Königsbach-Stein
Königsbach-Stein -  16.09.2020
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Agentur für Arbeit wirbt mit Prämien: Zahl der Ausbildungsverträge in der Region trotz Corona nahezu konstant

Königsbach-Stein. Wegen Corona konnten Berufsberater der Agentur für Arbeit monatelang nicht in die Schulen. Ausbildungsmessen, die normalerweise beliebte Kontaktbörsen sind, mussten ebenso ausfallen wie Berufsorientierungsangebote wie der Berufswahlkompass Metall. Auch Praktika in den Unternehmen waren kaum möglich. Das hat die Suche nach einem Ausbildungsplatz deutlich erschwert.

Noch gelten die Abstandsregeln: Martina Lehmann, Chefin der Agentur für Arbeit Nagold-Pforzheim (Mitte) im Gespräch mit Geschäftsführer Lorenz Geyer und Nataša Lemp, Leiterin Ausbildung der Eugen Geyer GmbH. Foto: Meyer
Noch gelten die Abstandsregeln: Martina Lehmann, Chefin der Agentur für Arbeit Nagold-Pforzheim (Mitte) im Gespräch mit Geschäftsführer Lorenz Geyer und Nataša Lemp, Leiterin Ausbildung der Eugen Geyer GmbH. Foto: Meyer

„Gut, dass wir noch rechtzeitig die neuen Lehrverträge unter Dach und Fach gebracht haben“, sagte gestern Lorenz Geyer, Geschäftsführer und Inhaber der Eugen Geyer GmbH in Königsbach. Der metallverarbeitende Betrieb hat auch in Corona-Zeiten seine Ausbildungsaktivitäten fortgesetzt. Das belohnt die Agentur für Arbeit auf Antrag mit einer Ausbildungsprämie, wie Martina Lehmann, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Nagold-Pforzheim, ergänzte.

Betriebe, die durch die Pandemie massive Umsatzeinbußen hinnehmen mussten und trotzdem neue Lehrlinge wie im Vorjahr einstellen, erhalten 2.000 Euro je geschlossenem Ausbildungsvertrag. Wer zusätzlich ausbildet, kann sogar 3.000 Euro Prämie beantragen.

Zahl der Ausbildungsverträge bleibt trotz Corona nahezu konstant

„Wir haben vor 20 Jahren mit der Ausbildung von Lehrlingen begonnen, weil wir aktiv etwas gegen den drohenden Fachkräftemangel tun wollten“, erklärte Nataša Lemp, Leiterin Ausbildung im Familienunternehmen Geyer. Neun der insgesamt 90 Mitarbeiter sind Azubis. Vergangene Woche haben zwei neue Lehrlinge als Verfahrenstechnologen Metall angefangen.

Das Zusammenfinden mit potenziellem Nachwuchs ist für die Betriebe derzeit eine echte Herausforderung, sie müssen sich nun vermehrt mit Kontakten über Social Media oder digitalen Jobbörsen beschäftigen. Denn auch bei der Firma Geyer gelten strenge Abstands- und Hygieneregeln. Besucher dürfen nicht in die Produktionsräume, deshalb fand auch das Pressegespräch im Eingangsbereich statt.

Trotz der coronabedingten Einschränkungen blieb die Zahl der Ausbildungsverträge in der Region Nordschwarzwald nahezu konstant. Der Rückgang um 69 Lehrverträge entspricht gerade mal 1,6 Prozent. „Das ist sehr erfreulich“, sagte Lehmann. Zumal in diesem Sommer rund 100 Bewerber weniger bei der Agentur für Arbeit registriert waren.

Digitale Technik kann persönlichen Kontakt nicht ersetzen

„Digitale Technik ersetzt nicht den persönlichen Kontakt“, waren sich Unternehmen und Arbeitsagentur einig. Sollten die Ausbildungsmessen auch im kommenden Jahr abgesagt werden müssen, dürfte das zu einem deutlichen Rückgang der Zahlen führen.

„Berufsorientierung muss mit allen Sinnen erfolgen: anfassen, hören und riechen“, ergänzte Lemp. Das Projekt BWK-Metall musste in diesem Jahr wegen Corona abgebrochen werden. Dabei kamen Schüler aus Pforzheim und dem Enzkreis in das Unternehmen.

Inhalt eines Praxisnachmittags ist die Herstellung eines Minigolfschlägers, den die Teilnehmer später in einem Turnier erproben können. „Wir haben ein Video über einen virtuellen Praxisnachmittag erstellt und den Schülern, die nicht mehr am Projekt teilnehmen konnten, zur Verfügung gestellt. Und alle bekommen einen Minigolfschläger.“