Maria Beckmann aus Bilfingen wird 100 Jahre alt: „Ich habe alles gehabt im Leben“
Kämpfelbach. Beim Sprechen funkeln die Augen, von Anfang an und die ganze Zeit. Die Lebensfreude ist Maria Beckmann nicht nur anzusehen, sondern auch anzuhören, bei jedem Wort. Dass sie am heutigen Freitag ihren 100. Geburtstag feiern darf, erfüllt sie mit großer Dankbarkeit.
„Ich habe alles gehabt im Leben“, sagt die Bilfingerin, die rundum zufrieden ist: „Beschweren kann ich mich wirklich nicht.“ Ihre Familie hat herausgefunden, dass sie aktuell die älteste Bürgerin der Gemeinde Kämpfelbach ist. Im Ort kennt man Beckmann, vor allem unter dem Namen „Mietze“ und durch ihre Auftritte bei der Bilfinger Fasnet. Ursprünglich kommt sie aus Herne im Ruhrgebiet. Dort hat sie während des Zweiten Weltkriegs anderthalb Jahre als Telefonistin gearbeitet – und dabei ihren Mann kennengelernt, der damals bei den Fallschirmjägern für den Telefondienst verantwortlich war. Fast täglich haben sie von Berufs wegen miteinander gesprochen, später schickten sie sich Briefe, die Beckmann bis heute aufbewahrt hat.
Gesehen haben sie einander erst, als er nach dem Krieg auf einmal vor dem Bügelgeschäft stand, das ihre Eltern damals in Herne hatten. Beckmann weiß es noch genau. „Schon bei seinem ersten Besuch hat es direkt gefunkt.“ An ihrem 20. Geburtstag wurde Verlobung gefeiert, drei Monate später geheiratet. Nach der Hochzeit ging es in den Südwesten, nach Bilfingen, in das Haus, in dem ihr Mann damals schon wohnte. Drei Kinder kamen auf die Welt. Inzwischen gehören zur Familie drei Enkelkinder und ein aufgeweckter Urenkel, der gern viel Zeit mit seiner Uroma verbringt. „Ich habe eine tolle Familie“, sagt Beckmann: „Alle kommen und gucken nach mir.“ In Bilfingen fühlt sie sich nach wie vor wohl, auch wegen der intakten Dorfgemeinschaft.
Früher hat Beckmann als Filialleiterin in einer inzwischen nicht mehr existierenden Handelskette namens Co op gearbeitet: zunächst zehn Jahre in Bilfingen, anschließend genauso lang im Nachbarort Ersingen. Im Dorf kennt man die „Mietze“, auch wegen ihrer Auftritte beim Fasching. Dem Fasching blieb sie bis ins hohe Alter treu. Noch in diesem Frühjahr, mit 99 Jahren, stand sie bei einem Sketch über das neue Seniorenheim auf der Bühne. Auch sonst ist die Jubilarin noch äußerst rührig. Jeden Morgen, kurz vor acht, liest sie die Pforzheimer Zeitung, zuerst den Lokalteil mit den Neuigkeiten aus Bilfingen. Die Kreuzworträtsel halten sie im Kopf fit. Mit 85 war sie noch mit ihrer Enkelin Melissa Maier-Laub zwei Wochen in Brasilien, mit 99 noch mit der Familie auf Fuerteventura. Nach der Geburtstagsfeier in einem Bilfinger Lokal soll es für ein paar Tage an den Bodensee gehen.
