenneis legt dar, dass derzeit erst drei Grauwölfe in Odenwald und Schwarzwald sesshaft geworden sind: GW 1832m im Odenwald, GW 852m im Nord- und GW 1129m im Südschwarzwald – alle drei Tiere sind Rüden.

Zugewandert seien die Schwarzwaldwölfe aus der Lüneburger Heide, der Grauwolf im Odenwald stamme hingegen aus der Schweiz. Die Fakten des Monitorings lockert Bernhard Brenneis mit lebendig geschilderten Beobachtungen auf: „Wölfe sind Opportunisten. Bei der Nahrung und bei der Fortbewegung. Sie trotten frisch gepflügte Äcker ab und fressen die beim Furchen nach oben beförderten Mäuse.“ Einhundert Kilometer seien für einen Wolf in einer Nacht keine ungewöhnliche Distanz. Es dauere drei bis fünf Jahre, bis sich ein Rudel bildet.

„Eine Gefahr für den Menschen ist er grundsätzlich nicht“, betont der Wildtierbeauftragte. In Deutschland gebe es seit der Rückkehr des Wolfes um 1950 keine Begegnung, die für einen Menschen tödlich verlaufen wäre. In Deutschland bestehe keine Tollwut mehr. Genau die sei für die aus Indien bekanntgewordenen Attacken innerhalb riesiger Müllhalden aber verantwortlich. Entschieden verurteilt er zudem jedes Anfüttern von Wölfen, wie es beispielsweise von Bundeswehr-Truppenübungsplätzen in Norddeutschland bekanntgeworden ist.

„Wir haben mehr Probleme mit den Herdenschutzhunden als mit den Wölfen“, macht Brenneis deutlich. Und: „Im Schwarzwald gibt es genügend Rehe und Wildschweine – und damit genügend Nahrung für den Wolf“. Doch Herdenschutz betrachtet er als unerlässlich, zumal die Materialkosten, beispielsweise wolfssichere Weidenetze mit 105 bis 120 Zentimtern Höhe, Elektrozaungeräte sowie Erdungsstäbe in den Fördergebieten vom Land getragen werden. „Wir brauchen die Schaf- und Ziegenhalter“, betont Bernhard Brenneis, „ihre Weideflächen in den Schwarzwaldtälern tragen entscheidend zur Biodiversität bei, da sie die Verbuschung vermeiden. Wenn sie aufhören, gibt es nur einen Verlierer: die Natur“.

Nach seinem Vortrag regt er im Gespräch mit den Zuhörern an: „Das Ziel muss sein, dass es beispielsweise ein Label wie ‚Betreibe Herdenschutz‘ dem Züchter möglich macht, beim Fleischverkauf einen besseren Preis zu erzielen“. Der Vortrag von Brenneis wird nochmals am Freitag, 26. November, von 19 bis 20.30 Uhr in Mühlacker über die dortige Volkshochschule angeboten.

Autor: Robin Daniel Frommer