„Maulbronn ist ein ganz besonderer Ort“: Sebastian Eberhardt verlässt die Maulbronner Klosterkonzerte
Bei den Klosterkonzerten Maulbronn steht ein Wechsel bevor. Der bisherige künstlerische Leiter des „Musikfestivals im Weltkulturerbe“, Sebastian Eberhardt, verlässt Maulbronn; seine Nachfolgerin ist Johanna Wiebusch.
Die PZ hat mit beiden gesprochen.
PZ: Herr Eberhardt, mehr als die Hälfte der diesjährigen Spielzeit liegt bereits hinter Ihnen. Wie fällt Ihre Zwischenbilanz aus? Sind Sie mit dem bisherigen Verlauf und den Besucherzahlen zufrieden?
Sebastian Eberhardt: Die bisherigen Veranstaltungen haben allesamt eine äußerst positive Resonanz gefunden. Für ein Schlussfazit ist es aber noch zu früh. Wir stellen fest, dass heute kurzfristiger gebucht wird, und so gibt es für die noch ausstehenden Konzerte – darunter das 20-jährige Glemser-Jubiläum und der Abschluss des Mendelssohn-Zyklus mit dem Kammerchor – noch genügend Karten. Deren Verkauf braucht es, um die erforderlichen Einnahmen zu erzielen.
Sie leiten die Klosterkonzerte seit 13 Jahren. Wie hat sich das Festival seit der Ära Jürgen Budday entwickelt?
Eberhardt: Die Klosterkonzerte sind seit 1968 eine äußerst erfolgreiche Veranstaltungsreihe. Es gab nie den Wunsch, bewusst mit der Vergangenheit zu brechen. Viele Konzertbesucherinnen und Konzertbesucher sagen allerdings, dass sich die Programmgestaltung im Laufe der Jahre verändert habe. Vielleicht erkennt man meine Handschrift an den Open-Air-Konzerten im Kreuzganggarten, an der Förderung des musikalischen Nachwuchses und an den didaktisch geprägten Projekten wie den Sommerkursen oder den Konzerten mit dem Seminarchor.
Wenn man das Publikum betrachtet, fällt auf, dass etwa drei Viertel der Besucherinnen und Besucher der älteren Generation angehören. Bereitet Ihnen das Sorgen?
Eberhardt: Da bin ich inzwischen viel entspannter als früher. Die Nachfrage ist nach wie vor groß. Und irgendwann werden die heute Jüngeren ebenfalls älter sein und unsere Konzerte besuchen.
Johanna Wiebusch: Im Musikunterricht legen wir den Grundstein dafür, dass immer wieder neue Musikbegeisterte heranwachsen. Ich finde es schön, wenn sich bei Konzerten Menschen verschiedener Generationen begegnen und gemeinsam Musik erleben.
Wie hoch schätzen Sie den Anteil Ihrer Stammgäste?
Eberhardt: Sehr hoch. Bereits am ersten Verkaufstag verkaufen wir zwischen 3000 und 4000 Karten – also etwa die Hälfte aller verkauften Karten der gesamten Spielzeit. Unsere Stammgäste erhalten das Programm frühzeitig und können ihre Auswahl in Ruhe treffen.
Sie verfolgen die Musikszene sehr genau und wissen, welche Künstlerinnen und Künstler derzeit besonders gefragt sind. Konnten Sie alle Wunschkandidaten nach Maulbronn holen – oder gibt es noch einen unerfüllten Traum?
Eberhardt: Ich bin dankbar dafür, dass ich tatsächlich viele meiner Wunschkünstlerinnen und Wunschkünstler nach Maulbronn holen konnte. Einen unerfüllten Traum habe ich deshalb eigentlich nicht.
Frau Wiebusch, Sie übernehmen im September dieses prestigeträchtige und arbeitsintensive Amt. Möchten Sie sich unseren Leserinnen und Lesern kurz vorstellen?
Wiebusch: Mein Name ist Johanna Wiebusch. Aufgewachsen bin ich in Backnang und Göppingen und habe am Evangelischen Seminar mein Abitur gemacht. In Freiburg habe ich Schulmusik, Latein und Kirchenmusik studiert sowie anschließend im Hauptfach Gesang. Seit zehn Jahren unterrichte ich Musik und Latein an einem Gymnasium in Karlsruhe und habe drei Chorgruppen an der Durlacher Singschule geleitet. Mit meinem Mann, der an der Frankfurter Hochschule Orgel lehrt, und unseren drei Söhnen lebe ich in Karlsruhe-Grötzingen.
Welche Musik liegt Ihnen persönlich besonders am Herzen?
Wiebusch: Oh je, das ist schwierig. Das Spektrum ist groß. Bach spielt natürlich eine wichtige Rolle, aber ebenso beispielsweise Schütz, Brahms, Schubert oder Mahler.
Mit welchen Gefühlen blicken Sie auf Ihre neue Aufgabe?
Wiebusch: Eindeutig mit Vorfreude und Respekt. Maulbronn ist ein ganz besonderer Ort. Zugleich ist die Verbindung der Aufgaben am Seminar mit der künstlerischen Leitung des Festivals eine große Herausforderung. Ich vertraue darauf, dass ich ihr gewachsen sein werde.
Werden Sie zunächst an die erfolgreiche Arbeit Ihrer Vorgänger anknüpfen oder möchten Sie eigene Akzente setzen?
Wiebusch: Zunächst heißt es, anzukommen und in die neue Aufgabe hineinzuwachsen. Sicher werde ich mit der Zeit eigene Schwerpunkte setzen. Zunächst möchte ich aber an die erfolgreiche Arbeit von Jürgen Budday und Sebastian Eberhardt anknüpfen.
Was empfinden Sie, wenn Sie heute im Klosterhof, im Kreuzganggarten oder in der Klosterkirche stehen?
Wiebusch: Da kommen natürlich Erinnerungen an meine Zeit als Seminaristin kurz vor der Jahrtausendwende hoch. Und heute freue ich mich sehr darauf, künftig in diesen wunderbaren Räumen arbeiten und musizieren zu dürfen.
Sebastian Eberhardt studierte nach seiner Schulzeit und dem Abitur an den Evangelischen Seminaren Maulbronn und Blaubeuren von 2004 bis 2009 Schul- und Kirchenmusik an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart. Seit 2012/2013 ist er Seminarmusiklehrer am Evangelischen Seminar Maulbronn. Im Oktober 2013 übernahm er zudem die künstlerische Leitung der Klosterkonzerte Maulbronn.
