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Enzkreis -  11.04.2019
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„Impfquote der Region könnte besser sein“ – sagt der oberste Experte fürs Impfen in Deutschland

Enzkreis/Pforzheim. Die Masern sind ein gefährlicher Feind, der laut Weltgesundheitsorganisation WHO in Ländern wie Deutschland längst besiegt sein sollte. Ist er aber nicht. Maserninfektionen gibt es immer wieder – 2015 zum Beispiel auch im Enzkreis.

Symbolbild dpa
Symbolbild dpa

Aktuell hat es bundesweit bis April schon doppelt so viele Ansteckungen gegeben, wie sie Experten für ein ganzes Jahr tragbar halten. Prompt hat das Bundesgesundheitsministerium eine Debatte über eine Impfpflicht angestoßen.

Im Landratsamt Enzkreis quittiert das am Mittwoch Deutschlands oberster Impfexperte mit einem Schmunzeln. Professor Dr. Thomas Mertens ist Vorsitzender der Ständigen Impfkommission (STIKO), entscheidend für die bundesweiten Empfehlungen und Kalender beim Kampf gegen Infektionskrankheiten. Aus der „rein politischen“ Debatte halte er sich als STIKO-Vorsitzender heraus, persönlich fürchte er, dass Zwang den wenigen harten Impfgegnern eine Plattform bieten würde. Was ihn dennoch freut, ist, dass über das Thema überhaupt intensiv geredet werde. Schließlich teilt er mit Dr. Brigitte Joggerst, der Leiterin des Gesundheitsamts Enzkreis-Pforzheim die Überzeugung, dass für die Lebenserwartung der Menschen Impfungen und Hygiene viel wichtiger sind als spektakuläre Operationsmethoden. Umso mehr mahnte Mertens, dass gerade auch die Impfquoten gegen Masern bei Schülern im Enzkreis (knapp über 80 Prozent) und in Pforzheim (rund 86 Prozent) nicht gut seien.

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Zum Auftakt der Europäischen Impfwoche hatte Joggerst Mertens eingeladen, um Fragen rund um das auch ihr so wichtige Thema zu beantworten. Selten treffe er dabei auf völlige Ablehnung, so der Epidemiologe und Mikrobiologe. Eher gelte es Sorgen um Nebenwirkungen und Belastungen vor allem von Eltern kleiner Kinder auszuräumen, meint Mertens. Da habe sich trotz teils lautstarker Ablehnung im Internet gesellschaftlich wenig geändert. Die Grundsatzkritik sei nicht verbreiteter als früher, nur lauter. Allerdings legen die STIKO-Experten vor jedem ihrer Treffen Erklärungen ab, dass sie keine Einkünfte etwa von Pharma-Unternehmen beziehen. Auch eine Reaktion auf Verdächtigungen.

Landrat Bastian Rosenau, selbst vierfacher Vater, nutzte schon vor der öffentlichen Veranstaltung die Chance, den Experten über Gründe für Mehrfachimpfungen zu befragen. Das Gesundheitsamt setzt auf solche Informationen, um die Impfbereitschaft zu steigern. Ziel bei Masern sei eine Quote von 95 Prozent, so Sylvia Renkert. Nur dann seien alle sicher – auch die Nichtgeimpften.

Autor: Alexander Heilemann