Keltern -  08.05.2021
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Rutronik ist deutscher Basketball-Meister – Coach Christian Hergenröther im PZ-Interview

Kelter. Christian Hergenröther, Coach der Rutronik Stars Keltern, spricht mit PZ-Sportredakteur Dominique Jahn über seine Vertragsverlängerung bei den Bundesliga-Basketballerinnen und die Planungen für die neue Saison.

Geht vorneweg: Sterne-Kapitänin Emmanuella Mayombo lenkt das Spiel der Bundesliga-Basketballerinnen.
Geht vorneweg: Sterne-Kapitänin Emmanuella Mayombo lenkt das Spiel der Bundesliga-Basketballerinnen.

Acht Jahre bei einem Verein Trainer zu sein, ist eine lange Zeit. Warum funktioniert das im Basketball? Warum im Fußball weniger?

Acht Jahre sind auch im Basketball eine Ausnahme. Ich denke, in Keltern funktioniert es, da der Verein mit mir gewachsen ist. Ich habe hier ja nicht als Meistertrainer angefangen, der Verein auch nicht als Titelanwärter. Sondern Dirk Steidl hat den Verein langsam aufgebaut und ich habe mich sozusagen mit dem Verein an der Seitenlinie weiterentwickelt. Es war ein Prozess: Als Erstes der Aufstieg in die erste Liga. Hier wollte sich der Verein dann zunächst mal etablieren, danach um die Meisterschaft fighten und – das war auch für mich ein Highlight – international im EuroCup mitmischen. Das waren Ziele, die sich Stück für Stück auch mit meinen angeglichen haben. Es war also immer wieder eine Herausforderung für beiden Seiten – für den Club sowie auch für mich als Coach.

Sie haben bei den Sternen verlängert, gehen somit in die achte Saison mit Keltern. Was war ausschlaggebend für Ihre erneute Vertragsunterschrift?

Ich glaube, wir haben in Keltern über die Jahre hinweg eine vertrauensvolle Zusammenarbeit aufgebaut. Der Verein weiß, was er an mir hat und ich weiß, was ich am Verein habe. Darüber hinaus hat man viele Leute kennengelernt, das Umfeld ist stetig gewachsen. Ich war nie länger als acht Jahre bei einem Verein, in Ludwigsburg waren es sechs Jahre. In solch einer langen Zeit entstehen natürlich auch Beziehungen zu Leuten außerhalb vom Sport. In Keltern ist es das Gesamtpaket, bei dem ich sage, hier fühle ich mich sehr wohl.

Ganz spontan: Was war rückblickend der größte Moment in Ihrer bisherigen Trainerzeit bei den Sternen?

Es gab viele Momente, die ich nicht vergessen werde. Ins Gedächtnis eingeprägt hat sich vor allem der Sieg, genauer gesagt war es eine Niederlage im EuroCup gegen Castors Braine, mit der wir trotzdem eine Runde weitergekommen sind. Die Spiele dann in der Türkei waren ebenfalls eine tolle Erfahrung. Klar kann man das nicht mit einer Meisterschaft vergleichen, aber von den Emotionen her war das für mich ähnlich. Ich erinnere mich auch an die Play-off-Final-Niederlage in Herne. Wir hatten rund 100 Fans mit dabei – die Stimmung super. Das zeigt, dass sich auch in Keltern eine gewisse Fankultur über die Jahre entwickelt hat.

Der Verein gehört im Vergleich zu den anderen Clubs in der DBBL zu den etwas kleineren. Was macht die Rutronik Stars aus?

Wie heißt es doch so schön: Viele Köche verderben den Brei! Bei den Sternen erhält man natürlich auch viele Ratschläge von Leuten, doch am Ende des Tages gibt es nur sehr wenige Entscheider. So ist Dirk Steidl federführend für die organisatorischen Sachen zuständig, ich fürs Sportliche. Man besitzt also eine gewisse Freiheit, Dinge zu entscheiden. Das ist bei größeren Vereinen nicht immer der Fall.

Die Saison mit dem Gewinn der deutschen Meisterschaft am Ende ist nun seit rund zwei Wochen vorbei. Konnten Sie schon ein wenig herunterfahren?

Auf alle Fälle. Ich habe auch mal einen ganzen Tag geschlafen (lacht). An ausreichend Schlaf ist ja vor allem zwischen den Spielen in den Play-offs nicht zu denken. Da ist die Zeit vollgepackt mit Videostudium und Vorbereitung. In den vergangenen Tagen habe ich, so gut es ging, Gespräche mit den Spielerinnen geführt. Leider ist das in diesem Jahr etwas schwieriger als sonst. Vor einem Jahr konnten wir uns noch irgendwo in entspannter Atmosphäre treffen, jetzt trifft man sich mit einem Coffee-to-go vom Bäcker in der Halle und lässt noch einmal die Saison Revue passieren und spricht über die Zukunft.

Das Ziel in der neuen Saison kann ja eigentlich nur heißen: Titel verteidigen – sowohl im Pokal als auch in der Meisterschaft?

So einfach wird das aber nicht. Uns erwartet eine ganz andere Saison. Schon mit dem kleineren Kader werden wir nicht so talentiert sein, wie in der abgelaufenen Runde. Da dürfen wir uns nichts vormachen. So ein starkes Team wie in dieser Saison werden wir nicht toppen können. Aber vielleicht wird es uns gelingen, noch besser zusammenzuspielen und auch da wieder Optionen zu finden. Mal schauen.

Derzeit ist es allerdings verfrüht, Ziele festzulegen. Natürlich wollen wir wieder Titel gewinnen. Gerne würden wird auch wieder den EuroCup spielen.

Haben Sie eine Wunschspielerin für die neue Saison im Blick?

In der Corona-Zeit ist das schwierig. Unser Team würden wir natürlich gerne so behalten, doch das wird nicht machbar sein. Wir werden den Kader von zwölf auf zehn Spielerinnen reduzieren. Aus finanziellen Gründen können wir nicht noch einmal mit einem so großen Kader in die nächste Saison gehen. Wir werden so viele Spielerinnen wie möglich versuchen zu halten und dann die Puzzle-Teile ergänzen, die uns fehlen.

Im Sommer werden Sie Vater eines Jungen. Haben Sie schon einen Sterne-Strampler besorgt? Und wann werden Sie mit ihm zum ersten Mal einen Korbleger üben?

Die Strampler hat schon das Team besorgt. Wir sind eigentlich schon voll eingedeckt mit Klamotten. Schuhe hat er schon jetzt mehr daheim rumstehen als ich. Das ist verrückt (lacht). Basketball wird vorerst kein Thema sein. Meine Freundin (Melanie, Anm. d. Red.) ist begeisterte Hobby-Schwimmerin. Der Kleine wird also erstmal vorliebnehmen mit dem Babyschwimmen. Irgendwann werde ich ihm dann mal einen kleinen Basketballkorb ins Kinderzimmer stellen.

Was macht der Trainer Christian Hergenröther eigentlich in seiner Freizeit?

Bei mir dreht sich eigentlich 24 Stunden alles nur um Basketball. Wenn ich dann doch mal Zeit finde, schaue ich mir gerne Städte an, gehe raus in die Natur wandern oder gehe auch mal etwas Gutes essen. Leider ist das derzeit nicht möglich. Somit fällt es mir auch nicht schwer, einfach daheim auf dem Sofa abzuhängen und einen Film anzuschauen.