Maulbronn
Maulbronn -  09.01.2022
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Kostenlage unklar: Bau-Boom wirkt sich auf Sanierung des Maulbronner Kinderzentrums aus

Maulbronn. Der Boom in der Baubranche und die gestiegenen Materialkosten machen sich seit Monaten auch bei der Sanierung des Kinderzentrums Maulbronn bemerkbar. Bereits im vergangenen Oktober hatte sich abgezeichnet, dass die Ausgaben für den Umbau von rund 14,5 Millionen auf 16,5 Millionen Euro steigen werden und dadurch eine Finanzierungslücke von etwa zwei Millionen Euro entsteht. Das war auch ein Grund dafür, dass die Planungen für die neue Kantine erst einmal verschoben werden mussten (die PZ berichtete). An dieser angespannten Finanzierungslage habe sich bis dato nicht viel geändert, berichtet Dirk Berner, kaufmännischer Geschäftsführer des Kinderzentrums (Kize), auf PZ-Nachfrage.

Ende März, Anfang April soll im Kinderzentrum Maulbronn die Sanierung des Hauptgebäudes (rechts) beginnen.  Meyer
Ende März, Anfang April soll im Kinderzentrum Maulbronn die Sanierung des Hauptgebäudes (rechts) beginnen. Meyer

„Die Baustoff- und Baukostensteigerung hat uns voll getroffen und unsere Kalkulationen total über den Haufen geworfen“, schildert Berner die aktuelle Lage. Das sei auch insofern ärgerlich, zumal das gesamte Großprojekt noch im Frühjahr 2021 komplett durchfinanziert gewesen sei. Weil die Preise auf dem Bausektor aber explodiert seien, hätten bestimmte Gewerke gar nicht vergeben werden können, was sich gerade auch am Beispiel des neuen Kantinenprojekts zeige. Gerade im Hochbau gebe es momentan nur geringe Kapazitäten und man habe deswegen keinen Anbieter zu vernünftigen Preisen gefunden. „Leider scheint sich das Kostenniveau auf einem hohen Level einzupendeln, so dass wir finanziell überall eine Schippe drauflegen müssen“, erläutert Berner.

Kantinenbau im Lauf des Jahres

Allerdings müsse gerade die Essensversorgung im Kinderzentrum wegen des laufenden Betriebs unbedingt aufrechterhalten bleiben. „Deswegen werden wir im Lauf des Jahres auch mit dem Bau der Kantine starten“, sagt Berner. Im dritten Obergeschoss des Hauptgebäudes werde aktuell gewerkelt.

Betrieb läuft weiter 

Auch die Christophorus-Schule im Nebengebäude sei bereits fertiggestellt und der Umzug gehe in den nächsten Tagen über die Bühne. Ende März, Anfang April sei geplant, den ersten Flügel des Hauptgebäudes inklusive der teuren Brandschutzsanierung bis zum Jahreswechsel in Angriff zu nehmen. Unter anderem sollen dort zusätzliche Behandlungsräume entstehen. Der zweite Gebäudeteil folge und solle – wenn alles glatt läuft – spätestens im Frühjahr 2024 saniert sein. Da der Betrieb im Kinderzentrum aber während der Umbauphase weiterlaufe, sei mit einer erhöhten Belastung aller Beteiligten zu rechnen, kündigt der Kize-Geschäftsführer an.

Trotz aller Schwierigkeiten gibt es aber auch positive Nachrichten für das Maulbronner Kinderzentrum. So hat die Dietmar-Hopp-Stiftung als Großspender ihren Zuschuss für den Umbau von 3,5 auf 3,9 Millionen Euro erhöht. Und der Kize-Förderverein, die Christophorushilfe, arbeite intensiv und erfolgreich daran, zusätzliche Geldmittel aufzutreiben, so Berner. Ebenso freut sich der kaufmännische Geschäftsführer darüber, dass das Kinderzentrum im Krankenhausplan Baden-Württemberg neun zusätzliche Klinikbetten zugestanden bekommen hat. „Dadurch wächst unsere Behandlungskapazität auf insgesamt 51 Betten und wir sind momentan die größte sozialpädiatrische Klinik in ganz Deutschland.“

„Die Besonderheit, dass die Eltern der Kinder bei uns in der Betreuung mitwirken, hat der Gesetzgeber diesmal nicht berücksichtigt“, Dirk Berner 

Zusätzliche Personalkosten

Allerdings hat die Sache auch einen Haken. Denn durch die gestiegenen Kapazitäten ist das Kinderzentrum hinsichtlich der gesetzlich vorgeschriebenen Pflegepersonal-Untergrenzen gezwungen, den Mitarbeiterstab zu vergrößern. „Die Besonderheit, dass die Eltern der Kinder bei uns in der Betreuung mitwirken, hat der Gesetzgeber diesmal nicht berücksichtigt“, erläutert Dirk Berner. Deswegen müsse man sich auf zusätzliche Personalkosten von ungefähr 250 000 Euro pro Jahr einstellen. Bei Nichteinhaltung der Vorgaben drohten Strafzahlungen im fünfstelligen Bereich.

„Weil der Arbeitsmarkt quasi leergefegt ist, treibt uns der Gesetzgeber damit auch dazu, Personal aus stark belasteten Kliniken etwa mit Corona-Intensivpflege abzuziehen. Die Pflegekräfte fehlen dann dort und das ist bei der aktuellen Lage für alle Beteiligten bitter“, so Berner.

Autor: Peter Hepfer