Maulbronn
Maulbronn -  03.02.2026
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Wahl-Podium in Maulbronn: Schüler und Landtagskandidaten im Schlagabtausch

Maulbronn. Maulbronn. Ohne AfD, dafür mit großem Publikumsinteresse: Trotz der kurzfristigen Absage des AfD-Kandidaten Alexander Steblau diskutierten am Montagabend die Vertreter von CDU, SPD, FDP, Grünen und Linken vor rund 150 Gästen in der Stadthalle Maulbronn über die anstehende Landtagswahl. Eingeladen hatten der Jugendgemeinderat Maulbronn und das evangelische Seminar.

Die Runde der Antwortenden sitzt wie im Landtag: Cedric Strauß (Die Linke), Michael Hofsäß (SPD), Stefanie Seemann (Grüne), Eric Schweickert (FDP) sowie Ansgar Mayr (CDU) (von links). Koschnike
Die Runde der Antwortenden sitzt wie im Landtag: Cedric Strauß (Die Linke), Michael Hofsäß (SPD), Stefanie Seemann (Grüne), Eric Schweickert (FDP) sowie Ansgar Mayr (CDU) (von links). Koschnike Foto: Koschnike

Eröffnet wurde der Abend von Vanina Götz, stellvertretende Vorsitzende des Jugendgemeinderates, und Aaron Osswald, Schülersprecher des Seminars. Ein kurzer Erklärfilm der Landeszentrale für politische Bildung stimmte die Gäste ein. Moderiert wurde die Diskussion von Ramona Deeg, unterstützt von Ruth Schäfer und Benedict Klinger. Auf dem Podium saßen Cedric Strauß (Linke), Michael Hofsäß (SPD), Stefanie Seemann (Grüne), Eric Schweickert (FDP) sowie Ansgar Mayr (CDU) aus Bretten als Ersatz für den verhinderten Nico Gunzelmann.

Die kurzfristige Absage des AfD-Kandidaten sorgte bei einigen Gästen für Enttäuschung.

„Ich hätte gerne mal einen echten AfDler gehört und seine Meinung“, sagte Ernst-Dietrich Egerer.

Drei Themenblöcke

Inhaltlich gliederte sich die Diskussion in drei Themenblöcke: Klimawandel, Digitalisierung und Migration. Die Fragen stammten überwiegend von Schülerinnen und Schülern, zwischen den Blöcken konnte sich auch das Publikum beteiligen. Beim Klimaschutz herrschte vergleichsweise große Einigkeit, insbesondere beim Ausbau der Elektromobilität.

Kontroverser wurde es beim Thema Digitalisierung. Ein landesweites Handyverbot an Schulen lehnten FDP, SPD und Linke ab und plädierten stattdessen für mehr Medienkompetenz und einen kritischen Umgang mit Künstlicher Intelligenz. Seemann sprach sich für eine gestaffelte Zulassung digitaler Endgeräte aus und verwies auf entsprechende Wünsche von Jugendlichen. Mayr plädierte dafür, Entscheidungen vor Ort zu treffen. Schweickert betonte, autoritäre Staaten schalteten als erstes das Internet ab. „Digitalisierung macht mündige Bürger noch mündiger“, sagte er. Strauß stimmte zu, was für einen heiteren Moment sorgte.

Für Unruhe im Podium sorgte eine Publikumsfrage zur Nutzung der umstrittenen Palantir-Software durch die Polizei. Mayr verteidigte die Entscheidung für das Produkt des US-Unternehmers Peter Thiel und verwies auf fehlende europäische Alternativen. Der Vertrag sei befristet. Seemann kritisierte das Vorgehen des CDU-geführten Innenministeriums. Applaus erhielt Hofsäß mit seiner ironischen Bemerkung, man kaufe „einem Ganoven eine Software ab“. Seine Bürgerrechte seien ihm wichtiger als eine schnelle Lösung.

Auch beim Thema Migration verschärfte sich der Ton. Hofsäß kritisierte eine nach rechts gerückte Rhetorik. Mayr forderte, Realitäten anzuerkennen und verwies auf Stimmenverluste der SPD. Strauß unterstützte die Kritik an der Sprache, was zu Wortgefechten führte. Das Publikum reagierte mehrfach mit Applaus.

Schweickert sprach sich für eine klare Trennung zwischen Arbeitsmigration und Zuwanderung in die Sozialsysteme aus. Zwar sei die Zahl erwerbstätiger Geflüchteter gestiegen, dennoch würden häufig gut integrierte Menschen abgeschoben. „Wir schieben die Falschen ab“, sagte er. Seemann nannte diese Praxis „unwürdig“ und forderte bessere Bleibeperspektiven.

Positives Fazit

Trotz der kontroversen Debatten zog der Jugendgemeinderat ein positives Fazit. „Politische Information zu bieten ist auch eine Aufgabe des JGR“, sagte Lotte Gregori. Vorsitzende Annabelle Mauch sprach von einer „sehr erfolgreichen“ Veranstaltung. Auch das evangelische Seminar zeigte sich zufrieden. Schüler Benedict Klinger zeigte sich beeindruckt von der überwiegenden Sachlichkeit der Debatte. Ein von Schülerinnen und Schülern organisierter Faktencheck blieb ohne Beanstandungen.

Hintergrund ist die Landtagswahl am 8. März 2026, bei der erstmals auch unter 18-Jährige wahlberechtigt sind. Viele Jugendliche nutzten den Abend nach dem offiziellen Ende noch für persönliche Gespräche mit den Politikerinnen und Politikern.

Autor: Jule Koschnike