Heimsheim
Enzkreis -  18.02.2021
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Weniger Nitrat und Phosphat: Rote Gebiete mit Dünger-Belastung im Enzkreis ausgewiesen

Enzkreis. Für die Landwirte in Baden-Württemberg gilt seit Ende des vergangenen Jahres ein neuer Handlungs- und Auflagenkatalog. Die Verordnung der Landesregierung (VODüV) handelt von Anforderungen an die Düngung in bestimmten Gebieten zum Schutz der Gewässer vor Verunreinigungen. Sie weist unter anderem rote Nitrat- und Phosphatgebiete aus, in denen eine zu hohe Belastung mit den Stoffen herrscht.

Über Güllegeruch freuen sich die wenigsten Menschen. Doch begünstigt der Dünger das Pflanzenwachstum. Allerdings kann eine Überdüngung zu einer erhöhten Nitrat- und Phosphatbelastung der Böden führen. Die wird nun in einer Karte ersichtlich. Foto: Symbolbild/Philipp Schulze/dpa
Über Güllegeruch freuen sich die wenigsten Menschen. Doch begünstigt der Dünger das Pflanzenwachstum. Allerdings kann eine Überdüngung zu einer erhöhten Nitrat- und Phosphatbelastung der Böden führen. Die wird nun in einer Karte ersichtlich. Foto: Symbolbild/Philipp Schulze/dpa

Nicole Riehm ist in der Dünger- und Wasserschutzberatung des Landratsamts Enzkreis tätig. Die Agrarwissenschaftlerin erklärt, dass Nitrate und Phosphate als Salze natürlich vorkommen. Während demnach Phosphate in fast allen Nahrungsmitteln vorhanden und für den menschlichen Organismus weder schädlich noch giftig sind, kann Nitrat im Körper zu Nitrit umgewandelt werden. In hohen Konzentrationen kann es den Sauerstoffgehalt im Blut verringern. Beide Stoffe gelangen vor allem durch Regen in das Grundwasser sowie Bäche und Flüsse. Als Bestandteil von Dünger, wie er in der Landwirtschaft verwendet wird, begünstigen Nitrat und Phosphat das Pflanzenwachstum. Das im Enzkreis erstmals rote Nitrat- und Phosphorgebiete ausgewiesen wurden, sieht Riehm kritisch.

So sei man im Landratsamt zu lange darüber im Unklaren gelassen worden, wie das Umweltministerium die Messungen der Nitrat- oder Phosphatgehalte vorgenommen hat und wo sich die Messstellen befinden: „Wir wurden in diese Entscheidung nicht einbezogen und eher außen vorgelassen“, so Riehm, die am vergangenen Montag ein Online-Seminar zu den roten Gebieten für Akteure aus der Landwirtschaft hielt.

Die landwirtschaftlichen Betriebe im Enzkreis würden laut Riehm vorbildlich arbeiten und sich an die Vorgaben und Auflagen halten. Als deren Ansprechpartnerin steht sie zwischen den Stühlen: „Ich kann den Landwirten auch nicht sagen, wo die Probleme liegen oder, woran man noch arbeiten muss.“ Denn die beständig sinkenden Werte in den Nitratgebieten seien ein Zeichen dafür, dass die Landwirte seit längerem gut und vor allem wasserschonend wirtschaften.

Das Land als Vorreiter

Natürlich existierten Riehm zufolge Gebiete in Deutschland, in denen ein genauerer Blick auf die Nitrat- und Phosphat-Gehalte sinnvoll sei. Baden-Württemberg stehe aber in dieser Hinsicht sehr gut da und sei mit seit Jahren sinkenden Nitratwerten in einer Vorreiterrolle. Dies liege auch an der geringen Zahl von Viehwirten im Vergleich zu anderen Bundesländern. Denn der sogenannte Wirtschaftsdünger – also Gülle – müsse ja irgendwo herkommen.

Riehm betont auch den Mehraufwand für die Bauern. Diese müssten regelmäßig Proben nehmen und an Labors schicken. Die Tests und die bürokratischen Aufgaben bekämen die Landwirte nicht bezahlt. Nitrat und Phosphat seien für den Menschen nur in größeren Mengen schädlich, wie Riehm erklärt: „Die erlaubte Nitratmenge im Wasser liegt bei 50 Milligramm pro Liter.“ Dieser Grenzwert sei so gering, dass Trinkwasser mit dieser Nitratmenge absolut unbedenklich sei.

Wird vom Landwirt mehr davon aufgebracht, als die Pflanzen aufnehmen können, landen die Stoffe im Boden und schließlich im Grundwasser – zumindest theoretisch. Denn laut Riehm erreiche man den Nitratgrenzwert von 50 Milligramm im Enzkreis ohnehin nicht. Phosphat im Wasser sei ein anderes Problem. Das kann zu einem erhöhten Stickstoffgehalt führen und das Algenwachstum begünstigen. Darunter leiden dann andere Lebensformen.

Kein Grund zur Sorge

Wer nahe eines Nitrat- oder Phosphatgebietes lebt oder seinen Gemüsegarten dort wässert, kann laut Riehm beruhigt die Früchte seiner Arbeit zu sich nehmen. Die Gebiete seien nicht stark belastet und „die Dosis macht das Gift.“

Autor: tim