Königsbach-Stein
Königsbach-Stein -  20.07.2020
Artikel teilen: Facebook Twitter Whatsapp

Scharfe Kritik wegen angeblich lückenhafter Hochwasserschutzplanung in Königsbach

Königsbach-Stein. Es sind schwere Vorwürfe, die ein Anwohner der Sandgrube in Stein erhebt: Die Hochwasserschutz-Planung der Gemeinde sei lückenhaft, zerstöre ein intaktes Ökosystem und riskiere im Hochwasserfall die Überflutung des Orts. Konkret geht es um den Leitdeich, der am Ortsausgang von Stein in Richtung Neulingen errichtet werden soll. Die Planung dazu bestehe aus drei Einzelplänen, die nicht miteinander verbunden seien, sagt der Anwohner.

Zahlreiche Hochwasserschutzmaßnahmen sind am Bruchbach in Stein geplant. Ein Anwohner der Sandgrube bezweifelt ihre Sinnhaftigkeit. Foto: Roller
Zahlreiche Hochwasserschutzmaßnahmen sind am Bruchbach in Stein geplant. Ein Anwohner der Sandgrube bezweifelt ihre Sinnhaftigkeit. Foto: Roller

So ende beispielsweise der zweite Einzelplan an der Mühlbachstraßenbrücke und der dritte beginne erst 200 Meter weiter hinter der Kannenbrücke. Der Anwohner versteht nicht, warum in einzelnen Bereichen wie der Sandgrube viele Maßnahmen geplant sind und in anderen gar keine. Eine seiner Befürchtungen ist, dass ein Hochwasser in einer 90-Grad-Kurve den Bachlauf verlassen und schlimmstenfalls den Kindergarten überfluten könnte. Er plädiert stattdessen für ein Rückhaltebecken auf dem Bolzplatz am Ortsausgang Richtung Neulingen. Dem Umweltamt des Landratsamts wirft er vor, bislang nicht zu seinen Fragen Stellung genommen zu haben.

Keine Anträge gestellt

Sowohl Landratsamt als auch Gemeindeverwaltung lehnten es zunächst auf PZ-Anfrage ab, sich vor der Bürgermeisterwahl zu dem Thema zu äußern. Am Folgetag teilt das Landratsamt mit: Als zuständiger Genehmigungsbehörde für Hochwasserschutzmaßnahmen an Gewässern innerhalb des Enzkreises liege ihm bisher noch kein Wasserrechtsantrag für eine Hochwasserschutzmaßnahme in Stein vor. „Wir können daher keine detaillierten Auskünfte zum bisherigen Planungsstand geben.“ Inwieweit es bei der von der Gemeinde favorisierten Schutzmaßnahme zu Ausbordungen im Gewässer innerhalb Steins im Hochwasserfall komme, „ist uns nicht bekannt, da uns bisher keine Antragsunterlagen vorliegen“. Die Gemeinde teilte mit, ein Leitdeich würde dazu dienen, austretendes Wasser wieder in den Bach zurückzuführen, um Überflutungen bebauter Bereiche zu vermeiden. Durch die drei bereits vorhandenen Rückhaltebecken am Bruchbach, den Gewässerausbau im Bereich Bruchbach und den Leitdeich werde ein 100-jähriger Hochwasserschutz am Bruchbach östlich der Hansenwiesenspange sichergestellt.

Anzeige

Befürchtung unbegründet

Die Verwaltung widerspricht dem Bürger. So stünden die Einzelpläne in einem hydraulischen Zusammenhang. Unbegründet sei auch die Befürchtung, dass es Ausbordungen im Bereich des Badhauses geben könnte. Die fachtechnischen Untersuchungen würden zeigen, dass unter anderem an dieser Stelle keine baulichen Maßnahmen notwendig seien, weil der Bach leistungsfähig genug sei. Gegen das Rückhaltebecken auf dem Bolzplatz spricht aus Verwaltungssicht, dass dessen Bau bereits in der Flussgebietsuntersuchung (FGU). Zu den in der FGU grob geschätzten Kosten von 1,5 Millionen Euro kämen noch Grunderwerb und Entschädigung von im Einstaubereich liegenden Flächen. Laut Verwaltung würde der Abfluss des Beckens immer noch zu Ausbordungen des Bruchbachs im Bereich Sandgrube und der Bachgasse führen, sodass zusätzliche Maßnahmen am Bach notwendig wären. Im Gegensatz dazu würden beim Leitdeich geschätzt Kosten von rund 500 000 Euro anfallen, ohne Nebenkosten und Grunderwerb.

Autor: Nico Roller