Wärmeplanung in Kieselbronn: Wärmepumpen statt Gas und Öl?
Kieselbronn. Kieselbronn. Die Nächte werden länger, die Tage kürzer, bald auch kälter. Der Herbst kommt – und mit ihm die Zeit, in der die Heizungen wieder für Wärme sorgen. 80 Prozent nutzen dafür in Kieselbronn aktuell fossile Brennstoffe, vor allem Gas und Öl. Wenn es nach der Landesregierung geht, soll sich das in Zukunft ändern, hin zu klimafreundlicheren Alternativen, die den Ausstoß von Kohlendioxid senken. Welche das sein könnten, soll den Gemeinden die kommunale Wärmeplanung zeigen.
In Kieselbronn hat man sie bereits auf den Weg gebracht – und inzwischen erste Zwischenergebnisse auf dem Tisch liegen, in Form einer Bestands- und Potenzialanalyse, die gewissermaßen der Startschuss für das weitere Verfahren sein soll.
So formuliert es Felix Kleiser, der die Gemeinde mit seinem Büro begleitet und die Wärmeplanung als einen „Ideenraum“ begreift, der zeigen soll, was theoretisch möglich wäre. Denn rechtlich bindend ist sie nicht. „Wir stehen noch ganz am Anfang“, sagt Kleiser, als er den Ratsmitgliedern die Zahlen für Kieselbronn vorstellt. Aus Tabellen und Grafiken geht unter anderem hervor, dass 83 Prozent der Gebäude dem privaten Wohnen dienen, dass knapp 79 Prozent des Wärmebedarfs mit fossilen Brennstoffen gedeckt werden und knapp 20 Prozent mit erneuerbaren Energien. Ein Wert, der laut Kleiser über dem anderer Kommunen liegt.
Aktuell dominieren in Kieselbronn die Öl- und Gaskessel den Heizungsbestand, doch das soll sich ändern. Kleiser hat sich die technischen Potenziale angeschaut und festgestellt, dass der Außenbereich mit vielen Restriktionen belastet ist, etwa mit Flora-Fauna-Habitat-, Natur- und Wasserschutzgebieten, die nicht mehr viele Flächen übriglassen, um Wärme zu erzeugen. Großes Potenzial sieht er daher in strombasierten Lösungen, etwa in Form von Wärmepumpen, Infrarot- oder Stromdirektheizungen. Kleiser denkt in diesem Zusammenhang an Windkraft und Photovoltaik-Anlagen, unter Umständen auch auf der freien Fläche. Zudem nennt er die Biomasse, also Energieträger wie Pellets und Hackschnitzel, die nicht zwangsläufig auf der eigenen Gemarkung hergestellt werden müssten. Nah- und Fernwärmenetze hält er dagegen für unwahrscheinlich, mit Ausnahme des Neubauvorhabens, das ein privater Investor im Reible am Ortsrand umsetzt.
Bei allem ist für Kleiser die Wirtschaftlichkeit der entscheidende Faktor. Nicht nur aus seiner Sicht bräuchte es für ein Nah- und Fernwärmenetz einen privaten Investor, der bereit wäre, sowohl den Bau als auch den Betrieb zu übernehmen, auf eigene Kosten und auf eigenes wirtschaftliches Risiko. „Wenn ein Externer kommt, können wir gern darüber reden“, sagt Bürgermeister Heiko Faber: „Aber die Gemeinde kann es nicht leisten.“ Aus Fabers Sicht braucht es für Nah- und Fernwärme die entsprechenden Erzeugungsstellen, etwa große Bauernhöfe mit Biogasanlagen oder Betriebe, die viel nutzbare Abwärme produzieren. Doch diese gibt es in Kieselbronn aktuell nicht. Zumal der Bürgermeister auch davon ausgeht, dass ein umfangreicher und entsprechend kostenintensiver Leitungsbau notwendig wäre.
Für Marco Wagner (SPD) ist die Gasversorgung „der größte Hebel“. Mit Blick auf die Restriktionen im Außenbereich sieht er dort wenig Potenzial. In Betracht kämen aus seiner Sicht nur landwirtschaftliche Flächen, die er allerdings nicht für Freiflächen-Photovoltaik nutzen will.
Der nächste Schritt ist das Aufzeigen eines Zielszenarios, bevor eine Strategie entwickelt wird. Die kommunale Wärmeplanung soll den Bürgern laut Kleiser keine fixen Ratschläge geben, sondern Potenziale und Alternativen aufzeigen. Die Entscheidung müssen letztlich die Eigentümer selbst treffen, individuell und bezogen auf das jeweilige Gebäude.
