Wandel in der Arbeitswelt: Bürotürme an der A8 bei Heimsheim werden zu Motelgebäuden umgebaut
Heimsheim. Wer auf der Autobahn 8 an Heimsheim vorbeifährt, der kann das Ensemble aus Bürotürmen, die südlich des großen Asphaltbands am Gewerbegebiet Egelsee aufragen, nicht übersehen. Über allem schwebt die Leuchtreklame eines Fast-Food-Restaurants im Hintergrund. Für die drei Gebäude, 2013, 2015 und 2018 als „Small Business Towers“ erbaut, hat der Betreiber Nutzungsänderungen beantragt.
Der Heimsheimer Gemeinderat, der sich nach einer Klage des Bürgermeisters gegen eine Entscheidung des Gremiums ansonsten in schwerem Fahrwasser befindet, hat den Antrag jetzt mehrheitlich genehmigt. Auferlegt wurde die Bedingung, ausreichend Stellplätze an den Gebäuden zu schaffen. 60 Motelbetten sollen nun in jedem der Gebäude eingerichtet werden.
Jürgen Troll, Heimsheimer Bürgermeister, sagt: „Büroimmobilien sind betroffen von der derzeitigen Krise.“ Dass der Bauherr den Bedarf an die Nachfrage anpasse, unterstütze er ausdrücklich. Patrick Wolff von der Wolff Verwaltungs GmbH, Betreiber der Türme, spricht von einer „Flexibilisierung des Angebots“. Der Grund: Feste örtliche Büroflächen sind immer weniger gefragt.
Ebenfalls stark rückläufig sei der Trend zu gemeinschaftlicher Nutzung von Büroflächen im „Co-Working“ mit Solo-Selbstständigen oder Angestellten fern ihrer Firmensitze. „Großraum geht gar nicht mehr“, meint Wolff. Jeder wolle nun wieder sein abschließbares Einzelbüro – die für „Co-Working“ beworbenen Flächen an der Autobahn blieben leer: „Uns sind die Coronazeit und das Homeoffice dazwischen gekommen“, erklärt Patrick Wolff der PZ. Die drei Hochhäuser verfügen laut Wolff jeweils über rund 3000 Quadratmeter Fläche.
Ein Businessmotel und ein Boardinghouse befinden sich schon auf dem „Projektcampus“ genannten Gelände um die Türme, das Wolff betreibt. Ziel sei es nun nicht, im Motel-, sondern im Projektgeschäft zu wachsen. Zum Areal, das scheibchenweise seit 2012 gewachsen sei, gehören weitere Gebäude mit Büros, Labors und eine eigene Fahrzeughalle.
Aus ganz Deutschland oder mehreren Ländern ziehen die Firmen hier gerne Mitarbeiter in Projekten zusammen über einen definierten Zeitraum, wie Wolff schildert – zum Thema Autonomes Fahren gebe es zum Beispiel großen Bedarf. Insbesondere, wenn externe Dienstleister dazu kommen, würden Autohersteller die Organisation außerhalb der eigenen Firmen- und Werkstore bevorzugen. Auch Softwarefirmen wie SAP gehörten zu den Kunden. Die Motelzimmer in den Türmen seien für diesen Bedarf gedacht, wenn ein Projektteam einen ganzen Turm für sich buche.
