Millionenprojekt belastet Kämpfelbacher Etat: Deutliches Plädoyer für das neue Feuerwehrhaus
Kämpfelbach. Die Worte sind deutlich, die Appelle eindringlich. Nicht bei allen, aber bei den meisten der Redner, die nacheinander das Mikrofon in die Hand nehmen. Zwei Stunden geht es um das neue gemeinsame Feuerwehrhaus, das dereinst beim Kreisverkehr am Ortsausgang von Bilfingen errichtet werden soll – nur rund 400 Meter entfernt von der historischen Weinbrennerkelter, in die die Gemeindeverwaltung am Montag zu einer Bürgerversammlung geladen hatte.
Zieht man die anwesenden Mitglieder des Gemeinderats und der Feuerwehr ab, sind gut zwei Dutzend Einwohner gekommen, um die Vorträge der Experten und die Fragerunde zu verfolgen. Der Kreisbrandmeister Carsten Sorg lässt keinen Zweifel daran, dass es für ihn keine Alternative zu einem Neubau gibt. An den beiden bestehenden Standorten in Ersingen und Bilfingen sieht er allein schon deshalb kein Entwicklungspotenzial mehr, weil sich die Unterteilung zwischen der im Einsatz getragenen, unter Umständen kontaminierten Kleidung und der sauberen Privatkleidung räumlich nicht realisieren lässt. Dass es in den Umkleiden keine Trennung zwischen den Geschlechtern gibt, ist für ihn „ein absolutes No-Go“. Räume für die Jugendfeuerwehr fehlen ebenso wie Duschen, ausreichende Lagerflächen und geeignete Parkplätze für die Einsatzkräfte.
Sorg spricht von „untragbaren Zuständen“ und von erheblichen Sicherheitsrisiken, auch mit Blick auf die Spinde, die aus Platzmangel in der Fahrzeughalle stehen müssen. Für ihn gehören die bestehenden Häuser zu „den schlechtesten Feuerwehr-Infrastrukturen im ganzen Enzkreis“ – mit Ersingen auf dem ersten Platz. Dass für den Neubau zehn Millionen Euro veranschlagt werden, hält er mit Blick auf vergleichbare Objekte in Kreis und Land für einen „völlig realistischen Ansatzpunkt“. Entstehen würde aus seiner Sicht „kein Luxusobjekt, sondern ein zweckmäßiges Gebäude“. Sorg betont, dass Politik für das Ehrenamt verlässlich sein müsse. „Diese Verlässlichkeit lassen Teile des Gemeinderats vermissen.“
Obwohl er es nicht explizit sagt, ist offensichtlich, dass er damit die CDU-Fraktion meint. Zumal deren Sprecher Lothar Hein sich anschließend zu Wort meldet und betont, was er schon oft betont hatte. Nämlich, dass seine Fraktion voll und ganz hinter dem neuen Feuerwehrhaus stehe. „Wir sind nur gegen die hohen Kosten“, sagt Hein. Vor allem mit Blick auf die angespannte Haushaltslage, die künftig kaum Spielräume lassen dürfte. Kritik an der CDU-Fraktion üben früher am Abend auch Kameraden der Feuerwehr, die das Projekt in einem eigens dafür eingerichteten Arbeitskreis begleiten.
Aus ihrer Sicht haben die Stellungnahmen der CDU-Fraktion Fragen aufgeworfen und für Unsicherheit gesorgt, sowohl in der Wehr als auch in der Öffentlichkeit. Für den Arbeitskreis steht fest, dass die aktuellen Feuerwehrhäuser den Anforderungen an einen sicheren Feuerwehrdienst „in wesentlichen Punkten nicht gerecht“ werden. So steht es in einem Bericht der Unfallkasse Baden-Württemberg, die die Gebäude besichtigt hat. In der Bürgerversammlung ist die Rede von „eklatanten Abweichungen zu den geltenden Vorschriften“ und von Feststellungen, die einen deutlichen Handlungsbedarf mit Blick auf Sicherheit zeigen.
