Knittlingen
Knittlingen -  04.03.2026
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Sparpotenzial stößt an Grenzen: Knittlinger Etat ist auf Kante genäht

Knittlingen. Knittlingen. Der Haushaltsplan der Stadt Knittlingen hat sich in den vergangenen Jahren auch wegen der allgemein schwächelnden Wirtschaft zum äußerst sensiblen Konstrukt einwickelt. Im Vorjahr wurde der Fauststadt-Etat im ersten Anlauf – nach 2023 – sogar zum zweiten Mal von der Kommunalaufsicht des Enzkreises abgelehnt. Aber auch der Doppelhaushalt für die Jahre 2026 und 2027, den der Gemeinderat in der Sitzung am Dienstagabend gegen die Stimmen der AfD/UBK-Fraktion verabschiedet hat, ist finanziell auf Kante genäht.

Knittlingen Alte Festhalle Gesperrt
Wegen statischer Mängel ist die Knittlinger Festhalle seit September 2025 gesperrt. Den Abriss und einen Neubau mitFörderanträgen hat der Gemeinderat beschlossen. Doch die Kosten von rund sieben Millionen Euro belasten den Haushalt. Foto: Röhr

„Aktuell haben wir bundesweit mit der wahrscheinlich schwierigsten Finanzlage seit Bestehen der Bundesrepublik zu kämpfen“, betonte Knittlingens Bürgermeister Alexander Kozel im Vorfeld des Haushaltsbeschluss. Man müsse zwar durch den anhaltenden Sparzwang die ein oder andere Kröte schlucken, die Stadtverwaltung habe sich aber bemüht, bei notwendigen Steuer- und Gebührenerhöhungen nicht nur den Bürger zur Kasse zu bitten, sondern die Last gleichmäßig auch auf den Unternehmenssektor zu verteilen. Während andere Kommunen noch für eine gewisse Zeit von ihren Rücklagen zehren könnten, seien diese in Knittlingen aber bereits aufgebraucht. Die gesetzlich vorgeschriebene Mindestliquidität von rund 500.000 Euro erreiche man zwar knapp, „aber nur ein finanzieller Tiefschlag in diesem Jahr reicht, um das zu torpedieren“, machte Kozel deutlich.

Keine Kreditaufnahme 2026

Für das laufende Jahr plant die Fauststadt im Ergebnishaushalt mit rund 30,1 Millionen Euro an ordentlichen Erträgen und Aufwendungen von 30 Millionen Euro. Daraus ergibt sich ein geringfügiger Überschuss von 137.050 Euro. Kredite mussten keine aufgenommen werden, weil nicht genutzte Kontingente aus dem Vorjahr in Anspruch genommen werden können. 2027 rechnet man mit Erträgen von rund 29,1 Millionen Euro. Dem gegenüber stehen Aufwendungen von rund 29 Millionen Euro, was ein geringes Plus von 23.400 Euro ergeben würde.

Die Gesamtinvestitionen der Fauststadt liegen im laufenden Jahr bei rund 5,45 Millionen Euro. Wobei größere Beträge in die Restfinanzierung der Kita-Erweiterung in der Esselbachstraße, in den barrierefreien Umbau von Bushaltestellen oder in den Abriss beziehungsweise in die Vorplanung eines Ersatzbaus für die Knittlinger Festhalle fließen. 2027 ist ein Investitionsvolumen von zehn Millionen Euro geplant – allein 6,9 Millionen sind für den Ersatzbau der Festhalle veranschlagt, die wegen statischer Mängel im September 2025 gesperrt werden musste.

Hart geblieben sind die Knittlinger Ratsfraktionen in der jüngsten Sitzung derweil bei einem Änderungsantrag der Stadtverwaltung, die für den Haushaltsplan 2026/2027 beschlossenen Senkungen der Personalkosten in Höhe von 200.000 Euro rückgängig zu machen und als Kompensation dafür den Grundsteuerhebesatz von 230 auf 250 vom Hundert zu erhöhen. Bei nur zwei Ja-, elf Neinstimmen und einer Enthaltung wurde der Antrag deutlich abgelehnt. „Ich weiß nicht, wo wir beim städtischen Personal noch weiter einsparen sollen. Die Arbeitsbelastung ist speziell bei Krankheitsfällen ohnehin schon sehr groß“, schilderte Bürgermeister Kozel die Situation und kündigte an, dass weitere Stellenkürzungen unweigerlich zum „Leistungsabbau“ führen würden.