Maulbronn
Maulbronn -  29.07.2020
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„Es geht recht zivilisiert zu“: Lage am Tiefen See in Maulbronn ist noch entspannt

Maulbronn. Viele Badeseen sind in Corona-Zeiten mangels genügend Freibad-Kapazitäten überfüllt und kämpfen mit Vermüllung. Die Lage am Tiefen See in Maulbronn ist noch entspannt.

Am Tiefen See in Maulbronn war am Mittwoch mäßiger Betrieb. Zwei, die man hier fast täglich antrifft, sind Gerhard Eitel aus Lienzingen (links) und Herwig Ehrlich aus Maulbronn. Foto: Schrader
Am Tiefen See in Maulbronn war am Mittwoch mäßiger Betrieb. Zwei, die man hier fast täglich antrifft, sind Gerhard Eitel aus Lienzingen (links) und Herwig Ehrlich aus Maulbronn. Foto: Schrader

Pünktlich zum Start der Sommerferien sind die Wetteraussichten für Wasserratten hervorragend. Die Auswahl an Badestätten jedoch ist aufgrund der Corona-Einschränkungen in diesem Jahr äußerst begrenzt. Freibäder haben – wenn überhaupt – nur stundenweise geöffnet, vorab sind online Tickets zu lösen und selbst dann heißt es oft noch: Schlange stehen am Einlass. Vielen ist das zu umständlich, weshalb sich vor allem Badeseen noch größerer Beliebtheit erfreuen als sonst. Dort müssen lediglich die üblichen Hygiene- und Abstandsregeln eingehalten werden. Doch genau damit haben große Seen wie die Ehmetsklinge in Zaberfeld und die Baggerseen im Karlsruher Gebiet offenbar große Probleme. Der Breitenauer See im Heilbronner Landkreis wurde sogar wegen Überfüllung geschlossen. Am Tiefen See in Maulbronn hingegen ist die Lage derzeit noch relativ entspannt.

„Es geht zivilisiert zu“, sagt Stammgast Gerhard Eitel aus Lienzingen. Einige Jugendliche halten sich nicht an die Verbote und springen unerlaubterweise vom Steg ins Wasser – doch darüber könne er hinweg sehen. Überfüllt sei es bisher noch nicht gewesen und auch sonst hielten sich alle weitgehend an die Regeln.

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Umwandlung vom Naturfreibad zum öffentlichen Badesee

Das Gewässer inmitten der Klosterstadt wurde erst unlängst von einem Naturfreibad zu einem öffentlichen Badesee umgewandelt und ist damit auch in Corona-Zeiten frei zugänglich. „Darüber können wir sehr froh sein, denn ohne die Umwandlung wäre der Tiefe See vermutlich geschlossen“, sagt Hans-Peter Lehner, Vorsitzender der CDU-Fraktion im Maulbronner Gemeinderat. Die Maßnahmen, die für Freibäder gelten, hätte die Stadt sicherlich nicht so leicht umsetzen können, ist er der Ansicht. Der Stadtrat, der durch seinen Wohnsitz oberhalb des Sees gut mitbekommt, was vor Ort so los ist, beschreibt die Situation als „völlig normal“. Die Badegäste halten sich offenbar an die Abstandsregeln, allzu voll war es auch ihm zufolge bisher nicht. Ab und an gebe es zwar einige Gelage, aber „die Menschen räumen ihre Hinterlassenschaften danach auch wieder weg“. Einzig am oberen Rand der Liegewiese bleibe des Öfteren mal Müll liegen.

Ähnliches berichtet auch Martin Gerst, Leiter des Ordnungs- und Sozialwesens bei der Stadt Maulbronn. „Es läuft bisher ganz gut, Beschwerden über die Nichteinhaltung von Abstandsregeln gibt es kaum“, sagt er. Doch er betont: „Wir haben auch ein Auge darauf.“ Der Vollzugsdienst führe zwar keine expliziten Kontrollen durch, sei aber immer wieder vor Ort, um nach dem Rechten zu schauen – auch am Wochenende. Die von vielen befürchtete Vermüllung bleibt offenbar ebenfalls aus. Aber auch hier sei die Stadt aktiv. „Der Bauhof ist täglich im Einsatz und leert die Mülleimer.“

Steile Liegefläche trifft nicht jeden Geschmack

Im Hinblick auf das kommende Wochenende seien vorab keine gesonderten Maßnahmen getroffen worden. Gerst rechnet nicht damit, dass die Situation aus dem Ruder läuft. „Die Dimensionen des Tiefen Sees sind mit denen einer Ehmetsklinge ja gar nicht zu vergleichen.“ Auch für Stadtrat Hans-Peter Lehner scheint das Maulbronner Gewässer noch ein Geheimtipp zu sein. Er habe den Eindruck, dass der See vor allem zum Schwimmen genutzt werde und nicht für einen ganztägigen Badeausflug. Die steile Liegefläche komme nicht bei allen so gut an.

Von Problemen wie Vermüllung oder Nichteinhaltung des gebotenen Abstands kann auch Yasar Meral, der langjährige Kioskpächter, nichts berichten. Was ihn nervt, seien die vielen Beschwerden wegen des Geländers, das die Stadt aufgrund von Umbauarbeiten und zum Schutz der Badegäste angebracht hat. Auch hagele es Kritik wegen der geschlossenen Umkleiden. „Das ist momentan nun mal so“, sagt Meral. Er habe die Regeln nicht erfunden. „Die Leute sollen doch froh sein, dass der See geöffnet hat.“ Das betont auch Herwig Ehrlich, der schon jahrzehntelang im Tiefen See schwimmen geht und für alle spricht, die sich trotz der Einschränkungen wohlfühlen: „Er ist unser Heiligtum – und wir sind froh, dass es ihn gibt.“

Autor: Miriam Schrader