Rückschlag für Bahn-Reaktivierung in Maulbronn: Regelmäßige Zugverbindung rückt in weite Ferne
Maulbronn. Die geplante Reaktivierung der Bahnstrecke zwischen Maulbronn West und Maulbronn Stadt liegt vorerst auf Eis. Frühestens in fünf Jahren will das Land das Projekt neu bewerten. Warum die Entscheidung für Enttäuschung sorgt und weshalb es trotzdem noch Hoffnung gibt.
Die Gleise liegen längst, Züge fahren zumindest gelegentlich auch noch. Doch bis wieder regelmäßig Reisende mit der Bahn nach Maulbronn kommen können, dürfte es noch lange dauern. Das Land hat die geplante Reaktivierung der Strecke zwischen Maulbronn West und Maulbronn Stadt vorerst zurückgestellt. Frühestens in fünf Jahren soll das Projekt erneut bewertet werden. Für die Klosterstadt ist das ein Rückschlag – schließlich schien der Traum von einer stetigen Bahnverbindung zuletzt ein gutes Stück näher gerückt. Seit 1973 gibt es keinen regulären Personenverkehr mehr auf der rund 2,3 Kilometer langen Stichstrecke. Immerhin kehrten 1997 die Ausflugszüge zurück, die an ausgewählten Tagen Besucher in die Klosterstadt bringen.
Doch die Bemühungen gehen längst darüber hinaus. Eine Machbarkeitsstudie untersuchte die Wiederaufnahme des täglichen Zugverkehrs, der Gemeinderat sprach sich für weitere Schritte aus. Nun aber hat das Land Maulbronn das Projekt in die zweite Reihe seiner Reaktivierungsprojekte verwiesen: die sogenannte Tranche zwei. Angesichts knapper Kassen sollen zunächst andere Strecken zum Zug kommen. Dass knappe Mittel zu einer starken Priorisierung des Verkehrsministeriums führen und deshalb die Maulbronner Stichstrecke vorerst nicht berücksichtigt werde, sei „natürlich bitter“, sagt die Grünen-Landtagsabgeordnete Stefanie Seemann aus Mühlacker.
„Ich setze mich seit Jahren für die Reaktivierung ein, weil ich als Grüne davon überzeugt bin, dass ein guter Nahverkehr entscheidend für das Gelingen der Verkehrswende ist“,
betont sie.
Die Priorisierung trage sie aber mit: Zum einen werde eine Vereinbarung aus dem Koalitionsvertrag umgesetzt, zum anderen zeige die Landesregierung, dass sie zur Reaktivierung von Bahnstrecken stehe, aber nicht alle gleichzeitig in Angriff nehmen könne. „Wir müssen an dieser Stelle der Realität ins Auge sehen“, sagt Seemann. Diese zeige, dass sich die Situation für die Finanzierung des Personennahverkehrs auf der Schiene in den vergangenen Jahren deutlich verschlechtert habe. Den Grund dafür sieht die Abgeordnete in den nicht mehr ausreichenden Bundesmitteln für den Nahverkehr. Ihr Fazit:
„Für die Stichstrecke in Maulbronn gilt es, in fünf Jahren mit der Planung so weit zu sein, dass sie höher priorisiert wird.“
Marlon Frommer, Maulbronner Gemeinderat und Vorsitzender des VCD-Kreisverbands Pforzheim/Enzkreis, kann nachvollziehen, dass das Land zunächst Strecken mit größerem Fahrgastpotenzial bevorzugt. Allerdings sieht er bei der kurzen Verbindung in die Klosterstadt einen entscheidenden Vorteil: Die Gleise sind bereits vorhanden. Der Oberbau müsste zwar ertüchtigt werden, grundsätzlich sei er aber in brauchbarem Zustand. Auch eine Elektrifizierung hält Frommer für machbar. Besonders bedauerlich sei der Zeitpunkt: 2027 soll in Mühlacker ein neues elektronisches Stellwerk entstehen. Dabei hätte man die Maulbronner Strecke gleich berücksichtigen können.
In einer Mitteilung des VCD-Kreisverbandes kritisiert Sprecherin Elena von Schmeling die Zurückstellung der Strecke. Angesichts hoher Benzinpreise bei gleichzeitigen Finanzierungsproblemen stelle sich bundespolitisch die Frage, welche Verkehrspolitik gewollt sei. Mit einem Paradigmenwechsel in der Verkehrspolitik wäre Geld da, um unter anderem die Bahnlinie nach Maulbronn zu reaktivieren, so der VCD in der Mitteilung. Hoffnung macht Frommer hingegen die noch laufende standardisierte Bewertung, die den volkswirtschaftlichen Nutzen der Reaktivierung ermitteln soll. Nach seinen Informationen ist das Planungsbüro bereits auf vielversprechende Zahlen gestoßen. Allerdings sieht er ein Problem bei der Finanzierung des Zugbetriebs: Eine attraktive Verbindung müsste über die nur 2,3 Kilometer lange Stichstrecke hinaus bis Mühlacker oder Pforzheim führen. Das würde deutlich mehr Zugkilometer erfordern. Abgeschrieben hat er das Projekt dennoch nicht. Sollten sich die bevorzugten Reaktivierungen über zehn bis 15 Jahre hinziehen, könnte Maulbronn mit seiner vorhandenen Infrastruktur wieder interessant werden. Hier ließen sich vergleichsweise schnell Erfolge erzielen.
„Ist aber immer eine Geldfrage“, sagt der VCD-Mann.
Er hofft deshalb auf künftig höhere Bundesmittel für den Schienenverkehr. Die PZ hat auch die Maulbronner Stadtverwaltung angefragt – bis Redaktionsschluss lag noch keine Antwort vor.
