Ispringen
Enzkreis -  24.08.2018
Artikel teilen: Facebook Twitter Whatsapp
Anzeige

Boje-Projekt startet im Enzkreis: Anlaufstelle für junge Flüchtlinge

Enzkreis. Wie finde ich eine Wohnung? Welche Sprachkurse kann ich besuchen? Bekomme ich einen Zuschuss für eine Monatskarte für den Busverkehr? Welche Ausbildungsmöglichkeiten habe ich nach der Schule? Mit solchen Fragen von Jugendlichen, die geflüchtet sind oder einen Migrationshintergrund haben, beschäftigen sich Vera Müller und Monika Jerkovic im Rahmen des im Enzkreis angelaufenen Projektes „Beratung und Orientierung für Jugendliche und Einwanderer“ (kurz Boje).

Beratungsgespräch in entspannter Atmosphäre: Vera Müller informiert Ahmad Hboubati über seine Zukunftsperspektiven. Foto: Enzkreis
Beratungsgespräch in entspannter Atmosphäre: Vera Müller informiert Ahmad Hboubati über seine Zukunftsperspektiven. Foto: Enzkreis

Auch Jugendliche, bei denen mit Ende der Jugendhilfe auch das Ende des Aufenthalts in einer stationären Einrichtung bevorsteht, gehören zu ihrer Kundschaft. „Wir sind froh, dass wir mit dem Projekt das Angebot des Vorgängerprojektes Beam nicht nur fortführen, sondern erweitern konnten, beispielsweise auf die Begleitung von Jugendlichen, die als unbegleitete Minderjährige nach Deutschland geflohen sind. Die Förderung des Landes Baden-Württemberg war dabei ein wesentlicher Faktor“, freut sich die Sozialdezernentin des Enzkreises, Katja Kreeb. „Gerade in Jugendlichen schlummert viel Potenzial für Integration, das gefördert und aktiviert werden kann“, betont sie die Chancen. Bei Boje beantworten die beiden Sozialarbeiterinnen Vera Müller und Monika Jerkovic Fragen rund um den Lebensalltag, zeigen Jugendlichen schulische und berufliche Perspektiven auf und unterstützen sie bei der Suche nach Wohnung, Kursangeboten oder einem Ausbildungsplatz. Selbst in Sachen Gesundheitsförderung werden sie aktiv, wenn sie Jugendliche über Versicherungssystem und Vorsorge informieren und sie auf Themen von Impfung bis Zahnarzt-Prophylaxe aufmerksam machen.

Derzeit treibt die Jugendlichen vor allem das Thema Auszug in die eigenen vier Wände um. „Es gibt kaum bezahlbare Wohnungen“, weiß Müller. Deshalb rät sie selbst Auszubildenden mit eigenem Lohn häufig noch von einem Umzug ab oder warnt sie zumindest eindringlich vor den Kosten. „Die erste eigene Wohnung oder auch eine WG können schnell zur Schuldenfalle werden. Die wenigsten wissen wirklich, was damit auf sie zukommt. Hohe Nebenkosten, beispielsweise bei Nachtspeicherheizung oder bei einer schlechten Isolierung, Telefonkosten, GEZ-Gebühren, Versicherungen – aus 350 Euro wird da ganz schnell der doppelte Betrag.“ Im Lauf der Beratung werden Müller und ihre Kollegin Jerkovic auch schon einmal zur wichtigen Bezugs- und Vertrauensperson für ihr Gegenüber – und das nicht nur bei Jugendlichen, die ohne Eltern oder Familie nach Deutschland geflohen sind. „Hier ist es anders als bei der Sozialberaterin oder auf der Behörde. Hier fühle ich mich zu Hause“, erklärt Ahmad Hboubati. Er jedenfalls ist froh, dass es das Projekt Boje gibt, an das er sich wenden konnte, als er nach dem Besuch einer Klasse für Jugendliche ohne Deutschkenntnisse einen Ausbildungsplatz gesucht hat.

Anzeige

Autor: enz