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Maulbronn
Maulbronn -  19.07.2019
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Meldungen versetzen Eltern in Angst: Werden Kinder in der Region in Autos gelockt?

Enzkreis. Die Nachrichten lesen sich äußerst dramatisch – alleine schon deshalb, da sie in Großbuchstaben verfasst sind. Doch auch der Inhalt ist, sollte er sich als wahr erweisen, besorgniserregend: In den sozialen Netzwerken kursieren dieser Tage Meldungen, wonach unter anderem im Raum Knittlingen, Maulbronn und Bretten Unbekannte unterwegs seien, die versuchten, Kinder in Autos zu locken.

In den besorgniserregenden Meldungen heißt es, Kinder werden mit Handys in Autos gelockt.
In den besorgniserregenden Meldungen heißt es, Kinder werden mit Handys in Autos gelockt.

In einer Nachricht heißt es, ein Kind sei gewaltsam in ein Fahrzeug gezerrt worden, letztlich habe eine Entführung aber verhindert werden können. Bei der PZ gingen am Freitag etliche Hinweise ein, die Bezug nahmen auf die in den sozialen Netzwerken verbreiteten Nachrichten.

Ähnliche Meldungen auch im südbadischen Raum

Auf Nachfrage bei der Pressestelle des Polizeipräsidiums Karlsruhe erläutern die dortigen Beamten, derzeit kursierten ähnlich lautende Meldungen nicht nur in der Region, sondern auch im südbadischen Raum. Die Polizei habe bislang allerdings keinerlei Hinweise darauf, dass es sich um eine tatsächliche Gefährdungssituation handle und die geschilderten Vorfälle echt seien. „Bei uns sind keinerlei Anzeigen eingegangen, weshalb wir derzeit nicht bestätigen können, dass an der Sache etwas dran ist“, heißt es auf PZ-Anfrage. 

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Das riecht nach einem Kettenbrief, wie man ihn oft über Facebook bekommt. Da ist es dann immer ein weißer Transporter, in dem wahlweise Katzen, Hunde oder Kinder entführt werden oder in dem Menschen für die Organmafia gekidnappt werden. 

Kinderfänger in Enzberg? 

Im Dezember 2016 meldete sich eine Mutter aus Enzberg, deren Tochter angeblich einem Kidnapping gerade noch entfliehen konnte. Den herbeigeeilten Polizisten erzählte die Sechsjährige, so berichtet es eine Polizeisprecherin, dass fünf Männer versucht hätten, sie in einen Transporter zu zerren. Sie hätte sich noch an einem Pfosten oder Ähnlichem festgehalten und laut um Hilfe geschrien. Im Transporter hätte sie vier gefesselte Kinder mit Tüten an den Füßen gesehen.

Zwei weitere Mädchen, mit denen die Sechsjährige anfangs gemeinsam unterwegs war und mit denen sie sich dann zerstritten hatte, seien nach den Hilferufen zum Tatort geeilt. Gegenüber der Polizei jedoch konnten sie keine konkreten Angaben zum Entführungsversuch machen. Spuren von Gewaltanwendung oder mögliche zur Klärung der Tat beitragende Reifen- und Fußspuren konnten offenbar nicht gefunden werden. Vermisstenmeldungen, die zu dem Fall passen würde, gebe es nicht, erklärt die Polizei. „Die Wahrscheinlichkeit ist eher gering, dass die Geschichte stimmt“, erklärt die Polizeisprecherin. Gleichwohl gehe man der Sache ernsthaft nach, wie in solchen Fällen üblich. Ein Teil der Geschichte könnte ja doch stimmen oder vom Kind in einer Ausnahmesituation falsch gedeutet worden sein.

Nicht jedes Verbrechen ist auch passiert

Manchmal erfinden Kinder und Jugendliche Geschichten, um auf sich aufmerksam zu machen oder Dinge zu verbergen. So hatte ein junger Mann in Pforzheim von einem Überfall in der Südstadt berichtet, bei dem er in ein zu Bruch gehendes Schaufenster gedrückt worden sein soll. Eine Jugendliche hatte angegeben, in Pforzheim-Brötzingen sexuell belästigt worden zu sein. In beiden Fällen hatten die polizeilichen Ermittlungen ergeben, dass die Geschichten aus unterschiedlichen Gründen frei erfunden wurden.

Geht es nach den Geschichten von Verschwörungstheoretikern und Leichtgläubigen in den Sozialen Netzwerken kann es sich bei den fünf Männern aus Enzberg nur um „rumänische oder bulgarische“ Kinderfänger oder Organhändler handeln, die schon mehrfach unter anderem „im Saarland in den Gegenden Neunkirchen und Ortsteile“ gesehen wurden. In Facebook werden solche Geschichten im Nu geteilt, gerne auch mit immer dem gleichen Bild, das den Transporter der Täter an den unterschiedlichsten Stätten zeigen soll. Nun gibt es diese Kettenbriefe eben auch auf WhatsApp. 

Unser Tipp: Wenn Sie solche WhatsApp-Meldungen erhalten, die alle paar Monate neu kursieren, dann schicken Sie den Absendern doch diesen Link http://pzlink.de/7ln zurück, damit die Absender nachlesen können, dass an dieser viralen Panikmache nichts dran sein könnte. 

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Autor: max/ir/tok