Illingen -  17.04.2021
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Warum Illingens Bürgermeister Harald Eiberger erneut antreten will

Illingen. Es gibt eine interessante Geschichte über Harald Eiberger, seit 2005 Bürgermeister in Illingen. Erzählt hat sie vor geraumer Zeit Ewald Veigel, einer von Eibergers Vorgängern an der Rathausspitze und nachgewiesenermaßen keiner seiner größten Fans, aber das tut an dieser Stelle nichts zur Sache.

Illingens Bürgermeister Harald Eiberger will’s noch einmal wissen: Er hat angekündigt, für eine weitere Amtszeit zu kandidiere. Foto: Lengle/Gemeinde Illingen
Illingens Bürgermeister Harald Eiberger will’s noch einmal wissen: Er hat angekündigt, für eine weitere Amtszeit zu kandidiere. Foto: Lengle/Gemeinde Illingen

Als die Feierlichkeiten zu 1250 Jahre Illingen anstanden, gab es einen Empfang, Veigel kam und suchte gemeinsam mit seiner Ehefrau vergeblich seinen Platz in der ersten Reihe, der ihm als Ehrenbürger und jahrzehntelanger Schultes nicht nur seiner Meinung nach zugestanden hätte. Doch reserviert war nichts in vorderster Front. Als die Veigels Eiberger darauf aufmerksam machten und sagten, man müsse dann eben gehen, wenn man nicht in der ersten Reihe sitzen dürfe, habe dieser geantwortet, dann sei es halt so. Und die Veigels gingen.

Kandidatur mit Rückenwind der Familie

Man hat Eiberger, der nun bekanntgegeben hat, dass er sich Anfang Juli erneut zur Wahl stellen wird, vieles vorgeworfen in den vergangenen Jahren. Dass er ein Blatt vor den Mund nimmt, gehört nicht dazu. Zumindest dann, wenn er mit einem redet – was allerdings nicht immer der Fall ist.

Eiberger ist in den vergangenen Jahren noch vorsichtiger geworden, als er es ohnehin schon immer war. Selbst jetzt, als er seine erneute Kandidatur verkündete, hat er dies mit ein paar wenigen Sätzen getan, in denen mehr oder weniger nur stand, dass er wieder seinen Hut in den Ring wirft, um am 4. Juli wiedergewählt zu werden. Und er bedankte sich bei jenen, die seine Familie und ihn „auch in stürmischen Zeiten unterstützt haben“.

Nicht ohne Kontroverse

So manchen Sturm hat Eiberger allerdings durchaus selbst entfacht. Wer sich umhört im Ort und vor allem auch in den Reihen des Gemeinderats, der erfährt, dass Eiberger zwar als Fachmann geschätzt wird, der es geschafft hat, dass der Ort – gerade im Vergleich mit ähnlich großen Kommunen – sehr gut dasteht. Man hört aber auch, dass Eiberger gewaltige Probleme habe, sobald es ums Zwischenmenschliche gehe. Nicht nur sein Vorgänger Veigel oder auch der langjährige Bürgermeisterstellvertreter und CDU-Landtagsabgeordnete Winfried Scheuermann haben Eiberger diesbezüglich immer wieder kritisiert. Auch die aktuellen Fraktionschefs im Gemeinderat wünschen sich eine deutlich verbesserte Kommunikation (siehe Kasten).

Dass Eiberger vorsichtig ist, liegt aber auch an unschönen Erfahrungen aus der Vergangenheit: Nicht nur er, sondern auch seine Familie sah sich teils mit persönlichen Anfeindungen konfrontiert, was Eiberger zuletzt in seiner Rede zur Haushaltseinbringung ausführte (die PZ berichtete). Aus diesem Grund habe er beschlossen, seine Familie künftig „ganz privat zu halten“, sagt der 49-Jährige. Seine Frau und die Kinder hätten ihn allerdings beim Entschluss unterstützt, erneut in Illingen zu kandidieren.

Argumente für die Wiederwahl 

Dass er kommunikative Schwächen hat, sieht Eiberger übrigens keineswegs so: „Die Menschen in Illingen und Schützingen sind vollkommen in Ordnung und mit den meisten kann man sachlich diskutieren“, sagt der Amtsinhaber. Das Problem sei vielmehr, dass es einige gebe, die ständig etwas auszusetzen hätten und die Gemeinde schlechtredeten. „Man kann ja anderer Meinung sein, das ist nicht schlimm“, betont Eiberger. Aber eines müsse klar sein: „Der Bürgermeister vollzieht die Beschlüsse des Gemeinderates.“ Und diese Bilanz könne sich sehen lassen: „Ich behaupte nicht, alles perfekt gemacht zu haben, aber unser Erfolg spricht für sich“, sagt Eiberger.

Dazu gehöre unter anderem, dass Illingen seit 2014 schuldenfrei sei. Und das, obwohl kräftig in die Infrastruktur investiert wurde. Dies gilt sowohl für Schulen, Kindergärten wie auch für die Feuerwehr und Faktoren wie die Barrierefreiheit. Auch die Auswirkungen der Corona-Pandemie hat Illingen bislang deutlich besser verkraftet als manch andere Kommune. Ob dies so bleibt, ist aber unklar. Auch deshalb, sagt Eiberger, möchte er nun nicht von Bord gehen, sondern die Gemeinde weiter gestalten.

Ob ihn der Wähler lässt, entscheidet sich Anfang Juli. Seine Erfolgsaussichten beschreibt Eiberger gewohnt schwäbisch rustikal: „Eine Sau kann man schätzen, eine Wahl nicht.“

Autor: Maximilian Lutz und Ilona Prokoph