Ein großes Stück Technik: Kläranlage in Königsbach wurde modernisiert
Königsbach-Stein. Langsam fließt das Wasser in den rechteckigen Becken durch die blauen, knapp unter der Oberfläche liegenden Scheiben. Bespannt sind sie mit einem feinen Gewebe, das selbst kleinste Verunreinigungen auffängt, ehe das Wasser unter einem Absperrgitter tosend in die Tiefe rauscht. Die Tuchfilter sind die letzte Station auf der Königsbacher Kläranlage, installiert zwischen dem Nachklärbecken und dem großen Rohr, das in den Kämpfelbach führt.
Mit großem Aufwand hat man sie in den vergangenen Monaten installiert, als Teil der der vierten Reinigungsstufe, die mit Aktivkohle arbeitet und im Enzkreis bislang einzigartig ist. Anstelle der alten Fahrzeughalle steht sie auf der Anlage, die die vier Gemeinden Kämpfelbach, Eisingen, Ispringen und Königsbach-Stein über einen Zweckverband gemeinsam betreiben. „Wir setzen damit neue Maßstäbe in Sachen Nachhaltigkeit“, sagt Verbandsvorsitzender Thomas Zeilmeier – zugleich Ispringens Bürgermeister –, der die Funktionsweise der vierten Reinigungsstufe mit einer Dunstabzugshaube vergleicht. Dank ihr ist es in Königsbach seit kurzem möglich, 80 Prozent der vom Land als Leitparameter ausgewählten Stoffe an die Aktivkohle zu binden. Mikroplastik, Phosphor und Rückstände von Medikamenten können eliminiert werden. Das ist wichtig, wenn man weiß, dass an der Kläranlage jeden Tag umgerechnet allein 24 Tuben des Medikaments Voltaren ankommen.
Für den ehemaligen Verbandsvorsitzenden Udo Kleiner ist Königsbach damit „eine Vorzeige-Kläranlage“, die „beste und modernste im Enzkreis“. Zudem die größte: Dimensioniert ist sie für 55.000 Einwohnergleichwerte, weil zu den Abwässern der rund 28.000 Eisinger, Ispringer, Kämpfelbacher und Königsbach-Steiner noch das Gewerbe kommt.
Kleiner weiß, dass es in Baden-Württemberg noch nicht viele Anlagen gibt, die über eine vierte Reinigungsstufe verfügen. Gesetzlich vorgeschrieben ist sie noch nicht, aber er rechnet damit, dass sich das künftig ändert. Der ehemalige Verbandsvorsitzende hält es für richtig, das Projekt frühzeitig umgesetzt zu haben. Nicht nur er freut sich über einen reibungslosen Ablauf: Auch Zeilmeier berichtet von einer guten Zusammenarbeit, vor allem mit den Weber-Ingenieuren und der Baufirma Harsch. Komplikationen gab es nur einmal, direkt zu Beginn beim Schweißen und beim Einbau der Spundwände. Doch die dadurch entstandene Verzögerung ließ sich laut Zeilmeier wieder reinholen. Abgerechnet hat man das Projekt zwar noch nicht ganz, aber Zeilmeier geht fest davon aus, dass die Gesamtkosten bei rund 7,05 Millionen liegen: nur rund 150.000 Euro über dem Wert, der vor fünf Jahren genannt wurde. 2,3 Millionen kommen als Förderung vom Land, den Rest bezahlen die vier Verbandsgemeinden.
Hohe Eliminationsrate
Die Investitionen sind das eine, die Abschreibungen und Unterhaltungskosten das andere. Auch sie werden steigen, denn allein eine Silofüllung Aktivkohle kostet 50.000 Euro. Verbandsgeschäftsführerin Saskia Rückriem rechnet mit drei bis vier pro Jahr. Doch der Aufwand lohnt sich: Ein erst kürzlich vorgenommener Test hat gezeigt, dass die Eliminationsrate aktuell bei rund 90 Prozent liegt. Mit den gewonnenen Ergebnissen will man unter anderem die Dosierung der pulverisierten Aktivkohle so optimieren, dass sie möglichst viele Verunreinigungen entfernt. Aktuell gibt man pro Kubikmeter Schmutzwasser 16 Gramm zu: direkt in das Belebungsbecken, in dem sie durch ihre große Oberfläche selbst kleinste Partikel bindet. Später setzt sie sich mit dem Belebungsschlamm im Nachklärbecken ab, bevor das Wasser durch Tuchfilter und schließlich in den Kämpfelbach fließt.
Befasst hat sich der Abwasserverband mit dem Projekt schon seit geraumer Zeit. Nachdem im Sommer 2021 den Beschluss gefasst hatte, ging es Anfang 2023 auf der Baustelle los. Zweieinhalb Jahre später war alles fertig.
