Kämpfelbach
Kämpfelbach -  21.07.2026
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Einbahnstraße in Ersingen? Verkehrsversuch soll Nadelöhr entlasten

In den Stoßzeiten wird es eng, sehr eng. Sowohl die Lange Straße als auch die parallel verlaufende Pforzheimer Straße gelten in Ersingen als Nadelöhr, durch das sich Tag für Tag unzählige Autos, Lastwagen und Fahrräder quälen. Wenn über eine mögliche Lösung gesprochen wird, fällt schon seit etlichen Jahren immer wieder ein Wort: Einbahnstraße. Und die könnte jetzt in Form eines Verkehrsversuchs, der schon im Lauf des kommenden Jahres startet, Realität werden.

Die Lange Straße in Ersingen ist gerade zu den Stoßzeiten stark befahren.Kommendes Jahr soll sie zur Einbahnstraße werden.
Die Lange Straße in Ersingen ist gerade zu den Stoßzeiten stark befahren.Kommendes Jahr soll sie zur Einbahnstraße werden. Foto: Nico Roller

Nicht nur hat der Kämpfelbacher Gemeinderat diesem am Montagabend mit großer Mehrheit zugestimmt, sondern auch dem gesamten Mobilitätskonzept, das noch zahlreiche weitere Maßnahmen vorsieht. Darunter Leuchtturmprojekte wie Fahrradstraßen und Regelungen für mehr Ordnung unter den parkenden Autos.

„Das wäre ein Novum, wenn wir das so hinbekommen“, sagt Planer Frank Gericke, der das Konzept mit seinem Büro Modus Consult erstellt hat und durch die Einbahnstraßen-Regelung mehr Platz und Sicherheitsraum schaffen will, vor allem für Radfahrer. Funktionieren soll sie „entgegen dem Uhrzeigersinn“. Denn die vorgenommenen Verkehrszählungen zeigen ihm zufolge, dass die meisten Fahrer die beiden Straßen ohnehin schon so nutzen. Radfahrer sollen allerdings in beide Richtungen fahren dürfen. Der Planer könnte sich vorstellen, einen kombinierten Gehweg für Radfahrer und Fußgänger zu realisieren oder die Radfahrer über die Straße zu führen.

Zunächst wäre ein Verkehrsversuch laut Andrea Wexel vom Amt für nachhaltige Mobilität auf ein halbes Jahr befristet, allerdings mit der Option, früher die Reißleine zu ziehen, falls unerwartete Probleme auftreten. Umgekehrt gäbe es auch die Möglichkeit einer Verlängerung, falls der Zeitraum nicht reichen sollte, um die erforderlichen Erkenntnisse zu gewinnen. Im Gemeinderat gibt es Lob für das Mobilitätskonzept. „Wir sollten das in Angriff nehmen“, sagt Gaby Hunter (FWV). Aber es wird auch Kritik laut. Etwa von Klaus Störzenecker (CDU), der den Planer fragt, ob er es sinnvoll finde, dass der Lieferverkehr sich künftig den Radfahrern unterordnen müsse und dadurch länger unterwegs sei. Störzenecker geht davon aus, dass die Einbahnstraßen-Regelung „für viel mehr Verkehr“ im Ort sorgt. Dem widerspricht Gericke ebenso wie Bernd Brenks Befürchtung aus CDU-Reihen, dass künftig noch mehr auf den Straßen geparkt werden könnte. Aus Sicht des Planers ist das zumindest in der Pforzheimer Straße an vielen Stellen eigentlich schon jetzt nicht erlaubt, weil sie zu schmal sei. Gericke verspricht, die Anwohner und Gewerbetreibenden einzubeziehen.

Ein Punkt, auf den Simon Vielsack (CDU) großen Wert legt. Er betreibt eine Metzgerei an der Langen Straße und hat Angst, dass er Kunden verlieren könnte, wenn sie nicht mehr regelmäßig bei ihm vorbeifahren. Gericke dagegen glaubt, dass sich Kunden freuen, wenn sie leichter einen Parkplatz finden und weniger Verkehr herrscht. Jasmin Heckmann (SPD) legt Wert darauf, dass landwirtschaftliche Fahrzeuge trotz der neuen Regelung noch die Eisinger Straße erreichen können, ohne einmal durch ganz Ersingen fahren zu müssen.

Für Bürgermeister Thomas Maag steht fest, dass die Einbahnstraße „nicht die eierlegende Wollmilchsau“ ist. Gleichwohl sieht er darin „eine großartige Geschichte“. Maag hält es für notwendig, das Mobilitätskonzept mit „Sinn, Verstand und Prioritäten“ anzugehen, vor allem mit Blick auf die knappen Finanzen und zahlreichen Baustellen abseits des Verkehrs.