Königsbach-Stein
Königsbach-Stein -  21.09.2021
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Weiße Farbe gegen schwarzen Rindenbrand - Königsbacher Hobbygärtner bekämpfen Pilzerkrankung

Königsbach-Stein. Los geht es mit schwarzen Stellen auf der Rinde, dann breiten sich furchenartige Risse aus und irgendwann stirbt der ganze Baum ab. Längst ist der schwarze Rindenbrand auch in der Region angekommen. Günter Leonhard spricht von einem großen Problem und sagt: „Die Streuobstwiesen und die biologische Vielfalt dort sind in Gefahr.“ Der Vorsitzende des Königsbacher Obst- und Gartenbauvereins weiß, dass vor allem Apfel- und Birnbäume von der heimtückischen Rindenkrankheit betroffen sind. Denn so ist es auch auf den beiden vereinseigenen Grundstücken.

Biomechanischer Weißanstrich: Wie man den schwarzen Rindenbrand bekämpft, wissen Günter und Martina Leonhard sowie Peter Helmling (von links). Foto: Roller
Biomechanischer Weißanstrich: Wie man den schwarzen Rindenbrand bekämpft, wissen Günter und Martina Leonhard sowie Peter Helmling (von links). Foto: Roller

Fällen als letzter Ausweg

Leonhard schätzt, dass dort inzwischen 25 bis 30 Prozent der Bäume am schwarzen Rindenbrand erkrankt sind. Auslöser ist der Diplodia-Pilz, der im Frühjahr über Verletzungen in der Rinde und Schnittmaßnahmen in die Bäume eindringt. Besonders gefährdet sind laut Leonhard Bäume, die auf humusarmen Böden stehen. „Der Pilz zerstört die Rinde“, erklärt Leonhard: Sie platzt ab, die Wasser- und Nährstoffversorgung wird stark beeinträchtigt. Im Frühstadium kann man die betroffenen Stellen noch mit einem Messer großzügig entfernen. „Aber später hilft das nicht mehr“, sagt Leonhard: Dann bleibe als letzter Ausweg oft nur noch das Fällen. Von einem starken Befall spricht der Experte, wenn mehr als 30 Prozent eines Stammes betroffen sind. Dann stirbt oft der ganze Baum ab. Um das zu verhindern, sollte früh gehandelt werden. Beim Königsbacher OGV nutzt man einen biomechanischen Weißanstrich, um das Absterben der Bäume hinauszuzögern und dem Diplodia-Pilz entgegenzuwirken. Einmal aufgetragen, hält er laut Leonhard vier bis fünf Jahre und ist eine gute Alternative zu einem Kalkanstrich, der jedes Jahr erneuert werden müsste. Gleichzeitig wirkt er als Frost- und Hitzeschutz: Das Weiß reflektiert die Sonne, das Holz kann keinen Sonnenbrand bekommen. Zudem verhindert sie, dass im Winter bei einseitiger Sonnenbestrahlung Frostrisse entstehen.

Der Anstrich hat eine körnige Struktur und erinnert an Rauputz. Er ist für den Bio-Obstbau zugelassen. Der Verein bezieht ihn über das Internet aus Österreich. Leonhard mischt ihm Kupfer bei, das als Fungizid wirkt und die Ausbreitung des Diplodia-Pilzes zusätzlich hemmt, teilweise auch ganz stoppt. Bevor man den Anstrich aufträgt, muss bei älteren Bäumen die lose Borke mit einem Spachtel entfernt werden. Dann muss der Baum mit der Drahtbürste saubergemacht und abgestaubt werden. Beim Streichen sollte man darauf achten, dass alle Ritzen und Löcher mit Farbe bedeckt sind. Bei jungen Bäumen mit glatter Oberfläche genügt es, mit einem Schleifvlies die Rinde zu reinigen, bevor man den Anstrich aufträgt. Zum Streichen muss es trocken sein: „Wenn es feucht ist oder danach regnet, kann man es bleiben lassen“, sagt Leonhard. Frostig oder zu warm sollte es auch nicht sein.

Leonhard empfiehlt, alle jungen Obstbäume im Alter von bis zu zehn Standjahren mit dem Anstrich zu versehen – unabhängig davon, ob der Rindenbrand schon ausgebrochen ist oder nicht.

Autor: Nico Roller