Maulbronn
Maulbronn -  07.06.2026
Artikel teilen: Facebook Twitter Whatsapp

Stradivari-Cello erklingt bei Klosterkonzert in Maulbronn

Maulbronn. Bei den Maulbronner Klosterkonzerten werden Instrumente in den Händen von Solisten zu Persönlichkeiten. Am Samstagabend begeisterte im Kloster-Laienrefektorium ein Cello mit seiner spannenden 300-jährigen Geschichte und seinem herrlichen Klang das in großen Teilen fachkundige Publikum. Im Mittelpunkt der musikalischen Lesung wurde eines der drei weltberühmten, inzwischen millionenschweren Violoncelli des italienischen Instrumentenbauers Antonio Stradivari vorgestellt, der 1711 das bis heute mit einem Mythos verbundene Instrumenten-Kunstwerk, das „Mara“, kreierte.

Christian Poltéra und Barbara Auer nehmen das Publikum mit auf eine literarische und musikalische Zeitreise.
Christian Poltéra und Barbara Auer nehmen das Publikum mit auf eine literarische und musikalische Zeitreise. Foto: Uhlig

Das Besondere dabei ist, dass dieses Cello mit dem Autor Wolf Wondratschek einen einfühlsam erzählenden Biographen gefunden hat („Mara: Eine Erzählung“) sowie mit Christian Poltéra einen exzellenten Solocellisten und Leih-Besitzer, der das exklusive Streichinstrument „in Aktion“ vorzustellen versteht.

Für den verhinderten Christian Redl las die bekannte Film- und Fernsehschauspielerin Barbara Auer mit angenehm artikulierender Stimme mehrere Abschnitte aus dem Wondratschek-Text. Da-runter Passagen zur „Geburt“ Maras 1711 in Stradivaris Werkstatt in Cremona und zur Namensgebung des Instruments, dessen erster Eigentümer ein oft betrunkener und jähzorniger „Sündenlümmel“ namens Giovanni Mara war. Dann folgte, nach einem Gezeitensprung, Maras „Liebesgeschichte“ mit Maestro Amadeo Baldavino, einem italienischen Cello-Virtuosen, der das Instrument 1954 erwarb.

Nicht vergessen wurde der Bericht von der Katastrophe vor einem Konzert in Buenos Aires, als Baldavino und Mara Opfer eines Fährunglücks auf dem Rio de la Plata wurden, was beide zwar überstanden – Mara musste sich allerdings in Teile zerlegt einer aufwendigenNotoperation unterziehen. Und schlussendlich las Auer die eigenartige Geschichte der Übergabe Maras von ihrem vorletzten Besitzer Heinrich Schiff an dessen Schüler Christian Poltéra. Noch spannender als die Erzählungen war freilich die musikalische Präsentation des Meister-Cellos.

Zwischen Auers Lesungen spielte der neue Besitzer alle Sätze von Johann Sebastian Bachs Suite für Violoncello solo Nr. 1 G-Dur und nach der Pause in einem Durchgang Benjamin Brittens Suite Nr. 3 für Violoncello (op. 87). Bachs um 1720 komponierter sechsteiliger Cello-Sonatenzyklus (BWV 1007-1012), der auch als Bibel der Cellisten bezeichnet wird, ist eine hypnotische Musik.

Musikalisches Selbstgespräch

Die in Maulbronn auf der Mara intonierte erste Suite, eine brillante Kombination aus Kreativität und Handwerkskunst, interpretierte Poltéra mit bravouröser Technik in großer Ruhe und Gelassenheit als stimmungsvolles musikalisches Selbstgespräch.

Die vielgestaltige Cello-Suite von Britten hingegen zeichnete sich durch spannungsvoll erregende Passagen aus, die in Glissando-Schleifen, energischen Zupftönen und heftigem Vibrato-Einsatz ihren Ausdruck fanden.

Maras wundervolles Timbre, in Maulbronn mit Hingabe zum Klingen gebracht, erfreute beim Zuhören der Klosterkonzertreihe mit sonor kraftvollen Basstiefen genauso wie in Tenorlagen und zart singenden Höhen.