Kämpfelbach
Kämpfelbach -  23.07.2026
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900.000-Euro-Projekt in Ersingen: Warum das Bürgerhaus einen neuen Turm bekommen hat

Kämpfelbach. Nein, Raketen sind noch keine gestartet. Und das wird sich auch nicht ändern. Denn auch, wenn der Turm neben dem Ersinger Bürgerhaus wegen seines Aussehens während der Fasnet humorvoll als „Cape Canaveral“ bezeichnet wurde, ist seine eigentliche Funktion eine ganz andere.

Neben dem Ersinger Bürgerhaus ist ein großer Turm entstanden mit zweitemRettungsweg und barrierefreiem Zugang über den integrierten Aufzug.
Neben dem Ersinger Bürgerhaus ist ein großer Turm entstanden mit zweitemRettungsweg und barrierefreiem Zugang über den integrierten Aufzug. Foto: Nico Roller

Die Gemeinde Kämpfelbach hat ihn gebaut, um den dringend benötigten zweiten Fluchtweg zu schaffen und über den integrierten Aufzug einen barrierefreien Zugang zu ermöglichen. Rechnet man die Umbauarbeiten im Inneren des Gebäudes dazu, kostet das Gesamtprojekt rund 900.000 Euro. „Ich glaube, das ist uns ganz gut gelungen“, sagt Bürgermeister Thomas Maag, der von einer „deutlichen Verbesserung und Aufwertung“ spricht. Dabei hat man sich laut Maag „am erforderlichen Mindestbedarf“ orientiert.

„Demografischer Wandel“

Dass dazu auch ein Aufzug gehört, begründet er mit dem demografischen Wandel, also einer immer älter werdenden Gesellschaft.

Aber Maag denkt auch an schwere Musikinstrumente und an Exponate für das Heimatmuseum, die künftig nicht mehr durch das Treppenhaus geschleppt werden müssen. Damit sich der Turm besser in die Umgebung einfügt, sollen die Außenseiten noch begrünt werden. Architektin Christiane Geiger hat das zwölf Meter hohe Bauwerk bewusst zurückhaltend gestaltet, auch farblich. Sie sieht darin ein „kleines Pendant zum Kirchturm“, das allerdings in der Wahrnehmung untergeordnet sein soll.

Im Bereich zwischen Bürgerhaus und Kirchenmauer hat man den Boden durch Anheben so gestaltet, dass ein barrierefreies Erreichen sowohl des Haupteingangs als auch des Aufzugs möglich ist. Sitzgelegenheiten befinden sich dort ebenso wie eine neue, vom Bauhof errichtete Konstruktion, die neben dem Bücherschrank auch eine Möglichkeit zum Verstauen der Mülleimer bereithält. Der Heimatstein wurde so positioniert, dass er gleichzeitig als Absturzsicherung dient. Auf der angrenzenden Grünfläche ist ein Verbindungweg zur Kirchentreppe entstanden. Maag spricht mit Blick auf das neue Außengelände auch deshalb von einer „Win-Win-Situation“, weil sich dort künftig auch Empfänge realisieren lassen, etwa nach einer Hochzeit im Trauzimmer.

Um Kosten zu sparen, hat man den Turm laut Maag so nah wie möglich ans Gebäude gerückt. Der Schultes erklärt, dass es aus statischer Sicht noch dichter ginge, doch verhindert dies der Brandschutz wegen „gewisser Abstände“. So unterscheidet sich der realisierte Bau von der ursprünglichen Planung.

Die letztliche Umsetzung sorgt für Kosten, die aktuell auf rund 1,1 Millionen Euro geschätzt werden. Maag weiß, dass das Projekt nicht nur auf Gegenliebe gestoßen ist, dass es auch andere Vorschläge gab. Doch nach Abwägung aller sachlichen und fachlichen Argumente hat man aus seiner Sicht „die richtige Lösung gefunden“.

Dringender Handlungsbedarf

„Das mag jetzt gefallen oder nicht“, sagt der Rathauschef: „Aber die Alternative wäre gewesen, dass das Haus dicht ist.“ Denn das Landratsamt hatte die Nutzung des Bürgerhauses wegen Brandschutzmängeln bereits erheblich eingeschränkt.

Über Monate waren einige Bereiche gar nicht mehr, andere nur mit einer maximalen Personenzahl nutzbar. Das ist inzwischen vorbei, auch dank der umfangreichen Umbauarbeiten im Inneren des Gebäudes. Der Einbau neuer Türen zum Treppenhaus gehört ebenso dazu wie das Schaffen eines neuen Schranks für die Elektroinfrastruktur. Im ersten Obergeschoss sorgen alarmgesicherte Durchgangstüren zwischen den Räumen dafür, dass der Zugang zum zweiten Rettungsweg immer möglich ist. Damit vom Treppenhaus ein neuer Flur zum Turm gebaut werden konnte, waren umfangreiche Umstrukturierungen in den Räumlichkeiten der Vereine nötig. „Wir hatten da eine sehr gute Kooperation“, sagt Maag, der dabei vor allem an den Schachclub und die DLRG denkt.

Ein neu geschaffener Mehrzweckraum kann künftig stundenweise für Vereine und Vermietungen zur Verfügung gestellt werden, ebenso der Bürgersaal, der nicht mehr für Ratssitzungen genutzt wird. Auch der Sängerkeller kann gemietet werden, wenn dort keine Veranstaltungen stattfinden. Um dort den Brandschutz zu verbessern, hat man unter anderem optische und akustische Rauchmeldeanlagen installiert, die Türen ertüchtigt und das Foyer von brennbaren Materialien befreit.