Keltern -  29.05.2026
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Ein Jahr nach Leichenfund im Ranntal: Sonderkommission „Sumpf“ inzwischen aufgelöst

Keltern. Es ist heiß, sobald man aus dem Schatten der Bäume im Ranntal hinaustritt. Halb unter einem Blätterdach, halb in der Sonne liegt der einstige Angelteich. Nichts erinnert daran, dass genau hier vor genau einem Jahr Ausflügler eine grausige Entdeckung gemacht haben – nämlich dass in einem gut verpackten Paket, das andere Spaziergänger in den Monaten zuvor für Müll gehalten hatten, ein toter Mensch steckt.

Der einstige Angelteich im Ranntal, in dem vor einem Jahr der Leichnam von Igor Tereshchenko aus Baden-Baden gefunden wurde: Heute erinnert nichts mehr daran, es gibt kein Gedenken für das Opfer, von dem kein persönlicher Bezug nach Keltern bekannt ist. Und auch um die Ermittlungen ist es ruhig geworden.
Der einstige Angelteich im Ranntal, in dem vor einem Jahr der Leichnam von Igor Tereshchenko aus Baden-Baden gefunden wurde: Heute erinnert nichts mehr daran, es gibt kein Gedenken für das Opfer, von dem kein persönlicher Bezug nach Keltern bekannt ist. Und auch um die Ermittlungen ist es ruhig geworden. Foto: Röhr

Kurz darauf stellt sich heraus, dass er der seit Januar 2025 vermisste Igor Tereshchenko ist, ein Mann ohne Bezug zu Keltern. Auch diejenigen, die ihn getötet haben, sucht die Polizei weit weg vom Enzkreis. So ist der stille See, der wenige Meter entfernt von dem bei Wanderern oder Radfahrern beliebten Weg durchs Ranntal liegt, ein Sinnbild für die Ruhe, die im Fall Igor T. eingekehrt.

Das war vor einem Jahr ganz anders. Auch damals, an Christi Himmelfahrt 2025, ist es heiß. Durch den Feiertag ist allerdings viel los im Ranntal. Viele Menschen zieht es nach draußen ins Grüne. Die Entdeckung im Teich ist damals ein Schock für die Gemeinde Keltern. Das ändert sich nach den ersten schnellen Erkenntnissen der Ermittler, die den Fokus auf Baden-Baden richten, wo Tereshchenko am Morgen des 25. Januar das Haus seiner Familie „Beim Weißen Weg“ im Stadtteil Oosscheuern verlassen haben soll und verschwand. In Keltern ist der Fall bald raus aus den Köpfen der Menschen. Weil es keine persönlichen Bezüge zu dem Opfer gegeben habe und niemand Angst habe, dass der oder die Täter etwas mit der Enzkreis-Gemeinde zu tun haben könnten, sagen Kelterner. Bürgermeister Steffen Bochinger bestätigt das. Kurz sei die Erinnerung aufgeflackert, als Ende Februar im nahen Neuenbürg ebenfalls ein Toter entdeckt worden war. Doch die Fälle unterscheiden sich deutlich, was die Betroffenheit vor Ort anbelangt. Im Neuenbürger Fall sitzt ein Verdächtiger aus der Stadt in Untersuchungshaft.

Das ist im Fall von Igor Tereshchenko nicht so. Seit Monaten heißt es aus Baden-Baden kurz und knapp, die Ermittlungen würden andauern. Trotz früher erfolgversprechender Ansätze im Juni 2025. Übernommen haben früh das Polizeipräsidium Offenburg und die Staatsanwaltschaft Baden-Baden, weil die Ermittler davon ausgehen, dass das Opfer in deren Bereich getötet worden ist. Das bestätigt Susanne Strebovsky als Pressesprecherin der Staatsanwaltschaft auf Anfrage. Einen neuen Stand aber gibt es nicht zu berichten. Eigentlich nicht mehr seit Ende Juni des Vorjahrs, als im Wohnumfeld des Opfers mehrere Wohnungen durchsucht worden waren.

Von einer „Vielzahl an Beweismitteln“ und „mehreren tatverdächtigen Personen“ sprachen Polizei und Staatsanwaltschaft damals. Doch erhärtet haben sich diese Verdachtsmomente seitdem offenkundig nicht. Und es ist auch schon wieder zehn Monate her, dass die Ermittler mit großen Zeugenaufrufen an die Öffentlichkeit gegangen sind, um mehr über private oder geschäftliche Kontakte des Opfers und sein persönliches Umfeld zu erfahren. Auch für die Wiesenplätze rings um den Teich im Ranntal hatte sich die Polizei interessiert – in der Hoffnung, es könnte jemand zwischen Ende Januar und Ende Mai 2025 Fahrzeuge bemerkt haben, mit denen der Getötete dorthin hätte transportiert werden können.

So wird jetzt ermittelt

Die Ermittlungen laufen mittlerweile in den ganz normalen Polizeistrukturen weiter. Die Sonderkommissionen, die für den Fall des Toten aus dem Ranntal gebildet worden waren, sind aufgelöst. Das bestätigen Strebovsky und für Pforzheim der Pressestellenleiter Benjamin Koch. Alleine in der dortigen Soko „Sumpf“ waren 26 Ermittler zusammengezogen worden. Wie groß solche Gruppen sind, hängt davon ab, wie vielen Spuren oder Hinweisen die Polizei in der Anfangsphase einer Ermittlung nachgehen muss. Wie lange die Arbeit in diesen Teams andauert, hängt davon ab, wie kompliziert ein Fall ist und ob es gelingt, schnell einen dringend Tatverdächtigen zu ermitteln. Die Ermittler der Soko „Sumpf“ sind längst wieder zurück in ihren Dienststellen. Dort wird auch weiter ermittelt, wenn sich in dem Fall etwas mit Bezug auf den Enzkreis ergibt. Und die beiden Hauptsachbearbeiter einer Soko, so Koch, behalten den Überblick bis zur Aufklärung.