Kämpfelbach
Kämpfelbach -  04.04.2021
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„Er war ein außergewöhnlicher Mann“ - Ersingen trauert um Gregor Schaier

Kämpfelbach-Ersingen. „Er war ein außergewöhnlicher Mann“, sagt Joachim Schaier über seinen verstorbenen Vater Gregor Schaier. Der Ersinger wäre am 1. April 99 Jahre alt geworden. Dazu kam es nicht mehr. Zwei Tage vor seinem Geburtstag ist der Mann, den man meist mit seiner Drehorgel antraf, friedlich in seinem Bett eingeschlafen und nicht mehr aufgewacht, erzählt sein Sohn.

Gregor Schaier hat das Bundesverdienstkreuz stets voller Stolz getragen. Foto: Meyer
Gregor Schaier hat das Bundesverdienstkreuz stets voller Stolz getragen. Foto: Meyer

Das Leben des Ersingers war alles andere als langweilig. Noch im hohen Alter radelte er mit seinem Fahrrad von Ersingen nach Pforzheim. Er sammelte sein Leben lang Spenden für Wohltätigkeitsorganisationen, etwa für die Deutsche Krebshilfe. Er schaffte es, insgesamt 90.000 Euro für den guten Zweck zu überreichen. Mit seiner Drehorgel unterhielt er die Menschen stundenlang – auch im hohen Alter.

„Man kann sagen, er hat ein erfolgreiches Leben geführt“, sagt Joachim Schaier.

Gregor Schaiers Einsatz bei der Sammlung von Spenden brachte ihm 2006 das Bundesverdienstkreuz und eine Einladung durch den ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff ein. Als der damals 95-jährige Schaier bei „Willkommen bei Carmen Nebel“ zu Gast war, verließ er die ZDF-Gala in Hannover erst um zwei Uhr in der Nacht. Zum Abschied gab er der Moderatorin auch noch einen Kuss auf die Wange.

Als Juwelen-Goldschmied wurde Gregor Schaier mit Mitte 20 in die Wehrmacht eingezogen. Nach dreijähriger russischer Inhaftierung und dem Ende des Krieges, kehrte er 1945 in die Heimat zurück. Er begann ein Haus in Ersingen zu bauen und gründete mit seiner bereits 2013 verstorbenen Frau Gertrud Schaier eine Familie. 1980 begann sein wohlverdienter Ruhestand. Im selben Jahr packte ihn die Begeisterung für das Drehorgelspielen während eines Besuchs in Berlin. Er hinterlässt vier Söhne und eine Tochter, die nun um ihren Vater trauern. Die Beisetzung findet durch die Pandemie nicht so statt, wie Schaier es sich gewünscht hätte. „Er hatte alles vorbereitet“, so Joachim Schaier.

Die Beerdigung findet am Mittwoch, 7. April ab 15 Uhr unter Corona-Bedingungen auf dem Friedhof in Ersingen statt.

Autor: Mireya Lemke