Kämpfelbach
Kämpfelbach -  13.06.2021
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Neue Fische braucht der Bach: Ehrenamtliche setzen Tausende Forellen aus

Kämpfelbach/Königsbach-Stein. Wenn das weiße Auto vorfährt, dann muss alles ganz schnell gehen. Denn Harry Faaß und seine Kollegen transportieren eine sehr empfindliche Fracht: Fische, genauer gesagt Forellen. Tausende dürften es sein, die sich in einem großen, grünen Behälter auf der Ladefläche des Geländewagens befinden.

Die Jugend hilft mit: In den Kämpfelbach bei Ersingen setzt Ronja (17) die Forellen aus. Bachpaten-Leiter Harry Faaß hat alles im Blick. Foto: Roller
Die Jugend hilft mit: In den Kämpfelbach bei Ersingen setzt Ronja (17) die Forellen aus. Bachpaten-Leiter Harry Faaß hat alles im Blick. Foto: Roller

An vier Stellen werden Faaß und seine Kollegen sie im Kämpfel- und Bruchbach aussetzen. Ein gutes Dutzend Ehrenamtliche hilft mit, darunter auch Kinder und Jugendliche. Faaß leitet die Bachpatengruppe Kämpfelbach, die zum Anglerverein Karlsruhe gehört. Von dort kommen auch die jungen Forellen, die behandelt werden müssen wie rohe Eier: Die ganze Zeit läuft brummend ein Kompressor, der Luft in das Wasser pumpt, damit die Sauerstoffversorgung der Fische im Behälter immer gesichert ist. „Forellen sind da sehr empfindlich“, sagt Faaß. Damit das Wasser nicht zu warm wird, haben er und seine Kollegen gefrorene Wasserflaschen hineingelegt. Die Fische müssen lebend in den Bach. Faaß füllt in einen gelben Eimer zuerst ein paar Liter Wasser aus dem Behälter. Dann fischt er mit dem Kescher die kleinen Forellen heraus. Ronja (17) nimmt den Eimer entgegen und hält ihn vorsichtig in den Kämpfelbach. Langsam schwenkt sie ihn hin und her, damit sich das Wasser des Bachs mit dem im Eimer vermischt. „Die Fische müssen sich akklimatisieren“, erklärt Faaß. Schließlich ist das Wasser im Behälter ein anderes als das im Bach.

Faaß und seine Kollegen setzen die Fische an vier Stellen aus. Zwei liegen auf Kämpfelbacher Gemarkung am gleichnamigen Gewässer, zwei in Stein am Bruchbach. Am Oberlauf werden die Fische in die Freiheit entlassen, damit sie sich treiben lassen können. „Runter gehen sie von allein.“ Kämpfel- und Bruchbach sind Forellengewässer. Zwar gibt es dort auch noch andere Fischarten wie Elritzen und Stichlinge, aber bei den Forellen handelt es sich um den sogenannten Leitfisch.

Die Arbeit der Bachpaten ist notwendig, weil die Bedingungen vor Ort für eine selbstständige Vermehrung der Fische nicht überall optimal sind. „Wir müssen die Natur da ein bisschen unterstützen“, sagt Faaß und verweist auf die lehmigen Böden.

Probleme mit Lehmböden

Sie sind das Hauptproblem, denn bei Starkregen tragen sie Sedimente in die Gewässer ein. Sie bedecken dann die Eier und schneiden sie von der Sauerstoffzufuhr ab. Damit die Forellen nach dem Aussetzen überleben können, muss das Wasser sauber sein, ohne zu viel Schlamm. Eine hohe Fließgeschwindigkeit sorgt dafür, dass ausreichend Sauerstoff ins Wasser kommt, der bei niedrigeren Temperaturen besser gebunden wird.

Forellen ernähren sich von Kleintieren, von Insekten und deren Larven. Auch kleinere Fische stehen auf dem Speiseplan. Dazu stellen sie sich in die Strömung, möglichst immer in demselben Bereich, den sie auch gegen andere Fische verteidigen. „Die wissen ganz genau, wo sie satt werden“, sagt Faaß.

Er und seine Kollegen haben die jungen Forellen in Knielingen geholt, wo der Anglerverein ein eigenes Bruthaus betreibt. Dort werden im Januar die befruchteten Fischeier im sogenannten Augenpunktstadium angeliefert und anschließend aufgezogen.

Autor: Nico Roller