Mönsheim
Mönsheim -  09.09.2020
Artikel teilen: Facebook Twitter Whatsapp

Große Trauer auf Schloss Obermönsheim: Sigunde Freifrau von Gaisberg-Schöckingen gestorben

Mönsheim. Am Sonntag ist im Alter von 90 Jahren Sigunde Freifrau von Gaisberg-Schöckingen aus Mönsheim gestorben, Witwe des Freiherrn Ottokar von Gaisberg-Schöckingen auf Schloss Obermönsheim.

Abschied von Sigunde Freifrau von Gaisberg-Schöckingen. Foto: privat
Abschied von Sigunde Freifrau von Gaisberg-Schöckingen. Foto: privat

Für die Trauergemeinde schilderte Rüdiger von Fritsch, der frühere deutsche Botschafter in Moskau, der auch schon im PZ-Forum referierte, den beachtlichen Lebenslauf der Verstorbenen: „Baronin Gaisberg entstammte der schlesischen Familie der Grafen von Schweinitz. In Schlesien, Kärnten und schließlich Pommern verbrachte sie ihre Kindheit und frühe Jugend. In einer dramatischen Flucht, zunächst mit dem Ruderboot über die Peene nach Usedom und dann mit einem Schiff über die Ostsee gelang es der Familie – den Eltern und sechs Kindern –, sich Ende April 1945 im letzten Moment vor der heranrückenden Roten Armee in Sicherheit zu bringen. Sie retteten nichts als ihr Leben“, so die Schilderung durch Rüdiger von Fritsch. Zweieinhalb Jahre habe die Familie dann unter bedrückenden Umständen im Flüchtlingslager Oxbøl in Dänemark zubringen müssen, bis sie nach Deutschland zurückkehren konnte. Eindrucksvoll habe Baronin Gaisberg hiervon berichtet, genauso wie von den Anfangszeiten in Obermönsheim.

1948 war sie auf der Geburtstagsfeier eines Vetters erstmals ihrem Mann begegnet und wusste vom ersten Moment an: „Der ist es!“ Die Zustände in Obermönsheim, so Rüdiger von Fritsch, „waren in jenen Jahren so gar nicht, wie man es sich in einem Schloss vorstellt. Jeder Raum wurde einzeln mit einem Holzofen beheizt und in jedem Zimmer lebten Menschen, die hier nach ihrer Flucht Aufnahme gefunden hatten: Flüchtlinge aus dem Osten und Familien, die in Pforzheim ausgebombt worden waren.“ Obermönsheim sei in jener Zeit ein land- und forstwirtschaftlicher Betrieb gewesen, den Baron Gaisberg bewirtschaftet habe. Das änderte sich Ende der 1960er-Jahre, als der Stuttgarter Golfclub Solitude die landwirtschaftlichen Flächen pachtete und dort einen Golfplatz errichtete.

Für Baronin Gaisberg veränderte sich weniger als für ihren Mann, berichtet Rüdiger von Fritsch: „Sie führte einen großen Haushalt und zog mit ihrem Mann die fünf Kinder groß, die dem Ehepaar geschenkt worden waren – drei Töchter, zwei Söhne – und kümmerte sich überdies um ihre Schwiegereltern, die im Hause lebten. Baronin Gaisberg war eine liebenswürdige, zugewandte und sehr humorvolle Frau, der das schwere Schicksal der Kriegs- und Nachkriegszeit nichts von ihrer positiven Lebenseinstellung genommen hat.“ Ihre ganze Freude sei ihre große Familie gewesen. Noch in den letzten Tagen besuchten Enkel und Urenkel sie. Im Juni konnte sie im Kreis ihrer Kinder ihren 90. Geburtstag feiern und ihre Kinder waren nun auch um sie, als es dem Ende zuging, berichtet die Trauergemeinde.

Die Kondolenzadresse lautet: Huberta Freifrau von Fritsch-Seerhausen, Nepperberg 13 in 73525 Schwäbisch Gmünd. Der Trauergottesdienst findet am Samstag, 12. September, um 13 Uhr in der Michaelskirche in Wimsheim statt, die anschließende Beisetzung auf dem Familienfriedhof auf Obermönsheim.

Autor: mar